In der „Elmenhorster Mühle“ setzt die Chefin auf laktosefreie Küche

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Wer in die „Elmenhorster Mühle“ kommt, betritt eine Traditions-Gaststätte. Und obwohl bei 90 Prozent aller Gerichte etwas fehlt, vermisst der Gast nichts. Die Küchenchefin hat ein Konzept.

Brambauer

, 23.02.2019, 12:15 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Gaststätte „Elmenhorster Mühle“ liegt einige hundert Meter hinter der Lüner Stadtgrenze in Brambauer auf Waltroper Stadtgebiet. Die Mühle hat eine lange Gastronomie-Tradition. Seit fünf Jahren ist hier die 35-jährige Katrin Wierzchowski die Chefin.

Mit diesem Online-Wissen im Hinterkopf machen wir uns an einem Samstagabend auf an die Brambauerstraße.

Die „Elmenhorster Mühle“ präsentiert sich von außen wie seit Jahren vertraut. Beim Betreten stellen wir fest, dass sich auch innen nichts Grundlegendes verändert hat. Der Gastraum wirkt strukturiert und mit Überlegung eingerichtet. Im großen Raum ist der rustikale Gesamteindruck erhalten geblieben. In einem zweiten Gastraum sind schon modernere Zeiten eingezogen.

Katrin Wierzchowski wird uns später erklären, dass sie bei der Übernahme der Mühle vor fünf Jahren drei Monate lang renoviert, ausgemistet und gestrichen hat. Dann hat sie noch viel Geld in die Kücheneinrichtung gesteckt. „Deshalb ist das Rustikale erst einmal geblieben“.

Wir bekommen auch ohne Reservierung einen Tisch am Fenster, die Bedienung ist aufmerksam und zuvorkommend. Bestellung und Betreuung funktionieren während des gesamten Abends routiniert zuverlässig und unaufdringlich.

Erste Überraschung: Die Speisekarte

Katrin Wierzchowski hat die „Elmenhorster Mühle“ zu einem laktosefreien Restaurant gemacht. Aus eigener Erfahrung weiß sie, wie schwierig es ist, mit einer Lebensmittelunverträglichkeit in einem Restaurant essen zu gehen. „Da habe ich mir geschworen, wenn ich mal ein eigenes Restaurant aufmache, dann wird das komplett laktosefrei.“

90 Prozent aller Gerichte auf der Karte sind laktosefrei, bei allen anderen gibt es auf Anfrage eine laktosefreie Variante. Das Team verspricht auch bei anderen Lebensmittelunverträglichkeiten Abhilfe. In diesem Fall wird um eine vorherige Reservierung gebeten.

Das Vorspeisenangebot ist reichhaltig und reicht von Suppe bis hin zu Chili-Garnelen. Alle Vorspeisen gibt es auch als Hauptgericht. Weiter geht es mit dem, was wir in diesem Ambiente erwartet hatten: Krüstchen, Steaks und „Wiener Schnitzel“, original vom Kalb.

Der Philosophie des Hauses entsprechend folgt eine umfangreiche Veggie-Karte.

Zu guter Letzt gibt es eine separate Burger-Karte. Brötchen und Pattys sind handgemacht und können beliebig variiert werden. Die Liste der Saucen ist lang und reicht bis zu „scharfe chipolte Mayo“. Und natürlich gibt es alle Burger auch in vegetarischer Variante.

Zweite Überraschung: Die Brot-Bar

Nachdem wir unser Essen bestellt haben, erhalten wir die freundliche Einladung an die Brot-Bar. Einfach genial: Da liegen an einer Theke vier herrlich frische selbstgebackene Brote, ergänzt durch verschiedene Dips.

Die Brot-Bar bietet selbstgebackenes Brot und verschiedene leckere Dips.

Die Brot-Bar bietet selbstgebackenes Brot und verschiedene leckere Dips. © Voß

Wir probieren uns ausgiebig durch Brot und Dips und verraten an dieser Stelle schon mal, dass das ein Fehler ist: Die kommenden Portionen sind auch für gute Esser reichlich.

Dritte Überraschung: Selbst gemacht

Katrin Wierzchowski macht Brot, Saucen, Pattys für Burger, Torten und Kuchen und sogar verschiedene Limonaden und Eis selbst. Die Köchin hat im Hotel „Jammertal“ in Datteln gelernt und nach ihrem Abschluss ein Event-Management-Studium angeschlossen. Ihr Credo: „Gutes Essen bedeutet Lebensqualität“.

Vorspeisen

Wir entscheiden uns bei den Vorspeisen für eine Tomatensuppe mit Parmesanspänen und Croutons (4 Euro) und gebackene Zucchinischeiben mit Kräuterdip und Salat mit Honig-Balsamico-Dressing (7,90 Euro).

Die Suppe ist sämig und schmeckt intensiv nach frischen Tomaten, das angeröstete Schwarzbrot passt als Crouton perfekt dazu. Die Käsespäne runden den guten Gesamteindruck ab.

