Kind misshandelt? Lünerin ruft Polizei - und steht dann selbst vor Gericht

mlzGerichtsprozess

Eine Lünerin wähnte den Freund ihres Sohnes als Opfer von Misshandlungen und schaltete die Polizei ein. Nun landete die Frau selbst vor Gericht - und wurde der falschen Verdächtigung bezichtigt.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 24.07.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Juni des vergangenen Jahres kam es zum Polizeieinsatz in der Wohnung einer 37-jährigen Lünerin. Eine Auseinandersetzung zwischen ihr, der Mutter des damals 13-jährigen Freundes ihres Sohnes und dem Stiefvater des Jungens war der Anlass. Bei dieser Gelegenheit wies die 37-Jährige die Beamten darauf hin, sie habe schon öfter gehört, dass das fremde Kind misshandelt werde, habe bei ihm auch schon blaue Flecken gesehen.

Und auch der Junge berichtete einem Polizisten, dass er geschlagen und misshandelt werde. Wenig später jedoch erschien er mit Mutter und Stiefvater auf der Wache und nahm das Gesagte zurück. Nun behauptete er, allein die Lünerin habe ihn veranlasst, das zu sagen. Sie habe ihm auch erklärt, dass er bei ihr leben könne und dass es bei ihnen auch keine Regeln gebe. Und genau das war der Moment, in dem die bis dato völlig unauffällige Frau in den Fokus der Ermittlungen rückte. Sie sollte Mutter und Stiefvater nicht nur zu Unrecht bezichtigt haben, sondern den 13-Jährigen veranlasst haben, Gleiches zu tun.

Mutter bestritt alles

Regelrecht fassungslos erschien sie nun zu ihrer Verhandlung – und wurde nicht müde, ihre Unschuld zu beteuern. „Warum soll ich jetzt hier sitzen? Ich habe nur das weitergegeben, was mir ein Kind gesagt hat.“ Sie habe dem Jungen geglaubt. Und das Angebot, ihn bei sich aufzunehmen, hätte sie mitnichten gemacht. Denn das wäre gar nicht möglich gewesen. Passend dazu erinnerte sich der Beamte, der damals mit dem Teenager sprach, dass er dessen Aussage als „seltsam“ empfunden habe, zumal der behauptet habe, früher bereits seine Schulleiterin und das Jugendamt über die Misshandlungen informiert zu haben. Aber die hätten doch reagiert, wenn das so gewesen wäre.

Die Mutter des heute 15-Jährigen wurde gehört. Sie stellte jede Form von Misshandlung vehement in Abrede und tendierte offenbar dazu, dem Jungen zu glauben, dass er von der Angeklagten beeinflusst wurde. Der Jugendliche selbst, der an dem Abend im Juni offenbar wütend war, weil er nicht bei seinem Freund übernachten sollte, beharrte darauf, dass ihm die Lünerin alles eingeredet habe. Und dabei blieb er auch, als die Richterin mit Blick Widersprüche betonte: „Ich glaube Dir das nicht.“ Überzeugen konnte er weder Anklage noch Gericht. Das Verfahren endete mit einem Freispruch und klaren Worten der Richterin. Sie sei überzeugt, dass der Junge das so erzählt habe.

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