„Ich könnte heute tot sein“: Bekenntnisse eines Lüner Ex-Verkehrs-Rowdys

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Ständig zu schnell und nur halb bei der Sache. So sah der Fahralltag von Stefan Rumpf aus. Im Gespräch erzählt der Lüner Raser, was ihn zum Umdenken brachte.

Niederaden

, 11.05.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zeiten, in denen er öfter mal den Stinkefinger zeigte, liegen längst hinter Stefan Rumpf. „Früher war ich ein echter Verkehrs-Rowdy“, erzählt der 51-jährige Niederadener. Als Außendienstmitarbeiter im technischen Vertrieb ist Rumpf seit inzwischen 20 Jahren 200 bis 300 Kilometer pro Tag auf den Straßen unterwegs. „Ich fuhr grundsätzlich zu schnell, zu dicht auf und machte nebenher andere Dinge. Ich stand ständig unter Druck und Stress, war wütend und aggressiv und deswegen eigentlich immer in Gefahr.“

Lange ging dieses Fahrverhalten für den technischen Berater gut. Die stationären Blitzer kennt er alle in weitem Umkreis und wenn er mal von einem mobilen erfasst wurde, hatte er „Glück“. „Die Strafen blieben immer unter hundert Euro, der Führerschein war nie weg und zu dichtes Auffahren wird ja nur sehr punktuell kontrolliert.“

"Ich will nicht mehr der mit dem Stinkefinger sein, sondern der mit der Winkehand", sagt Stefan Rumpf über seinen Sinneswandel im Straßenverkehr.

"Ich will nicht mehr der mit dem Stinkefinger sein, sondern der mit der Winkehand", sagt Stefan Rumpf über seinen Sinneswandel im Straßenverkehr. © Stefan Rumpf

Bis Stefan Rumpf eines Tages, unterwegs auf der A 44 Richtung Kassel, einen Schlüsselmoment hatte: Mit hoher Geschwindigkeit auf dem mittleren Fahrstreifen unterwegs, wollte er auf die linke Spur ziehen, während er Unterlagen auf dem Beifahrersitz ordnete. „Dabei wäre ich fast in die Mittel-Leitplanke gerast und hätte mich überschlagen. Da hätte ich tot sein können“, erinnert er sich. „Ich habe dann so gezittert, dass ich erst einmal an der Raststätte raus fuhr und intensiv an meine Familie dachte. Seitdem schwingt der Gedanke, dass meine beiden Töchter ihren Papa nicht verlieren sollen, immer beim Fahren mit.“

Ein Tag Fahren nach Vorschrift

Kurz darauf versuchte Rumpf sich dann mal für einen Tag an die Verkehrsvorschriften zu halten. Aus dem einen Tag wurden Wochen und aus den Wochen wurde ein Buch, in dem er sich auf knapp 460 Seiten nicht nur autobiografisch mit seinem früheren Fahrstil auseinandersetzt, sondern den Lesern auch eine Art Ratgeber an die Hand geben möchte. Einen Großteil des Buches setzt er sich mit den Regeln der Straßenverkehrsordnung auseinander und dem Sinn, der hinter diesen Regeln steckt.

Humorvoll und zum Nachdenken anregen

„Dieses Buch soll Dich auf der einen Seite humorvoll unterhalten und auf der anderen Seite ernsthaft zum Nachdenken anregen“, heißt es in der Einleitung von „Die Wut in der Blechkiste ... und die Kunst zu überleben. Erfahrungen eines PKW-Vielfahrers“. Er sehe jetzt erst, da er ruhiger fährt, welcher Wahnsinn da draußen los sei. „Und die merken das gar nicht, so wie ich das früher auch nicht gemerkt habe.“ Das habe auch ganz viel mit Psychologie zu tun: „Wenn ich mich ärgere, zum Beispiel über einen Stau, dann frage ich mich heute, welche Bedeutung er für mein zukünftiges Leben hat“, rät er beispielsweise. „Auch wenn ich mal einen Termin verschieben muss, nämlich meistens keine.“ Besonders wichtig ist es ihm, die Verkehrsregeln wirklich zu verstehen und das auch zu vermitteln: „Früher habe ich scheinbar unsinnige Geschwindigkeitsbegrenzungen einfach ignoriert“, erzählt Rumpf. „Jetzt rufe ich schon mal das zuständige Straßenverkehrsamt an und lasse mir das erklären.“

Lange fehlte das Thema für ein Buch
Bußgeldkatalog

Seit 28. April gelten neue BußgelderGer

  • Geschwindikeitsüberschreitungen außerorts von 16 bis 20 km/h kosten jetzt 60 Euro (vorher 30 Euro). Ab 61 bis 70 km/h zu schnell kostet es 440 Euro und zwei Monate Führerscheinentzug, über 70 km/h 600 Euro und drei Monate ohne Führerschein.
  • Innerorts kostet eine Geschwindigkeitsüberschreitung von bis zu zehn km/h 30 Euro (vorher 15), . 11 bis 15 km/h 50 Euro (vorher 25 Euro), 16 bis 20 km/h 70 Euro (vorher 35) und 21 bis 25 km/h 80 Euro plus einen Punkt und (neu) einen Monat Führerscheinentzug.

Ein Buch zu schreiben hatte der Familienvater schon als junger Erwachsener vorgehabt. Das hatte sich im Sande verlaufen, dann fehlte ihm lange das Thema. Zwei Jahre sind seit seinem Umdenken vergangen; zwei Jahre, in denen er an dem Buch arbeitete. „Ich will die Straßen sicherer machen“, so formuliert Rumpf seinen Antrieb dazu. Toleranz, Respekt, Verständnis, Rücksicht und Verantwortung im Straßenverkehr, das ist es, was er damit bezwecken möchte.

„Ich hatte auch immer das Gefühl, ich habe alles im Griff, aber ich bin einfach nicht erwischt worden, sonst hätte ich wohl den Führerschein verloren.“ Dabei plädiert er für eine bessere Überwachung der Straßen. „Höhere Strafen sind gut“, sagt der Vielfahrer, „weil sie Signale setzen. Es müsste aber noch teurer sein und es müsste auf jeden Fall mehr Kontrollen geben.“

„Die Wut in der Blechkiste ... und die Kunst zu überleben. Erfahrungen eines PKW-Vielfahrers“ ist im Selfplublishing-Verlag Tredition erschienen, umfasst 460 Seiten und kostet 22,99 Euro. Erhältlich über die Verlags-Seite oder Amazon.
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