Die Tomatensuppe mit Parmesan-Spänen und dunklen Croutons.

Die Tomatensuppe mit Parmesan-Spänen und dunklen Croutons. © Voß

Die Zuccinischeiben sind knackig und lecker, Salat und Dressing harmonieren, das Ganze ist ansprechend angerichtet.

Die gebackenen Zucchinischeiben mit Salat und Dip.

Die gebackenen Zucchinischeiben mit Salat und Dip. © Voß

So kann es weitergehen!

Hauptgericht

Wir haben an diesem Abend keine Lust auf Burger und unterscheiden uns damit von der Mehrheit des Publikums. „Unsere Burger haben sich zum Renner entwickelt“, erzählt die Küchenchefin später.

Mein Mann entscheidet sich für ein Rinderhüftsteak (180 g für 12 Euro) und wählt als Beilage Bratkartoffeln (3,50 Euro) und gebratene Champignons mit Zwiebeln (4,50 Euro).

Steak, Kartoffeln und Gemüse werden getrennt serviert, so dass das Fleisch auf den ersten Blick etwas verloren auf dem großen Teller wirkt. Es ist wie bestellt „englisch“ gebraten, schmeckt ausgezeichnet und lässt, ebenso wie die Beilagen, keine Wünsche offen.

Meine Wahl fällt auf „Chili-Krüstchen“ (16,90 Euro). Die beiden kleinen Schweineschnitzel werden mit einer Chili-Hollandaise, Peperoni und Käse überbacken und mit Pommes Frites und Salat serviert. Hier werden Krüstchen und Beilage leider auf einem Teller gereicht. Chili und Peperoni klingt scharf, aber eine Hollandaise und Käse sollten die Schärfe doch mildern, oder?

Das feurige Hauptgericht: Krüstchen mit Chili-Hollandaise.

Das feurige Hauptgericht: Krüstchen mit Chili-Hollandaise. © Voß

Mitnichten: Wer sich auf Chili Hollandaise einlässt, der bekommt eine ausgesprochen feurige Variante des Gasthaus-Klassikers. Lecker, aber nichts für schwache Geschmacksnerven.

Dessert

Mein Mann winkt ab und begnügt sich mit einem Espresso. Nach so viel Geschmacksexplosion im Hauptgang ist mir nach einem versöhnlich-süßen Abschluss.

Die Desserkarte ist reichhaltig und zeugt von der Backleidenschaft der Küchenchefin. Warme Schokotörtchen, warmer Cheesecake, süße Flammkuchen und ein Donutburger stehen neben Eis zur Auswahl.

Ich entscheide mich für einen kleinen warmen Cheesecake mit Kirschen und Vanilleeis (6 Euro). Dazu gibt es ebenfalls einen Espresso. Und ich bereue nichts -von der Diagnose der Waage am nächsten Morgen wollen wir hier höflich schweigen. Dieser süße Schlussakkord krönt den Abend perfekt.

Der süße Abschluss.

Der süße Abschluss. © Voß

Zusammen mit den Getränken (ein Glas Wein, ein großes Glas Radler, eine große selbstgemachte Zitronen-Limonade und Kaffee) stehen am Schluss 70,10 Euro auf der Rechnung. Das erscheint uns sehr angemessen.

Barrierefreiheit

Der Weg ins Lokal führt über eine flache Stufe, die Toiletten sind ebenerdig zu erreichen.

Unser Fazit

Hinter der traditionellen Fassade verbirgt sich ein modernes Küchenkonzept. Die Küchenchefin bietet eine breite Palette. Der klassische Restaurantbetrieb wird durch ein umfangreiches Event-Angebot ergänzt. Alle zwei Wochen gibt es ein Sonntags-Frühstücks-Buffet (unbedingt anmelden). Mit Menü- und Buffetvorschlägen steht sie als Caterer bereit, Torten können zu besonderen Ereignissen bestellt werden, für geschlossene Gruppen werden individuell abgestimmte Fondue-Abende angeboten.

Was das Netz sagt

Bei Google gibt es 97 Bewertungen mit der Note 4,5 von fünf Sternen. Die facebook-User sind sich einig: Hier gibt es durchgehend die Höchstnote. Besucher schildern hier auch den tollen Biergarten, der sich uns nur im Winterschlaf präsentierte.

Alle Informationen

Elmenhorster Mühle, Brambauerstraße 167 in Waltrop, Tel. (02309) 7799324, www.kiwie-events.de; Das Restaurant ist geöffnet mittwochs bis samstags von 17 bis 21 Uhr und sonntags von 12 bis 20 Uhr. Für alle Events ist eine Anmeldung erforderlich.

So funktioniert der Restaurant-Check: Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich. Nachdem wir die Rechnung beglichen haben, offenbaren wir uns und vereinbaren für die nächsten Tage einen Fototermin für die Gaststätten-Aufnahmen.
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