Einen besonders dreisten Fall von wildem Müll in Lünen gibt es auf einem Parkplatz an der Brunnenstraße. Direkt am Naturschutzgebiet entsorgten Unbekannte Anfang Juni hier illegal säckeweise Abfall. © Dieter Kuhne
Illegale Müllentsorgung

Immer mehr wilde Müllkippen in Lünen: „Entwicklung ist erschreckend“

Mit 300 Tonnen wildem Müll rechnet die Stadtreinigung bis Ende 2021. Doppelt so viel wie vor drei Jahren. Für einen besonders dreisten Fall setzt ein Lüner jetzt sogar eine Belohnung aus.

Wilde Müllkippen verschmutzen in Lünen nicht nur die Umwelt und verschandeln das Stadtbild. Auch die schiere Menge des illegal entsorgten Müllbergs wächst. 250 Tonnen mussten die Wirtschaftsbetriebe Lünen (WBL) im Jahr 2020 entfernen. 2019 waren es rund 240 Tonnen, und 2018 noch etwa 150 Tonnen.

„Die Entwicklung ist schon erschreckend“, sagt Frank Artmeier, Abteilungsleiter der Wirtschaftsbetriebe Lünen (WBL). „Dieses Jahr liegen wir statistisch schon wieder über dem Wert des Vorjahres.“ Die Prognose: Bis Ende 2021 rechnet die WBL mit 300 Tonnen wildem Müll, eine Verdopplung in drei Jahren.

Befeuert wurde und wird dieser Negativtrend wohl auch durch die Pandemie. „Viele Menschen haben die Zeit genutzt, um aufzuräumen. Und einige wollen ihren Müll dann schnell und kostenlos loswerden“, erklärt Artmeier.

Einen besonderen Ablageplatz für ihren Sperrmüll haben Unbekannte sich kürzlich an der Brunnenstraße in Lünen ausgesucht. Auf einem kleinen Parkplatz in der Nähe der Steag-Fläche wurde säckeweise Müll abgeladen. „Eine ganz dreiste Aktion“, findet Dieter Kuhne, der den Müllberg am 2. Juni dort entdeckte. In Sichtweite direkt hinter der wilden Kippe steht ein Schild für das angrenzende Naturschutzgebiet.

500 Euro Belohnung ausgesetzt

Immer wieder findet Kuhne diese Müllkippen auf Lüner Stadtgebiet. Der Fall an der Brunnenstraße ärgert ihn so sehr, dass er sogar eine Belohnung aussetzt: 500 Euro für Hinweise, die dazu führen, dass die Verursacher des Müllbergs gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden können. Der Müll müsste, da ist Kuhne recht sicher, in der Nacht vom 1. auf den 2. Juni an dem Parkplatz entsorgt worden sein. Hinweise und wilde Müllkippen allgemein können über das Bürgertelefon der Stadt Lünen, Tel. (02306) 104 2020 abgegeben werden. Wenn sachdienliche Hinweise für die Müllkippe an der Brunnenstraße eingehen, kann die Redaktion Kontakt zu Dieter Kuhne herstellen (luenen@ruhrnachrichten.de).

Es bleibt aber eine Ansage mit recht geringem Risiko. Denn auch wenn sich im Müll selbst Hinweise auf die Verursacher finden – etwa Unterlagen mit Namens- und Adressdaten – reicht das allein oft nicht für ein Bußgeld. „Man muss die Leute eigentlich auf frischer Tat ertappen“, weiß Frank Artmeier.

Abenteuerliche Ausreden

Bei der Nachverfolgung gebe es sonst die abenteuerlichsten Ausreden. „Da wird dann zum Beispiel behauptet, der Müll sei gestohlen worden. Da sind uns oft die Hände gebunden.“ Für Ermittlungen in diesem Bereich ist das Ordnungsamt Lünen zuständig. Bei der Stadt sind im vergangenen Jahr 421 Meldungen über wilde Müllkippen eingegangen, wie Sprecher Benedikt Spangardt erklärt. „Auch nach Einschätzung der Stadt wird das Aufkommen an wilden Müllkippen in Lünen nicht kleiner.“

Auf dem Wertstoffhof der WBL an der Josef-Rethmann-Straße 2 können Lüner ihren Müll abgeben.
Auf dem Wertstoffhof der WBL an der Josef-Rethmann-Straße 2 können Lüner ihren Müll abgeben. © Matthias Stachelhaus (A) © Matthias Stachelhaus (A)

