Insolvenz bei Berkenkamp: Lüner Stahlbauer startet trotzdem neu durch

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Die Berkenkamp Stahl- und Metallbaugesellschaft ist zahlungsunfähig. Am 1. Juni hat das Amtsgericht Dortmund das Insolvenzverfahren eröffnet. In dem Unternehmen gibt es dennoch Hoffnung.

Lünen

, 06.06.2020, 14:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Wechselbad der Gefühle. So lässt sich am besten bezeichnen, was Carsten Riedel und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Borker Straße 44 in den zurückliegenden Monaten erlebt haben.

Zwischen Hoffen und Bangen seit Ende Januar

Der Jahreswechsel hatte noch nichts Böses verheißen. Dann kommt es knüppeldick für das mittelständische Unternehmen mit mehr als 60-jähriger Tradition: Ein großer Kunde kommt seiner Zahlungsverpflichtung nicht nach, ein anderer, der zahlen will, kann es plötzlich nicht mehr. Carsten Riedel, der Geschäftsführer, zieht die Reißleine. Er meldet am 31. Januar Insolvenz an wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Am 1. Juni eröffnet das Amtsgericht Dortmund das Insolvenzverfahren. Doch die Geschichte des Traditionsunternehmens ist damit nicht beendet.

Ein Kunde will als Investor einsteigen. Er weiß die Arbeit des Lüner Herstellers von Stahlkonstruktionen insbesondere für die Industrie zu schätzen und will ihn durch sein finanzielles Engagement als Lieferanten behalten. Beide Seiten sind sich einig, da kommt Corona.

Carsten Riedel steigt selbst ein als Gesellschafter

Der Investor zieht zurück. Die Zukunft sei zu unsicher für eine solche Investition. Damit ist plötzlich auch die Zukunft der 21 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder unsicher. Bis Carsten Riedel einen Entschluss fasst. Er gründet ein neues Unternehmen und wird alleiniger Gesellschafter: die Berkenkamp Stahlbau GmbH.

An dem Namen hat Riedel bewusst festgehalten. Sein Vater Horst Riedel (86) hatte den Betrieb 1988 übernommen, nachdem der mit ihm befreundete Unternehmensgründer Berkenkamp gestorben war. Der Name Berkenkamp sei geblieben und stehe bis heute für Qualität im Stahlbau.

Kraftwerke und Mobilfunkanbieter als Kunden

Lange war der Kraftwerksbau ein wichtiges Standbein. Insbesondere beim Bau des neuen Trianel-Kraftwerks in Lünen hatte Berkenkamp gute Jahre. Der Energiewandel führt dazu, dass andere Abnehmer an Bedeutung gewannen: der Mobilfunkbereich etwa, für den das Unternehmen Stahlkonstruktionen für die Antennen produziert. „Ein Wachstumsmarkt“, wie Riedel mit Blick auf den 5-G-Ausbau sagt.

Die Kunden, die der Stahl- und Metallbaugesellschaft Berkenkamp verbunden waren, wechseln jetzt zur Berkenkamp Stahlbau GmbH, wie Riedel sagt: die Voraussetzung für einen guten Start des Unternehmens, dessen Auftragsbücher gefüllt seien.

Landesweit gab es laut den Statistiken von IT NRW zwischen Januar und April 7531 Insolvenzen in NRW, davon 1642 Unternehmensinsolvenzen: Zahlen, die im Vergleich zum Vorjahr geringer ausfallen. 2019 waren es im selben Zeitraum 8981 Insolvenzen, darunter 1971 von Unternehmen.

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