Es war eine kleine Sensation: 2015 wählten die Lüner mit Jürgen Kleine-Frauns erstmals seit 1948 keinen Sozialdemokraten zum Bürgermeister. Diesen Erfolg möchte der 53-Jährige wiederholen.

Lünen

, 07.08.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Verhältnismäßig spät startete Jürgen Kleine-Frauns in den Wahlkampf. Das habe mit seinem Job als Bürgermeister und - natürlich - mit Corona zu tun gehabt: „Zunächst ging es darum, die Einhaltung des Lock-Downs zu kontrollieren und dafür das benötigte Personal in der Verwaltung zusammenzustellen. Das hat viel Einsatz gefordert.“ Und dann war da noch die Ratssitzung vor der Sommerpause, wo unter anderem die Kämmererstelle neu besetzt werden musste. „Diese ganzen Inhalte mussten wir dann erstmal aufarbeiten.“

Doch nun ist der Amtsinhaber, der gerne Bürgermeister bleiben möchte, in Lünen unterwegs - mit einem markanten Fahrrad samt aufklappbarem Stehtisch. „Ich kann da anhalten, wo ich die Bürger treffe.“ Eine Maske ist im Wahlkampf natürlich immer dabei.

„SPD und CDU kommen in Erklärungsnöte“

Die Bürgerinnen und Bürger stünden bei ihm im Mittelpunkt, erst dann komme die Politik. Ein Eindruck, den Kleine-Frauns allerdings nicht von seinen politischen Gegnern hat: „Die SPD, aber auch die CDU, definieren ihre Arbeit sehr stark über das Amt des Bürgermeisters.“ Dadurch kämen sie später in Erklärungsnöte: „Und zwar dann, wenn sie denn gegebenenfalls mit einem anderen Bürgermeister zusammenarbeiten müssen, der nicht ihre Positionen vertritt.“

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In seinen Augen wäre es für die Zusammenarbeit besser gewesen, wenn die Parteien gesagt hätten: „Wir machen die politische Arbeit und akzeptieren den Bürgermeister als Mittler zwischen den Positionen.“

Genau so hatte es sich Jürgen Kleine-Frauns nach seinem Wahlsieg 2015 auch vorgestellt: „Ich hoffte, dass wir über die Jahre zu einem Miteinander kommen würden. Ich habe auch nur eine Stimme im Rat - was in der Stadt passiert, entscheidet also nicht der Bürgermeister, sondern die Parteien.“

Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt - stattdessen schicken nun auch die Freien Wähler einen Kandidaten für das Bürgermeisteramt ins Rennen. „Ich glaube, wenn man sich mehr darauf konzentrieren würde, viele Sitze im Rat zu bekommen, und den Bürgermeister akzeptiert, kann eine Partei oder Wählergemeinschaft wesentlich mehr erreichen.“

Amt und Rat sind „zwei Paar Schuhe“

Stattdessen drohe die Politik wieder in eine Selbstzufriedenheit zu verfallen, die ihm 2015 maßgeblich zum Wahlsieg verholfen habe: „Die Wahrnehmung der Politiker deckte sich oftmals nicht mit der der Bürgerinnen und Bürger.“ Er sei hingegen damals ganz bewusst als Kandidat für die Bürger angetreten - und blickt zufrieden auf die danach gefolgten fünf Jahre Amtszeit zurück: „Mein Motto ,Lünen bewegt sich‘ trifft zu: Wir sind auf einem guten Weg. Und ich habe nach wie vor ein großes Interesse daran, die Beziehungen zur Politik zu verbessern.“ Nur scheine es ihm so, dass CDU und SPD „alles wieder über das Bürgermeisteramt regeln wollen“.

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Doch das Amt und der Rat seien zwei Paar Schuhe. Deshalb sei in ihm auch recht früh der Entschluss gereift, eine zweite Amtszeit nicht erneut als Kandidat der GfL anzutreten. „Ende 2018 war für mich klar, dass ich es alleine versuchen werde.“ Die Entscheidung habe er der Wählergemeinschaft dann auch mitgeteilt. „Wir haben immer offene Gespräche geführt, das war nie ein Problem.“

Sollte es für eine zweite Amtszeit reichen, dürfte die Aufgabe nicht einfacher werden. Corona belastet so ziemlich jeden Bereich der Lippestadt, die finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet ist. „Wir müssen uns aufgrund der finanziell eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten sehr genau überlegen, was unsere wichtigsten Aufgaben sind“, sagt Jürgen Kleine-Frauns.

Oberste Priorität hat für ihn das Thema Bildung. „Sie ist ein Garant für gute Ausbildung und gute Arbeitsplätze.“ Dabei fange das Thema bereits bei den Kita-Plätzen an. Der Bürgermeister verweist auf die rund 800 Kita-Plätze, die seit 2015 entstanden sind. „Doch das reicht nicht, der weitere Ausbau wird lange dauern und macht einen äußerst unzufrieden.“

Ordnungspartnerschaft ausbauen

Ebenfalls Priorität genießt die Entwicklung von Lünen als attraktivem Wohnstandort. Allerdings reichen Wohngebiete alleine nicht, es müsse auch die Infrastruktur passen. „Und ebenfalls wichtig ist das Gefühl der Sicherheit.“ Da gebe es in den vergangenen Jahren ein verändertes Verhältnis. „Die Lünerinnen und Lüner sagen jetzt ganz deutlich, wo der Schuh drückt.“ Der Bürgermeister möchte deshalb die Partnerschaft zwischen Polizei und Ordnungsamt ausbauen. „Wir müssen hier das Personal aufstocken und den Bürgern zeigen, dass wir in der Öffentlichkeit präsenter sind.“

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Drittes Topthema auf der Prioritätenliste des Amtsinhabers sind die Arbeitsplätze. „Davon brauchen wir mehr, um auch unsere schlechte Einkommensbilanz aufbessern zu können.“ Lünen sei in der Lage, auf der ehemaligen Steag-Fläche, auf der Victoria-Brache und auch demnächst auf der Caterpillar-Fläche neue Gewerbegebiete zu entwickeln. Gerade die Victoriabrache hat für Kleine-Frauns Potenzial: „Natürlich hat sich alles zunächst um die Forensik gedreht, aber da gibt es soviel mehr.“ Neben dem Landschaftspark für die IGA 2027 gibt es hier auch Flächen für Wohnbebauung und - gerade in Verbindung mit der Forensik - Gesundheitswirtschaft.

In die Wahl geht der Amtsinhaber mit Zuversicht: „Ich habe Spaß an der Aufgabe und Freude daran, mich für die Bürger zu engagieren. Das ist etwas, was mich antreibt, und was mir für die Wahl ein gutes Gefühl gibt.“

Stellen Sie Ihre Frage an Jürgen Kleine-Frauns!

Zusätzlich zu unserem Kandidatenportrait wird es ein weiteres Interview mit Jürgen Kleine-Frauns geben. Dabei haben Sie die Gelegenheit, Ihre Frage an den Bürgermeister zu formulieren. Wir werden die Frage im Interview stellen - die Antwort sehen Sie dann anschließend im Video. Einfach eine E-Mail an die Redaktion schicken.
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