Die meisten Pflegebedürftigen werden ambulant zu Hause betreut - oft von Pflegediensten. © picture alliance/dpa
Zahl der Pflegebedürftigen steigt

In Lünen werden die meisten Pflegebedürftigen ambulant zu Hause betreut

Immer mehr Pflegebedürftige gibt es in Lünen und im Kreis Unna. Das belegen Zahlen von IT NRW und aus dem neuen Pflegebedarfsplan. Dass die Zahlen gestiegen sind, hat einen bestimmten Grund.

Immer mehr Menschen in Lünen und im Kreis Unna sind pflegebedürftig. Die Zahl der Betroffenen ist kreisweit im Vergleich von Dezember 2015 zu Dezember 2017 um 18,4 Prozent gestiegen. Das ergibt sich aus dem aktuellen Pflegebedarfsplan für den Kreis Unna. Wegen der Corona-Pandemie konnte der neue Pflegebedarfsplan noch nicht von den zuständigen Kreis-Gremien verabschiedet werden. „Ich hoffe, dass es im Frühjahr soweit sein wird“, so auf Anfrage Annette Goebel, Koordinatorin für Altenarbeit der Stadt Lünen.

Annette Goebel ist Koordinatorin für Altenarbeit der Stadt Lünen. © Goebel (A) © Goebel (A)

Klar ist aber – auch in den kommenden Jahr(zehnt)en wird die Zahl der Leistungsempfänger aus dem Sozialgesetzbuch (SGB) XI (Pflegeversicherung) wohl weiter ansteigen. Von 18.669 im Jahr 2017 bereits auf 20.487 im Jahr 2023. Das bedeutet ein Plus von 9,7 Prozent bzw. 1818 Personen.

Prognostiziert werden für 2030 21.050 Pflegebedürftige, also ein weiteres Plus von 12,8 Prozent bzw. 2381 Personen im Vergleich zu 2017. Weitere zehn Jahre später wird es ein Plus von 25,1 Prozent im Vergleich zu 2017 geben. Für 2040 sind 23.360 Leistungsempfänger im Kreis Unna prognostiziert, also 4691 Personen mehr im Vergleich zu 2017.

Mehr Menschen bekommen Leistungen

Der Grund dafür, dass die Zahl der Pflegebedürftigen immer weiter ansteigt, ist die Einführung der neuen Begutachtungssystematik ab Januar 2017. „Das ist positiv zu bewerten, so kommen mehr Menschen als vorher in den Genuss von Leistungen“, so Annette Goebel.

Viele Personen erhalten seitdem Leistungen aus der Pflegeversicherung, die vorher aufgrund der früheren Begutachtungskriterien einen zu geringen oder keinen Bedarf attestiert bekamen, heißt es im Pflegebedarfsplan.

Negativ zu sehen ist dagegen ein anderer Wert. Die Zahl sämtlicher Beschäftigten in Pflegebetrieben stieg in diesem Zeitraum nur um 5,3 Prozent, das sind 341 Pflegekräfte mehr. Das bedeutet, dass sich das personelle Versorgungsverhältnis in der professionellen Pflege deutlich verschlechterte und den bestehenden Personalmangel verstärkte.

Mehr als die Hälfte der Pflegebedürftigen im Sinne der Pflegeversicherung, nämlich 54,1 Prozent, stellen die Hochaltrigen (80 Jahre und älter). So ergibt sich

bei einem zu erwartenden starken Anstieg der „Hochaltrigen“ auch eine aktuell

hohe Steigerung bei der Zahl der zu versorgenden Pflegebedürftigen im Kreis Unna.

Die meisten Pflegebedürftigen in Lünen und im Kreis Unna werden weiterhin zu Hause versorgt. Meistens von pflegenden Angehörigen. „Es gibt aber auch viele Entlastungsmöglichkeiten, die genutzt werden“, so die Koordinatorin für Altenarbeit. So sind oft Pflegedienste unterstützend im Einsatz und es wird auch die Möglichkeit genutzt, dass die Pflegebedürftigen eine Tagespflege besuchen.

Mehr Kontakte und Freiräume

Diese Besuche verschaffen nicht nur den Angehörigen Freiraum, sie sorgen auch dafür, dass die Pflegebedürftigen mehr Kontakte haben, Vereinsamung vermieden wird. Durch Hol- und Bringedienste können auch Pflegebedürftige, die nicht mehr mobil sind, die Tagespflege nutzen.

Die Zahl der älteren Menschen wird in den kommenden Jahren in Lünen und im Kreis Unna weiter steigen. Gründe sind die steigende Lebenserwartung sowie die zu niedrige Geburtenrate und der zu niedrige positive Wanderungssaldo. Wobei allerdings nicht jeder Mensch im Alter von 80 Jahren und mehr pflegebedürftig, oder dement und gerontopsychiatrisch erkrankt ist. Die deutliche Mehrheit dieser Altersgruppe, nämlich 61,5 Prozent, im Kreis Unna ist nicht pflegebedürftig.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass mehr als ein Drittel der 80-jährigen und älteren Bevölkerung im Kreisgebiet pflegebedürftig ist und das Hauptklientel für die Pflege bleiben wird. Wobei auch hier gilt, dass die meisten Betroffenen ambulant betreut werden und nur ein geringer Teil in stationären Pflegeeinrichtungen lebt.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
Zur Autorenseite
Beate Rottgardt

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt