Die Erste Hilfe braucht Hilfe: Johanniter starten „Trau-Dich“-Kampagne - Jeder kann helfen

Erste Hilfe

Erste Hilfe leisten? Ja, sicher, aber wie? Viele Menschen haben das letzte Mal zur Führerscheinprüfung in einem Kurs gesessen. Dabei gibt es durchaus „Erste Hilfe“ für die Erste Hilfe.

Lünen

von Antonia Gutzmann

, 18.09.2019, 14:26 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Erste Hilfe braucht Hilfe: Johanniter starten „Trau-Dich“-Kampagne - Jeder kann helfen

Erste Hilfe kann trainiert werden - damit man im Notfall den Duchblick hat und jeder Handgriff sitzt. © Inga Geiser

Nur etwa 30 Prozent der Deutschen wüssten im Notfall, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, um einen Menschen, egal ob bei einem Herzinfarkt oder einer schwerwiegenden Verletzung, zu retten. So schätzen die Lüner Johanniter die Lage ein.

Mit der Kampagne ,,Trau dich! Jeder kann Erste Hilfe leisten!“ starten die Johanniter ein neues Projekt, um Menschen Praxistipps zu lebensrettenden Sofortmaßnahmen zu liefern. ,,Oftmals liegt der Erste-Hilfe-Kurs schon Jahre oder Jahrzehnte zurück. Entsprechend unsicher fühlen sich die Menschen“, erklärt Detlef Leibold, zuständig für die Breitenausbildung bei den Johanniter.

Dem soll dieses Projekt entgegenwirken, unter anderem mit Erklär-Videos in sechs Teilen zu den Themen stabile Seitenlage, Herz-Lungen-Wiederbelebung, Defibrillator, Ratek-Rettungsgriff, Wundversorgung und Brandwunden. So könne sich jeder über diese Grundsteine der Ersten Hilfe informieren oder bereits vorhandene Kenntnisse auffrischen.

In Deutschland gibt es viel weniger Erst-Helfer als in anderen Ländern

Die meisten Deutschen beschäftigen sich nur gezwungenermaßen mit dem Thema ,,Erste Hilfe“. In Betrieben, die eine verwaltende Funktion haben, müssen bis zu 10 Prozent der Angestellten eine Ausbildung als Betriebshelfer abgeschlossen haben, in verarbeitenden Betrieben, wie Beispielsweise einem Sägewerk sind es bis zu 20 Prozent. Die Anzahl variiert auch nach der Mitarbeiteranzahl in einem Betrieb.

,,Wenn wir von einem Betrieb angefragt werden, schauen wir uns diesen ersteinmal genau an und schneiden den Kurs dann auf die Bedürfnisse der jeweiligen Firma zu.“, teilt Leibold der Redaktion mit.

Andere machen den Erste Hilfe-Kurs für den Führer- oder Trainerschein. ,,Fest steht, dass bei den Johannitern nur bis zu 10 Prozent der Teilnehmer eines solchen Kurses auf freiwilliger Basis daran teilnehmen, beispielsweise um den Kurs, der vor 15 Jahren für den Führerschein gemacht wurde, nocheinmal aufzufrischen“, sagt Leibold.

Die Kurse der Johanniter in Lünen finden alle in der Viktoriastraße 3 statt, neben den bereits angebotenen Kursen wie Outdoor-Erste-Hilfe oder Erste Hilfe am Kind gibt es dort bald auch die Möglichkeit, Grundkurse zu absolvieren.

,,In anderen Ländern sind 70 Prozent der Bevölkerung Ersthelfer“, weiß Martin Vollmer, Pressesprecher der Johanniter in Lünen. ,,Das ist hier in Lünen und in Deutschland im allgemeinen völlig untypisch.“ Ob mit Kurs oder ohne: Helfen kann jeder. ,,Anhalten, schauen was passiert ist und den Notruf wählen kann jeder“, sagt Vollmer.

Auch das Deutsche Rote Kreuz bietet Kurse an

Natürlich bieten nicht nur die Johanniter solche Kurse an. Auch bei der Hauptstelle des Roten Kreuzes in Lünen, am Spormeckerplatz kann man an verschiedenen Kursen teilnehmen. Der Grundkurs, der beispielsweise auch für den Führerschein benötigt wird, findet jeden Samstag statt, die Fortbildung für die Berufsgenossenschaft einmal pro Monat. Zudem bietet das Rote Kreuz in Lünen je nach Bedarf auch Erste Hilfe-Kurse am Kind oder besondere Trainings für beispielsweise Erzieher an. Diese finden meist vor Ort bei den Unternehmen statt.

Ob bei den Teilnehmern der DRK-Kurse ebenfalls nur 10 Prozent freiwillig teilnehmen, darüber konnte das DRK keine genaue Auskunft geben. ,,Viele Ersthelfer in den Unternehmen haben sich freiwillig für diese Ausbildung entschieden“, teilte Matthias Stiller, Vorsitzender des DRK Kreisverbandes, mit.

Er sieht bei der Teilnahme an den Kursen im Gegensatz zu den Johannitern sogar einen Trend nach oben. Allerdings, während die Zahl der privaten Teilnehmer steige, sinke die Zahl der Kursbesucher, die aus beruflichen Gründen kämen.

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