Der Bauverein hat den Häusern Im Wiesengrund (Archivbild) Aufzüge vorgebaut. Damit sind die Wohnungen aber nicht barrierefrei zu erreichen. Einige Treppenstufen müssen noch bewältigt werden. SIe gelten daher als barrierearm. © Foto Goldstein
Wohnen in Lünen

IG BAU warnt vor Mangel an Seniorenwohnungen: So sieht es aus in Lünen

Aufzug statt Treppe: Das ist für viele Senioren eine Hilfe. Gibt es genug altersgerechte Wohnungen für die wachsende Zahl der Älteren? Das fragt die IG BAU und fordert mehr Anstrengungen.

Mehr als 19.300 Lüner sind über 65 Jahr alt, im Jahr 2040 könnten es über 23.000 sein. Auch im Kreis Unna wächst die Generation Ü65. Bis zum Jahr 2035 könnte sie um 24 Prozent auf 111.000 ansteigen. Die Industrie-Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) warnt in diesem Zusammenhang vor einem Mangel an Seniorenwohnungen im Kreis Unna. Damit Ältere in den eigenen vier Wänden bleiben können, sollten diese besonders ausgestattet sein, fordert die IG BAU.

„Lift statt Treppe, breite Türen für Rollator und Rollstuhl, barrierefreie Duschen – nur ein kleiner Teil der Wohnungen im Kreis ist für die rasant wachsende Generation Ü65 geeignet. Das muss sich ändern“, sagt Gabriele Henter. Die Bezirksvorsitzende der IG BAU Bochum-Dortmund spricht von einer „demografischen Notwendigkeit“. Es müssten nicht nur zusätzliche Seniorenwohnungen neu gebaut werden. Auch bei der altersgerechten Sanierung bestehender Wohnungen sei der Nachholbedarf groß. „Wenn die Rentner-Generation nicht stärker berücksichtig wird, droht vielerorts schon in einigen Jahren eine graue Wohnungsnot“, betont Henter. Dieses Problem werde bereits jetzt durch die Corona-Pandemie verschärft, weil gerade ältere Menschen einen Großteil des Tages zuhause verbringen müssten.

In Lünen gibt es 44.500 Wohnungen, wie Alexander Dziedeck aus der Pressestelle der Stadt Lünen auf Anfrage mitteilte. Die Stadt selbst nutzt den Begriff „Seniorenwohnung“ nicht im Zusammenhang mit Menschen über 65. „Vielmehr geht es um barrierefreien Wohnraum, dessen Zielgruppe Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sind. Das müssen nicht unbedingt „Senioren“ sein, genauso wie nicht jeder „Senior“ auf barrierefreien Wohnraum zwingend angewiesen ist“, so Dziedeck.

Die Stadt hat die Zahl der barrierefreien Wohnungen nicht erfasst. Jedoch seien alle nach 1998 errichteten öffentlich geförderten Wohnungen barrierefrei, das sind 1138. Alle Neubauten, auch frei finanzierte, seien seit Januar 2019 ebenfalls barrierefrei.

Bauverein: 1000 barrierearme Wohnungen

Auch beim Bauverein zu Lünen, der 5500 Wohnungen vermietet, gibt es die Einordnung Seniorenwohnung nicht. Geschäftsführer Andreas Zaremba spricht von barrierefrei oder barrierearm. 400 Wohnungen seien komplett barrierefrei, 600 barrierearm. Dazu zählten beispielsweise Wohnungen im Lippezentrum und am Tobiaspark. Die hätten zwar Aufzüge auf dem so genannten Mittelpodest im Hausflur, doch Mieter müssten immer noch einige Stufen bis zu ihren Wohnungen gehen. Ein anderes Beispiel seien Häuser im Wiesengrund oder an der Wilhelm-Meier-Straße. Da seien Aufzüge vor die viergeschossigen Objekte gesetzt worden. Aber auch dort führten einige Stufen zur Wohnung.

Zaremba betont, dass öffentlich geförderte Wohnungen oder auch die geplanten Neubauten mit 79 Wohnungen an der Preußenstraße, 16 an der Kreuzstraße und 60 auf der ehemaligen Mercedesfläche alle barrierefrei gebaut würden. „Das ist ein Punkt, den wir sehr ernst nehmen“, so Zaremba.

WBG: Unterstützung bei kleinen Maßnahmen

Das sieht auch Rainer Heubrock, Geschäftsführer der Wohnungsbaugenossenschaft Lünen (WBG), so. Von den 4600 WBG-Wohnungen seien 2000 in Lünen. Insgesamt 500 hätten den Standard barrierefrei oder barrierearm. Die WBG unterstützt auch bei kleinen Maßnahmen. „Wenn ältere Mieter gerne Griffe an der Dusche oder der Wanne haben möchten, bringen wir sie an“, sagt Heubrock. Das gelte auch für einen zweiten Handlauf im Treppenhaus. Es gebe ein Budget für überdachte Rollstuhl-Stellplätze. Zwei Sozialarbeiter kümmerten sich um die Förderung. Heubrock verweist auch auf Konzepte in Heliand oder an der Bebelstraße, wo es Wohnungen in der Nähe von Seniorenheimen gebe. Müsste ein Partner gepflegt werden, könne der andere in seiner Wohnung bleiben.

Vivawest: 262 seniorengerechte Wohnungen

Das Wohnungsunternehmen Vivawest bewirtschaftet in Lünen nach eigener Aussage knapp 7280 Wohnungen. In den Zahlen ist das Neubauprojekt mit 36 geplanten Wohnungen an der Kreisstraße in Niederaden bereits enthalten. 262 der Wohnungen davon seien seniorengerecht. 54 weitere barrierefreie Wohnungen seien im Bau. Vivawest investiere jährlich rund 125 Millionen Euro in die Modernisierung der Quartiere. Zu den Maßnahmen zählten auch Badumbauten, die Reduzierung von Barrieren sowie der Einbau von Gegensprechanlagen und neuen Türen. Damit wolle man dem wachsenden Sicherheitsbedürfnis im Alter Rechnung tragen. „Soziale Beratungsleistungen für ältere Mieter sowie ein auf Wunsch buchbares Service-Notrufsystem runden das Angebot ab“, erläutert eine Sprecherin auf Anfrage.

Die Stadt Lünen bietet auf ihrer Internetseite www.luenen.de Informationen zum Wohnen im Alter an. Sie erstellt auch ein Verzeichnis „Wohnen ohne Barriere in Lünen“, in das Vermieter freiwillig ihre Bestände eintragen können. Das Konzept „Zusammenleben 2030“ im Zusammenhang mit dem „Masterplan Wohnen“ soll die Bezahlbarkeit barrierefreier Wohnungen sichern. Es setzt vor allem auf den öffentlich geförderten Wohnungsbau.

IG BAU fordert mehr Fördergelder

Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet mit ihrem Programm „Altersgerecht Umbauen“ Zuschüsse und Kredite. Das Fördervolumen von 150 Millionen Euro in diesem Jahr reiche aber nicht, kritisiert die IG BAU. Der Bund müsse die Förderung mindestens verdoppeln, um das Senioren-Wohnen voranzubringen.

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Redaktion Lünen
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Magdalene Quiring-Lategahn

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