Kauft man im Sommer Theatertickets im Kulturbüro, kann man anschließend duschen

mlzDiskussion über Ticketshops

Über 37.000 Tickets für Heinz-Hilpert-Theater und Hansesaal werden jährlich verkauft. Fast 80 Prozent davon im Ticketshop des Kulturbüros. Das hat einen guten Grund.

Lünen

, 09.09.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Überraschend ist das schon: Fast 80 Prozent aller Tickets für Veranstaltungen im Lüner Hilpert-Theater und im Hansesaal werden im Kulturbüro verkauft. „Unsere Kunden haben einen relativ hohen Beratungsbedarf, deshalb kommen auch viele persönlich vorbei“, so Kulturbüroleiter Uwe Wortmann im Kulturausschuss am Mittwoch.

18 Prozent der Tickets werden online gebucht, nur 2,5 Prozent in anderen Vorverkaufsstellen. Dazu kommen weitere Tickets, die von den Veranstaltern selbst vertrieben werden - beispielsweise für Aufführungen der Theatergruppe „Kulisse“ oder das Internationale Naturfoto-Festival.

Auch Interessenten aus Berlin und Kiel wollen ins Lüner Theater

Relativ viele Tickets gehen nach Dortmund, aber auch aus Unna und Hamm kommen Theater- und Hansesaalbesucher nach Lünen. Wortmann: „Wir haben auch schon Karten nach Zwickau (468 km entfernt), Ansbach (428 km), Kiel (411 km) und sogar Berlin (490 km) verkauft.“

Die Zahlen hatte die FDP im Rat angefragt, die auch geklärt wissen wollte, ob ein Wechsel des Ticketshops vom Hansesaal in das alte Hausmeistergebäude am Theater sinnvoll sei.

Zurzeit ist noch der Stadtservice in dem Gebäude links vom Theater untergebracht. Das wird auch im kommenden Jahr noch der Fall sein. Wortmann: „Das Haus befindet sich im Besitz der Stadt.“ Investitionen wären nötig, wenn der Ticketshop dorthin umziehen soll. Diese Kosten müssten dann aus dem städtischen Haushalt kommen.

Ab 2025 muss die Stadt Miete fürs Servicebüro zahlen

Einen Punkt müssten Politik und Verwaltung aber noch bedenken. Ab dem Jahr 2025 geht der Hansesaal komplett ins Eigentum der Hoteliersfamilie Riepe über. „Ab dann müssten wir für das Servicebüro auch Miete zahlen.“

Ohnehin hat das derzeitige Servicebüro viele Nachteile. Auf den 24 Quadratmetern sind drei Arbeitsplätze. Neben Kundenkontakt beim Ticketverkauf werden dort auch Back-Office-Arbeiten wie Vertragsabrechnungen erledigt.

Weder Lüftung noch Kühlung sind vorhanden. In diesem Sommer saßen die Mitarbeiter dort bei 40 Grad. Stoßlüftung ist nicht möglich. „Ich habe zwei Tickets dort gekauft, danach konnte ich duschen gehen“, so die Erfahrung des Kulturausschuss-Vorsitzenden Dirk Wolf. Er habe nach dieser Erfahrung die Zentrale Gebäudebewirtschaftung gebeten, sich etwas einfallen zu lassen.

40 Tickets im Monat muss man mindestens verkaufen

Als Alternative den Ticket-Verkauf nur noch im Rathaus oder - wenn die Bücherei dorthin umgezogen ist - in der Persiluhr-Passage anzubieten, hält Wortmann nicht für sinnvoll: „Das ist zu weit weg, besser ist es, Tickets da anzubieten, wo auch die Veranstaltungen stattfinden. Zusätzliche Verkaufsstellen wären dagegen sinnvoll.“ Das hatte, so Dr. Franz Mehnert, die FDP auch angedacht, die eine zusätzliche Verkaufsstelle am Service-Point im Rathaus prüfen lassen wollte.

40 Tickets pro Monat müssten verkauft werden, damit sich so eine zusätzliche Stelle auch rechnet. Man bräuchte aber dann auch zusätzliches Personal. Die Kosten für so eine zusätzliche Verkaufsstelle lägen einmalig für die Einrichtung bei 1500 Euro, so Wortmann, und dann jährlich bei 2400 Euro.

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