Kind in Quarantäne: Für berufstätige Mutter in Lünen zunächst ein Problem

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Quarantäne für Schulkinder ist für berufstätige Eltern ein logistisches Problem. Dürfen sie zu Hause bleiben? Eine Lünerin war ratlos, der Zufall half. Außerdem hilft das Infektionsschutzgesetz.

Lünen

, 19.11.2020, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn in Schulen oder Kitas Coronafälle auftreten, heißt das: Quarantäne für die betroffenen Klassen oder Gruppen. Für viele berufstätige Eltern wird das zu einem logistischen Problem. Denn besonders jüngere Kinder können nicht einfach allein zu Hause bleiben.

So ging es auch einer Lünerin, die hier anonym bleiben möchte. Ihr Sohn im Grundschulalter musste in Quarantäne. Die Anordnung des Ordnungsamts ist deutlich: Das Kind muss zu Hause bleiben, etwaige Tests sind laut Infektionsschutzgesetz verpflichtend.

Ordnungsamt und Gesundheitsamt sind nicht zuständig

Zur Betreuung steht auf den fünf Seiten allerdings nichts. Gewissermaßen Glück im Unglück für die Lünerin: Sie war während der Quarantänezeit selbst erkrankt (nicht an Corona), konnte so also zu Hause bleiben und ihr Kind betreuen.

Auf Anfrage beim Ordnungsamt habe man der Mutter mitgeteilt, dass man sich an die Vorgaben des RKI halte. Wie sich eine Quarantäne des eigenen Kindes auf berufstätige Eltern auswirkt, wird nicht thematisiert.

Auch das Gesundheitsamt in Unna ist dafür nicht zuständig, wie unsere Redaktion auf Anfrage erfährt. Die Quarantäne werde mündlich ausgesprochen und vom zuständigen Ordnungsamt mit der Anordnung schriftlich zugestellt. Für daraus resultierende Betreuungsfragen sei das Gesundheitsamt nicht der richtige Ansprechpartner, erklärt Kreissprecher Max Rolke.

Anspruch auf Betreuung durch Infektionsschutzgesetz

Einen Betreuungsanspruch nebst Gehaltsentschädigung für Eltern gibt es aber durchaus. In der Tat sind der Kreis und die Stadt Lünen hier nicht zuständig. Geregelt ist das im Infektionsschutzgesetz, also auf Bundesebene.

So erklärt es auch Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin, in einem Interview mit der deutschen Presseagentur: „Die Aufsichtspflichten gegenüber Kindern gehen der Verpflichtung zur Arbeitsleistung vor. Arbeitnehmer müssen allerdings versuchen, eine anderweitige Betreuung des Kindes sicherzustellen.“ Der Rechtsanwalt empfiehlt, sich mit dem Arbeitgeber abzusprechen. Auch Homeoffice kann eine Lösung sein.

Das Infektionsschutzgesetz gehe davon aus, dass ein Kind bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres beaufsichtigt werden müsse, so Bredereck weiter. Für Kinder die älter sind, gilt das nur in Ausnahmefällen.

Entschädigung für Verdienstausfall

Auch eine Entschädigung für Verdienstausfälle ist vorgesehen. Wenn gesunde Kinder in Quarantäne müssen, greife das Gesetz genauso, als ob der betreuende Erwachsene selbst in Quarantäne wäre. „Der Arbeitgeber muss weiter an den Arbeitnehmer zahlen und hat im Gegenzug einen Erstattungsanspruch, kann sich das Geld also vom Staat zurückholen“, erklärt Bredereck.

Im längsten Fall sind das 10 Wochen (bis zu 20 Wochen für Alleinerziehende), bei 67 Prozent des Verdienstausfalls, maximal 2016 Euro. Der Rechtsanwalt geht davon aus, dass die Regelung auch für Freiberufler gelte. Im Gesetz sei ausdrücklich von „erwerbstätigen Personen“ die Rede.

Das vollständige Interview ist hier zu lesen: Eltern-Entschädigung greift bei Kinderbetreuung

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