Erwischt und mit Bußgeldern belegt werden aber nur wenige Verursacher. 26 Verfahren hat die das Ordnungsamt der Stadt 2020 eingeleitet. In immerhin 22 Fällen führte das dann zu Buß- oder Verwarngeldern. Das höchste Bußgeld belief sich dabei auf 500 Euro.* Während das Wegwerfen oder Liegenlassen etwa von einzelnen Zigarettenkippen oder Plastiktüten 10 Euro kostet, sind bei größeren Mengen Sperrmüll Strafen von bis zu 1.500 Euro möglich. Der Bußgeldkatalog ist auf der Homepage der Stadt Lünen zu finden (www.luenen.de)

Noch keine Mülldetektive in Lünen

Mülldetektive könnten helfen, die Verursacher häufiger ausfindig zu machen, glaubt Artmeier. „Die wären dann vielleicht auch zu Uhrzeiten unterwegs, wenn der Müll abgeladen wird. Meist passiert das ja abends oder nachts.“ Zumindest für 2021 ist hier aber noch nicht mit Verstärkung zu rechnen. Ein entsprechender Antrag in der Lokalpolitik wurde zuletzt vertagt, weil der Stadthaushalt für 2021 schon beschlossen war.

Bei der WBL sind, im Durchschnitt, täglich vier Mitarbeiter drei bis vier Stunden damit beschäftigt wilden Müll zu entfernen. Rechnerisch also zwei Vollzeitstellen. Ob das reicht? „Wir versuchen es so gut wie möglich“, sagt Artmeier dazu. Die Krux: Mehr Personal kostet auch mehr Geld. Das müsste die Stadt Lünen zahlen, besser gesagt der Bürger mit höheren Beiträgen. Das möchte man bei der WBL vermeiden. „Wir müssen das ganze auch irgendwie wirtschaftlich darstellen.“

Für die Abgabe von Sperrmüll, Restmüll, und alte Reifen muss man auf dem Lüner Wertstoffhof eine Gebühr bezahlen.
Für die Abgabe von Sperrmüll, Restmüll, und alte Reifen muss man auf dem Lüner Wertstoffhof eine Gebühr bezahlen. © Matthias Stachelhaus © Matthias Stachelhaus

Eins zu eins umgelegt werden die Kosten für die eigentliche Entsorgung des wilden Mülls. Das müsste nicht sein, wenn der Müll legal auf dem Lüner Wertstoffhof entsorgt wird. Dafür werden, je nach Art des Mülls, zwar Gebühren fällig. „Wir haben aber die niedrigsten Preise im ganzen Kreis Unna“, meint Artmeier. Und an den Öffnungszeiten könne es auch nicht scheitern. Am Mittwoch sei extra länger bis 18 Uhr geöffnet. „Wir sehen dabei, dass der Zulauf in den späteren Stunden abflacht.“ Alle Öffnungszeiten und Preise sind auf der Homepage der WBL (www.wbl.de) zu finden.

Weniger Müll auf privaten Flächen

Wenn der wilde Müll auf privaten Flächen liegt, ist nicht die Stadt Lünen, sondern der Kreis Unna zuständig. Hier stellt sich die Lage etwas anders dar, wie Kreissprecher Max Rolke erklärt. Mit 38 Fällen in Lünen gab es 2020 weniger Meldungen als im Vorjahr (2019: 59). Sechs Verfahren seien 2020 eingeleitet worden, drei davon mit Bußgeldern in dreistelliger Höhe belegt worden. Grundsätzlich sind hier Strafen von bis zu 100.000 Euro möglich. Auf Zeugenaussagen ist aber auch der Kreis angewiesen. „Das hat in der Vergangenheit auch sehr gut geklappt“, erklärt der Kreissprecher weiter. Eine Notwendigkeit für sogenannte Mülldetektive auf Kreisebene werde nicht gesehen.

*Nachdem die Zahlen zu Bußgeldverfahren aus 2020 der Redaktion gemeldet wurden, haben wir den Text aktualisiert. 2019 gab es rund 550 Meldungen, die zu 28 Verfahren gegen die möglichen Verursacher führten. 15 Mal war die Stadt Lünen damit erfolgreich.

Über den Autor
Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
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Matthias Stachelhaus

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