Eine bodengleiche Dusche mit Sitz für Menschen, die pflegebedürftig sind. Wie man Bäder barrierefrei gestalten kann, erklären die Mitarbeiter der Wohnberatung. © picture alliance/dpa/dpa-tmn
Hilfe für pflegende Angehörige

Keine Angst vor Bad-Umbau: Wohnberater stehen Ratsuchenden zur Seite

Bodengleiche Dusche statt Badewanne - ein Umbau kann helfen, länger in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Eines der Themen, das die Wohnberater im Nordkreis täglich beschäftigt.

Elisabeth Weiler (Name geändert) ist nach einer Hüft-OP auf den Rollstuhl angewiesen. Doch in der Wohnung, in der die 91-Jährige mit ihrem Sohn Dieter (Name geändert) lebt, ist das nicht so einfach. „Auf dem Teppichboden rollt der Rollstuhl nicht so gut und ins Gäste-WC kommt meine Mutter mit dem Rollstuhl nicht rein, denn die Tür ist zu schmal“, sagt der 56-Jährige aus Lünen.

Zum Glück ist in der Wohnung in der Lüner Innenstadt, die Mutter und Sohn seit 1985 bewohnen, die Türöffnung zum Bad groß genug für den Rollstuhl. Dort befindet sich auch eine Toilette. Aber auch so nimmt der Rollstuhl in der Wohnung viel Platz weg. Weiler hofft, dass seine Mutter auch mit Hilfe von Krankengymnastik wieder so auf die Beine kommt, dass sie demnächst in der Wohnung mit dem Rollator klar kommt.

In Zusammenarbeit mit dem Vermieter, dem Bauverein, soll das Bad aber barrierefrei umgebaut werden. Von der Badewanne müssen sich Mutter und Sohn verabschieden. Stattdessen sollen eine bodengleiche Dusche und ein Duschhocker den Alltag erleichtern.

Bäder-Umbau

Ein Thema, das die Wohnberater des Caritasverbandes immer wieder bei ihrer Arbeit beschäftigt. Bettina de Sacco und Rüdiger Willms bekommen viele Anfragen, die den Umbau von Bädern betreffen. Weil ältere und pflegebedürftige Menschen nicht mehr ohne Hilfe in die Wanne kommen oder auch weil der Absatz der Dusche zu hoch ist.

Allmählich normalisiert sich die Zahl der Anfragen auch wieder. „Im großen Lockdown ging die Zahl gegen Null“, sagt Willms, der seit Anfang 2020 zur Wohnberatung gehört. Er kam mit Erfahrung aus 31 Jahren ambulanter Pflege, war für die Caritas vor allem im Raum Cappenberg, Selm und Bork tätig.

Bettina de Sacco arbeitet zehn Stunden pro Woche in der Wohnberatung und zehn Stunden in der psychosozialen Begleitung des Kreises Unna. © Andreas Oertzen © Andreas Oertzen

Im Lockdown gab es den Rat der Wohnberater telefonisch oder auch Infos per Post. Als dann wieder Besuche bei den Ratsuchenden daheim möglich waren, hielt man Abstand oder setzte sich auch draußen auf Terrasse oder im Garten zusammen. „Vor zwei Wochen waren wir auf Wochenmärkten unterwegs, um auf die Wohnberatung aufmerksam zu machen, denn immer noch wissen viele Leute nicht, dass es uns gibt.“

Umbau von Badezimmern, Einbau von Treppenliften oder auch Anträge auf Hilfsmittel – das ist der Alltag der Wohnberater, die für Ratsuchende in Lünen, Selm und Werne zuständig sind. Bei ihren Besuchen zuhause bei den Menschen, die vorher telefonisch um Rat bitten, entdecken Bettina de Sacco und Rüdiger Willms auch so manche Kleinigkeit, die man schnell abstellen kann.

Rüdiger Willms gehört seit 2020 zum Team der Wohnberatung im Nordkreis, er brachte Erfahrung aus 31 Jahren ambulanter Pflege mit. © Andreas Oertzen © Andreas Oertzen

Beispielsweise Stolperfallen wie Teppichläufer oder Kabel, die herumliegen. Manchmal ist es auch eine fehlende oder nur mangelhafte Beleuchtung, die zur Gefahr in den eigenen vier Wänden wird. „Wir machen die Leute darauf aufmerksam.“ Genauso wie auf fehlende Handläufe, die für Sicherheit sorgen können, wenn man sie anbringen lässt.

