Die Zahl der Betriebe in Kurzarbeit stieg 2020 in Lünen rapide an. © Grafik Martin Klose
Agentur für Arbeit

Jeder siebte Lüner Arbeitnehmer war 2020 von Kurzarbeit betroffen

Die Arbeitslosenzahl in Lünen stieg 2020 trotz Corona gar nicht mal so stark an. Allerdings stellen sich weder die Situation der Betriebe noch die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt rosig dar.

Nicht nur die Pandemie allein hat 2020 für einen Rückgang der Beschäftigtenzahlen in Lünen gesorgt. Wie die Agentur für Arbeit in ihrer vorläufigen Jahresbilanz feststellt, machte sich auch die „Konjunkturdelle“ bemerkbar – und zwar bereits 2019, als Corona ausschließlich ein Synonym für mexikanisches Bier mit Zitronenstückchen war.

„Es gab im Herbst 2019 bereits eine leichte Eintrübung des Marktes, der Optimismus der Unternehmen ging deutlich zurück“, kommentiert Ulrich Brauer, Pressesprecher der zuständigen Agentur für Arbeit in Hagen, die Zahlen. Vor allem im verarbeitenden Gewerbe – also die Herstellung von Produkten und Nahrungsmitteln jeder Art sowie die dazugehörigen Lieferketten – sei damals ein Auftragsrückgang zu spüren gewesen. „Da dachten wir schon, dass 2020 ein schwieriges Jahr werden würde.“

Corona schlägt im ersten Quartal zu

Was dann ab März 2020 passiert sei, habe natürlich niemand voraussehen können. Obwohl die endgültigen Zahlen noch nicht vorliegen, zeichnet sich für 2020 ein Rückgang der Beschäftigung in Lünen um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ab. Insgesamt sind die Zahlen rückläufig.

Schaut man sich die Daten der Beschäftigten genauer an, fällt auf: Rund 60 Prozent arbeiten als Fachkraft, weitere 20 Prozent als Helfer – Spezialisten und Experten machen jeweils weniger als 10 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Lünen aus. Etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten – 54,2 Prozent – ist männlich. Die Zahl der jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (unter 25 Jahren) in Lünen ist gering: Sie machen 11,5 Prozent der Beschäftigten aus, mehr als zwei Drittel (67,2 Prozent) ist zwischen 25 und 55 Jahre alt.

Trotz der Abwärtsspirale seit Herbst zählt das verarbeitende Gewerbe in Lünen nach wie vor zu den Hauptarbeitgebern: 15,7 Prozent der Beschäftigen sind hier angestellt, obwohl es 2020 einen Rückgang der Beschäftigtenzahl in dieser Sparte um 278 (6,6 Prozent) gab. Größter Verlierer der Krise ist in Lünen bisher die Zeitarbeit, hier ging die Beschäftigtenzahl um 477 (22,8 Prozent) zurück. Gewinner sind hingegen die Sparten „Erziehung und Unterricht“ (plus 59/10 Prozent), „Gesundheitswesen“ (46/1,9 Prozent) und Baugewerbe (40/2,3 Prozent).

Immer noch besser als vor zehn Jahren

Besonders deutlich zeigt sich die Corona-Krise im Bereich Kurzarbeit. Hatten im gesamten Jahr 2019 11 Lüner Betriebe Anträge auf Kurzarbeit gestellt, von denen 100 Beschäftigte betroffen waren, stiegt die Zahl spätestens mit Pandemiebeginn ab März deutlich an. In der Spitze war – Stand jetzt – jeder siebte Lüner Beschäftigte von Kurzarbeit betroffen.

Bei der Gesamtarbeitslosigkeit ist Lünen bisher noch verhältnismäßig gut weggekommen. Gegenüber 2019 stieg die Zahl der Arbeitslosen im Pandemiejahr 2020 „nur“ um 350 Menschen (8 Prozent) auf 4696 an. Die Arbeitslosenquote stieg von 9,5 auf mittlerweile 10,2 Prozent. Damit steht Lünen immer noch besser da als vor zehn Jahren.

Schaut man sich die Daten näher an, wird schnell klar, dass vor allem ungelernte Kräfte Probleme auf dem Arbeitsmarkt haben: Rund 63 Prozent der Arbeitslosen haben keinen Berufsabschluss. Ein Problem, das schon früher beginnt: 25 Prozent der Arbeitslosen in Lünen haben auch keinen Schulabschluss, ein Hauptschulzeugnis haben 36 Prozent in der Tasche.

Zudem sorgte die Pandemie dafür, dass deutlich weniger neue Stellen in Lünen gemeldet werden. Mit Blick auf 2021 gibt sich die Agentur für Arbeit nicht allzu optimistisch, dass sich das schnell ändern wird.

Unternehmen melden spät

  • Teile der Jahresbilanz der Agentur für Arbeit sind vorläufig. Grund: Oftmals melden Betriebe Kurzarbeit oder neue Beschäftigungsverhältnisse nach. Laut Agentursprecher Ulrich Brauer kann es bis zu sechs Monate dauern, bis valide Daten vorliegen.
  • Was die allgemeinen Zahlen zu Arbeitslosigkeit angeht, so liegen diese der Agentur für Arbeit vor. Hier ist die Jahresbilanz also vollständig.
Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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