Kettenbriefe mit Todesdrohungen setzen Kinder unter Druck - Polizei gibt Tipps für Eltern

mlzChat und Sprachnachrichten

Die Polizei warnt vor Kettenbriefen in Sozialen Netzwerken. Besonders für Kinder sind die Nachrichten, die mitunter Morddrohungen enthalten, verstörend. Ratschläge gibt es auch für Eltern.

Lünen

, 02.03.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Hi, ich bin Nico und neun Jahre alt. Ich habe keine Hände mehr und mein Gesicht ist voller Narben und Blut. Wenn du diese Nachricht nicht an 20 Leute schickst, komme ich um 0 Uhr zu dir. Du glaubst es nicht? Tim Schnelzer hat es nur an fünf Leute geschickt. Er sitzt heute im Rollstuhl und kann sich nicht mehr bewegen.“ Das ist der O-Ton einer Whatsapp-Sprachnachricht, die die Polizei Dortmund, die auch für Lünen zuständig ist, als Beispiel für gefährliche Kettenbriefe veröffentlicht hat. Vorgelesen wird der Text von einer Computerstimme.

Kinder werden unter Druck gesetzt

Was von Erwachsenen schnell als hanebüchener und geschmackloser Quatsch entlarvt werden dürfte, kann für Kinder laut Polizei durchaus zum Problem werden.

Mit Drohungen werden Kinder in Sozialen Netzwerken unter Druck gesetzt. Es wird Angst gemacht - um die Familie, um das eigene Leben. Derartige Kettenbriefe sollten umgehend gelöscht und nicht weitergeleitet werden.

Zehn Tipps für Eltern

Die Mitteilung der Polizei ist eine Präventionsmaßnahme. Konkrete Fälle in Lünen sind nicht bekannt, wie die Pressestelle auf Nachfrage der Redaktion angibt. Zehn Tipps gibt die Polizei Eltern von Grundschulkindern für den sicheren Umgang mit Smartphones:

  • Es müsse in diesem Alter kein Smartphone sein. Ein Tastentelefon reiche aus, um erreichbar zu sein.
  • Ist es ein Smartphone, sollten Regeln über Nutzungszeiten und -dauer aufgestellt werden. Eine Grundlage für eine Vereinbarung biete www.mediennutzungsvertrag.de.
  • Mit Smartphones haben Kinder ungehindert Zugang zu Seiten etwa mit Gewaltdarstellungen und Pornografie. Eltern können Berechtigungen und Internetseiten einschränken, um ein Smartphone möglichst „kindersicher“ zu gestalten.
  • Informationen über Schutzfunktionen und -software gibt es zum Beispiel auf der Seite www.klicksafe.de.
  • Gespräche in ruhiger Atmosphäre helfen: Die Auseinandersetzung könne zwar der schwierigere Weg sein, sei aber eine wichtige Aufgabe in Elternhaus und Schulen, damit Kinder Medienkompetenz erwerben.
  • Eltern sollen mit ihren Kindern über elektronische Kettenbriefe sprechen, in denen eine Computerstimme massive Gewalt androht. Die Nachricht sollte nicht weitergeleitet und gelöscht werden.
  • Gespräche schaffen Vertrauen zum Kind, damit es mit kritischen Inhalten nicht allein bleibt und die Eltern sofort über Gewalt oder Cybermobbing informiert. Eltern sollen einschreiten, wenn sie von Mobbing erfahren.
  • Vorsicht gelte auch bei Online-Computerspielen, in denen Kinder durch den Kauf von virtuellen Waffen mit echtem Geld und durch das Töten von virtuellen Figuren ihr Ansehen in der Gruppe steigern können.
  • Auf Elternabenden sollten verbindliche Spielregeln für die Schule abgestimmt werden, die für alle Kinder gelten.
  • Kinder sollten zusammen mit ihren Eltern aber auch die positiven Seiten des Internets entdecken können.
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