Wichtig ist es auch, vorausschauend zu planen. „Wir hatten jetzt die Anfrage eines älteren Herrn, der ein eigenes Haus bewohnt und mehrere Badezimmer hat, darunter eins im Erdgeschoss und eins im Keller, das er vorwiegend nutzt.“ Nun will der Ratsuchende das Bad im Keller barrierefrei umbauen lassen. Von den Wohnberatern kam jedoch der Tipp, besser das Bad im Erdgeschoss neu zu gestalten, denn in einigen Jahren könnte der Hausbesitzer die Treppen in den Keller nicht oder nur noch mit Mühe schaffen. Wichtig ist es auch, vorausschauend zu planen, wenn es ums Umbauen geht.

Das Angebot, die Hilfe der Wohnberatung des Kreises Unna, die der Caritasverband für den Kreis durchführt, in Anspruch zu nehmen, ist kostenlos. Auch im Süd- und Mittelkreis gibt es Wohnberatungen. Die Teams treffen sich regelmäßig zum Austausch, nehmen an Fortbildungen teil und auch an Treffen aller Wohnberater in NRW: „So bleiben wir auf dem neuesten Stand.“

Angehörige einbeziehen

Nicht jeder Ratsuchende wohnt im eigenen Haus, viele sind auch Mieter. Bei Gesprächen mit Vermietern über Umbaumaßnahmen bieten die Wohnberater auch ihre Unterstützung an: „Wenn aber Angehörige da sind, die da helfen können, können sie natürlich auch selbst mit dem Vermieter sprechen.“

In den meisten Fällen begleiten die Wohnberater die Ratsuchenden über einen längeren Zeitraum hinweg – von den ersten Gesprächen, welcher Umbau möglich und nötig ist über Verhandlungen mit Handwerkern bis zur Fertigstellung. „Auf Wunsch schauen wir auch nach, ob die Rechnung passt und ob alles so geworden ist, wie es geplant war“, sagt Willms. Mit Hilfe von Fotos wird gezeigt, wie das Ganze vor und nach dem Umbau aussieht. Auch, um anderen Ratsuchenden später einen Anhaltspunkt zu geben.

Stolperfallen in Wohnungen kann man leicht beseitigen. Die Mitarbeiter der Wohnberatung entdecken sie oft bei ihren Besuchen in den Wohnungen der Ratsuchenden. © picture-alliance/ dpa-tmn © picture-alliance/ dpa-tmn

Auch bei dieser Begleitung der Maßnahmen gilt – wenn die Ratsuchenden oder ihre Angehörigen das Ganze selbst in die Hand nehmen können, halten sich die Wohnberater zurück.

Rüdiger Willms ist 30 Stunden in der Woche für die Wohnberatung tätig, seine Kollegin Bettina de Sacco zehn Stunden pro Woche. Außerdem kümmert sie sich zehn Stunden wöchentlich um die psychosoziale Begleitung. Hierbei hilft sie Betroffenen auch bei Antragstellungen in verschiedenen Bereichen.

Gespräche mit Vermieter

Wie hilfreich das Gespräch mit der Wohnberatung ist, weiß auch Dieter Weiler. Der Lüner kennt die Berater von ihrer Beteiligung an Sprechstunden des Behinderten- und des Seniorenbeirats. Auch wenn er selbst mit seinem Vermieter, dem Bauverein, wegen des Badezimmer-Umbaus verhandelt, ist es doch gut, zu wissen, dass er die Wohnberater bei Fragen rund ums Thema hinzuziehen kann.

WohnberatungTelefonisch erreichbar
  • Die Wohnberatung des Caritasverbandes Lünen, Selm, Werne ist für den Nordkreis zuständig. Seit dem Frühjahr ist das Büro in Werne, Kirchhof 2a, am alten Rathaus.
  • Zuvor war die Wohnberatung in den Räumen der Diakonie in Lünen an der Bebelstraße zu finden. Doch dort entsteht nun eine Tagespflege.
  • Sprechzeiten in Werne sind montags von 10 bis 12 Uhr. Die Wohnberatung ist telefonisch auch außerhalb der Sprechzeiten unter der kostenlosen Servicenummer (0800) 27 200 200 erreichbar. Oder per Mail an willms@caritas-luenen.de und desacco@caritas-luenen.de
Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
Zur Autorenseite
Beate Rottgardt

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