Ambulanter Kinder-und Jugendhospizdienst fühlt sich in Lünen gut angenommen

mlzSoziale Arbeit

Familien und Ehrenamtliche konnten hinzu gewonnen, Spenden im fünfstelligen Bereich gesammelt, Kontakte geknüpft werden. Ein bewegtes Jahr für den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst.

Lünen

, 31.01.2020, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Besonders stolz ist Elisabeth Kretschmann, Koordinatorin im ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Lünen, auf die 2019 gesammelten Kronkorken. „Eben vorhin war noch eine Dame da, die mit ihrer Kindergartengruppe die Flaschenverschlüsse gesammelt und uns dann gebracht hat“, sagt sie.

Seit der Hospizdienst im Herbst 2018 mit dem Sammeln begonnen hat, sind 3206 Kilogramm zusammen gekommen, die dann dann bei TSR Recycling abgegeben werden. „Dabei geht es uns gar nicht so sehr ums Geld“, sagt die gelernte Sozialarbeiterin. Für 153 Kilogramm Kronkorken gebe es bei der Remondis-Tochter etwa 13 Euro. „Es geht mehr darum, Leute anzulocken, Routinen zu entwickeln, sich in den Geschäftsräumen, die etwas versteckt in der Alten Kaffeerösterei an der Cappenberger Straße liegen, auffindbar zu machen, zu mehr Bekanntheit zu gelangen.

Und das ist dem Verein - als Lüner Dienst des Deutschen Kinderhospizvereins - im vergangenen Jahr gut gelungen: „Es hat sich inzwischen alles gut gefunden“, sagt Elisabeth Kretschmanns Kollegin Heike Schwirtz. Seit Herbst 2017 managen die beiden den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst in Lünen. „2019 war ein sehr lebendiges Jahr mit sehr viel Entwicklung und Wachstum“, sagt Schwiertz. „Wir spüren jetzt einfach, dass wir angekommen sind. Der Kontakt in die Familien hinein und das Miteinander hat sich gefestigt, das An-der-Seite-Sein und das auch zu dürfen.“ „Es gibt sehr viele schöne Dinge, die sich entwickelt haben und gestaltet werden konnten. Insgesamt ist es eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit“, ergänzt Elisabeth Kretschmann.

39.000 Euro Spenden kamen zusammen
Tag der Hospizarbeit

Große Beteiligung in Lünen, Selm und Werne

  • Am 10. Februar ist Tag der Kinderhospizarbeit. Anlässlich des Gründungsdatums des Vereins vor inzwischen genau 30 Jahren in Olpe, wird bundesweit der Tag begangen, um Menschen zu motivieren, sich mit der Kinder- und Jugendhospizarbeit zu solidarisieren, die Arbeit des Vereins bekannter zu machen, Menschen für das ehrenamtliche Engagement zu gewinnen und auch um weitere finanzielle Unterstützer zu finden. Außerdem soll mit dem Tag das Thema Sterben und Tod enttabuisiert werden.
  • Aus diesem Anlass gibt es in Lünen (am Samstag, 8. Februar) und in Werne (Freitag, 7. Februar) auf dem jeweiligen Marktplatz einen Infostand.
  • Am 10. Februar selbst leisten viele Schulen ihren Beitrag. In Lünen beteiligen sich Leoschule, Gottfriedschule oder Kardinal-von Galen-Schule unter anderem mit Kuchenverkauf. In der Ludwig-Uhland-Schule werden morgens um 8 Uhr auf dem Schulhof Kerzen angezündet, um sie anschließend mit in die Klassen zu tragen. Und im Berufskolleg gibt es einen Vortrag, um junge Fachkräfte, wie zum Beispiel Kindergärtner für das Thema zu sensibilisieren.
  • In Selm ziehen Schüler des Gymnasiums wie Sternsinger mit Spendenbüchsen von Haus zu Haus. Und in Werne gibt es am Gymnasium St. Christophorus eine Hospiz-AG, die den Vormittag über unter Begleitung einer betroffenen Mutter in allen Klassen über Hospizarbeit informiert.

Rund 39.000 Euro Spenden konnte der Lüner Kinderhospizdienst im vergangenen Jahr akquirieren, davon allein 4000 Euro in Sammelbüchsen. Der Rest kommt von Firmen, Vereinen und Pfarrgemeinden. Die Gelder fließen unter anderem in Reisekosten der ehrenamtlichen Mitarbeiter, in deren Befähigungskurse, die Miete für die Geschäftsräume oder die Telefonanschlüsse.

Die Zahl der von dem Verein betreuten Familien mit einem „lebensverkürzend erkrankten Kind“ ist im Jahresverlauf von neun auf 15 gestiegen. 15 ehrenamtliche Helfer konnten hinzu gewonnen werden, sodass die Zahl auf 27 gestiegen ist. Sie unterstützen und begleiten die Kinder und Jugendlichen mit lebensverkürzenden Erkrankungen sowie deren Eltern und Geschwister in Lünen und im Umkreis von 50 Kilometern (also auch in Selm, Begkamen, Kamen und Werne).

In Werne gibt es aktuell vier Familien, in Bergkamen drei, in Kamen und Selm je eine und in Lünen sechs. Auch die Ehrenamtlichen kommen aus dem ganzen Gebiet. „Das ist Begleitung auf dem Lebensweg. Wir wollen im Alltag und bei Krisen ein fester Bezugspartner sein. Im Unterschied zu der

Auch mittels dieser handgehelketen Figuren werden Spenden gesammelt.

Auch mittels dieser handgehelketen Figuren werden Spenden gesammelt. © Gerstenmaier

Erwachsenenhospizarbeit begleiten wir die Kinder und Jugendlichen - die Jüngsten sind aktuell zwei Jahre alt - manchmal über eine sehr lange Zeit“, erläutert Elisabeth Kretschmann. Und - wenn das die Familien wollen - ab der Diagnose. Oft geht die Begleitung der Familien auch über den Tod der Kinder hinaus.

Besondere Highlights im Jahresverlauf

Besonders heben die beiden Koordinatorinnen des Lüner Kinderhospizvereins für 2019 das Sommerfest auf dem Selmer Hof Spinne hervor. „Es gab viel Beteiligung und ein erstes Kennenlernen der Familien.“ Außerdem fand im Dezember eine Feier zur Erinnerung an die verstorbenen Kinder statt, an der sich erstmals auch Familien beteiligten. Und als ein besonderes Highlight im vergangenen Jahr sehen Elisabeth Kretschmann und Heike Schwiertz ein Treffen mit Religionsgemeinschaften aus der Umgebung, dass sich mit dem Thema Tod, Trauer und Abschied beschäftigte. Zehn verschiedene Religionsgemeinschaften folgten der Einladung und signalisierten ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit, zum Beispiel bei Beerdigungen.

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