Im Geistviertel wird preiswerter Wohnraum abgerissen: Stadt sieht das trotzdem positiv

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Dass Vivawest an der Virchowstraße 135 Wohnungen abreißen lässt, um neu zu bauen, ist Gesprächsstoff im Quartier. Wie entwickeln sich die Mieten? Die Stadt sieht die Veränderung positiv.

Lünen

, 10.03.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Mangel an günstigem Wohnraum ist in ganz Lünen ein Thema. Der Abriss von 18 Häusern mit 135 Wohnungen an der Virchowstraße durch das Wohnungsbauunternehmen Vivawest macht im Quartier in der Geist den Wegfall weiterer preiswerter Wohnungen deutlich. Die Häuser aus den Jahren 1955 und 1956 entsprechen nicht mehr modernem Wohnstandard. Auch eine energetische Modernisierung hätte dieses Ziel nicht erreicht, nennt Vivawest den Grund für den Abriss. Stattdessen will das Unternehmen für 17 Millionen Euro dort neu bauen.

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Die Stadtverwaltung hat mit dem Masterplan Wohnen und dem Konzept „Zusammenleben 2030“ einen Fahrplan vorgelegt, wie sie Wohnen in Lünen und vor allem auch öffentlich geförderten Wohnraum zukünftig gestalten will. Erklärtes Ziel sind Ortsteile mit einer gemischten Sozialstruktur.

Abrissbauten sind nicht öffentlich gefördert

Das Geistviertel steht mit 784 öffentlich geförderten Wohnungen in Lünen an zweiter Stelle, nach Brambauer mit 1504. Die abgerissenen Häuser an der Virchowstraße sind allerdings kein öffentlich geförderter Wohnungsbau.

Wie hoch die Mieten künftig in den neu geplanten 81 frei finanzierten Mietwohnungen, darunter 27 Miet-Einfamilienhäuser, sein werden, dazu machte Vivawest auf Anfrage keine Angaben.“ Zu den Mietpreisen können wir zum aktuellen Stand noch keine Auskunft geben“, teilte das Unternehmen mit.

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Thomas Berger, Abteilungsleiter Stadtplanung, und Fachdezernent Ludger Trepper sehen die Veränderungen in der Geist durchaus positiv. Neuer, moderner Wohnraum würde geschaffen, ohne dafür zusätzliche Flächen in Anspruch zu nehmen, erklärt Thomas Berger. Die Tatsache, dass ein Unternehmen investiere, sei ein Indikator für attraktives Wohnen. Allerdings erklären sie auch, dass die Stadt die Grundentscheidung des Unternehmens nur schwer beeinflussen könne. Hier greife der Paragraph 34 BauBG, wonach sich Bauvorhaben in ihrer Eigenart in die Umgebung einfügen müssten.

Kooperation mit Vivawest

Seit 2004 habe Vivawest im Gespräch mit der Stadt den Prozess der Modernisierung eingeleitet. Dass es diese Gespräche gibt, darüber ist Thomas Berger froh. Die Wohnqualität werde verbessert, auch durch Schallschutz zur Bahnlinie Dortmunder Straße. „Die Steuerung der Kommune liegt mehr in der Kooperation als in rechtlichen Möglichkeiten“, erklärt auch Beate Lötschert, Abteilungsleiterin Wohnen und Soziales.

Im Geistviertel rechnet die Stadtverwaltung auch durch den Neubau von Miet-Reihenhäusern mit dem Zuzug von jungen Familien und einer sozial gemischten Bevölkerungsstruktur. „Es ist begrüßenswert, dass Vivawest investiert“, so Trepper.

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