Mit ihrer Kamera hält Fotografin Gabriele Protze für viele Paare die schönen Momente der Trauung in Fotoreportagen fest. Während der Corona-Pandemie hat sich ihre Auftragslage in diesem Bereich drastisch reduziert. © Privat Gabriele Protze
Hochzeiten

Hochzeitsfotografin aus Lünen kämpft mit Folgen der Corona-Pandemie

In diesem Jahr haben in Lünen bis jetzt weniger Paare geheiratet, als 2020. Trotz weitreichender Corona-Lockerungen. Für die Fotografin Gabriele Protze (64) hat das drastische Auswirkungen.

Familienmitglieder, Verwandte, Freunde und Arbeitskollegen tummeln sich draußen gemeinsam auf der Tanzfläche – das Brautpaar in weißem Kleid und Anzug mittendrin. Im Hintergrund eine traumhafte Kulisse, wie die des Horstmarer Sees oder des Schlosses in Nordkirchen. So oder so ähnlich sah bis vor Pandemiebeginn zeitweise der Arbeitsplatz von Gabriele Protze aus. Die Fotografin aus Lünen hielt mit ihrer Kamera viele der besonderen Momente einer Hochzeit fest. Damit schaffte sie lebendige und bildliche Erinnerungen an den hoffentlich schönsten Tag im Leben des Brautpaares.

Doch seitdem sich das Coronavirus verbreitet hat, gab es solche Momente nur noch selten. Lockdown-Einschränkungen ließen bis vor Kurzem keine großen Feiern zu. Seit diesem Frühjahr hat sich das geändert. Die Inzidenzen sind niedrig, Feiern wieder unter bestimmten Bedingungen erlaubt.

In diesem Jahr wird weniger geheiratet als 2020

Das hat dazu geführt, dass das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) im vergangenen April (5202 Eheschließungen) 39 Prozent mehr Eheschließungen registrierte, als im April 2020 (3753). Im Gesamtüberblick bleiben die Zahl der Eheschließungen aber rückläufig. Wurden im ersten Quartal 2020 noch 14.289 Ehen geschlossen, waren es im gleichen Zeitraum in 2021 nur 13.583 – ein Rückgang von fast fünf Prozent.

Ob Streicher, Bläser oder Schlagzeugspieler – auf Schloss Nordkirchen wird endlich wieder gemeinsam musiziert.
Ob Streicher, Bläser oder Schlagzeugspieler – auf Schloss Nordkirchen wird endlich wieder gemeinsam musiziert. © Kreis Coesfeld/Tanja Brandt © Kreis Coesfeld/Tanja Brandt

Der Blick auf die Lüner Statistik bestätigt den landesweiten Trend. Die Lippestadt verzeichnete von Januar bis April 2021 58 Eheschließungen. 2020 waren es bis dahin noch 62. Trotz der niedrigen Inzidenzen hält diese Negativentwicklung an. von Mai bis Juli gab es 2021 in Lünen 80 Eheschließungen (Stand 19.7. sind für Juli noch 16 weitere Eheschließungen geplant). Im letzten Jahr zählte die Stadt noch 115 Hochzeiten in diesem Zeitraum. Es wird also durchweg weniger geheiratet als noch vor einem Jahr.

Paare sagen aus Vorsicht Hochzeiten ab

Das wirkt sich auf die Anzahl der Hochzeitsfeiern und damit ebenfalls auf die Auftragslage von Gabriele Protze aus. Die Fotografin sagt: „Viele Paare haben ihre Termine abgesagt, weil sie weiterhin vorsichtig sind.“ Etwa 20 Aufträge seien ihr deswegen in diesem Jahr bislang weggebrochen.

Als die Pandemie im letzten Jahr ausbrach, war der 64-Jährigen schnell klar, dass sie in der Folge weniger Hochzeiten fotografieren wird. Den Paaren macht sie keinen Vorwurf. „Vielen ist es im persönlichen Gespräch mit mir schwergefallen, die Hochzeit und damit mir abzusagen“, berichtet die Absolventin der Fotografie-Meisterschule.

Vielfältiges Fotografie-Angebot reicht nicht zum Leben aus

Protze fertigt neben Hochzeits- und Eventfotos auch noch Pass- und Bewerbungsbilder, Portrait- und Business-Fotos, Kinder- und Familienfotos, aber auch Dessous- und Aktfotos sowie Produkt- und Industriefotos an. Doch während der Pandemie reichte diese Angebotspallette nicht aus, um von der Selbstständigkeit zu leben.

Die 64-Jährige nahm eine halbe Stelle bei einem Bildungsträger im Bereich Inklusion an. Derzeit könne sich Protze nicht mehr vorstellen, in Vollzeit als selbstständige Fotografin zu arbeiten. Zu diesem Umdenken habe nicht nur die Pandemie, sondern auch die Entwicklung innerhalb der Fotobranche geführt. Stichwort Digitalfotografie.

Jedes Smartphone kann mittlerweile Fotos machen. Zudem sei der Beruf des Fotografen nicht mehr geschützt, sondern frei. Es brauche keine Berufsausbildung mehr. „Gefragt sind professionelle Fotografen nur, wenn das Gesamtpaket von Gruppenaufnahmen, festgehaltenen Situationen und Details erwünscht ist“, führt Protze aus. Sie ergänzt: „Mich fragen Menschen, ob ich ihre Fotos retten kann. Denn Smartphones können zwar viel, aber nicht alles.“

Derzeit fotografiert Protze meist standesamtliche Trauungen

Die wenigen Hochzeiten, die Protze derzeit begleitet, spielen sich meist im Standesamt ab. „Viele Paare wollen für sich das Ja-Wort geben und die Feier dann hinterher nachholen“, erzählt die Fotografin. Dann sei es auch in Ordnung, dass nicht der ganze Freundes- und Verwandtenkreis bei der Eheschließung dabei ist.

Trotz dieser ungewöhnlichen Situation sei von Traurigkeit keine Spur. Im Gegenteil. „Die Menschen sind für sich glücklich. Daher lassen sich trotz der niedrigeren Personenzahl schöne und glückliche Momente mit der Kamera festhalten“, sagt Protze. Denn mit fast 50 Jahren Erfahrung als Fotografin weiß sie, worauf es ankommt und erfüllt so die Wünsche ihrer Kundinnen und Kunden.

Diese unterscheiden sich genauso wie die Menschen, die Protze ablichtet. „Es gibt Paare, die möchten eine Märchenhochzeit und haben auch schon eine Location für die Fotos im Kopf“, sagt sie. Stammkunden habe sie für Fotos beispielsweise schon bis an die See begleitet.

Der Horstmarer See ist seit dem 14. Juni wieder für Badegäste freigegeben.
Der Horstmarer See ist seit dem 14. Juni wieder für Badegäste freigegeben. © Goldstein © Goldstein

Bei anderen Paaren berate sie wiederum in Vorgesprächen. Protze fragt dann nach Hobbies und Vorlieben. „Ich kenne im Umkreis einige schöne Orte, die sich für Hochzeitsfotos gut eignen“, sagt sie. Dazu zählt sie das Schloss Nordkirchen oder auch die Seen rund um Lünen. Das Wasser habe es ihr generell angetan. Dort fotografiert sie am liebsten – auch, wenn sie das nicht mehr in Vollzeit selbstständig macht.

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