Bürgermeister-Wahl in Lünen: Schmeltzer vor Kleine-Frauns - Stichwahl am 27.9.

mlzAnalyse am Abend

Man kann wohl schon jetzt sagen, dass es ein historischer Wahl-Sonntag war: Mit Pannen und langen Warteschlangen und einem knappen Endergebnis bei der Bürgermeisterwahl.

Lünen

, 13.09.2020, 23:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Wahlkampf hatte Rainer Schmeltzer (SPD) sich immer auffallend aggressiv gezeigt, davon war am Wahlabend nur noch wenig zu spüren. Dabei hatte der Landtagsabgeordnete eigentlich auch Grund zum Feiern. Als gegen 23 Uhr auch die letzten Stimmen ausgezählt waren, lag er (40,85) mit rund 4 Prozentpunkten vor seinem Hauptkonkurrenten Jürgen Kleine-Frauns (36,7).

„Wahlziel erreicht“, kommentierte Schmeltzer, das bedeutet: Einzug in die Stichwahl in zwei Wochen. „Ab morgen werden die Kandidaten neu gemischt.“ Dass er sogar einen knappen Vorsprung vor Kleine-Frauns hat, freue ihn zwar, jetzt strebe er aber das zweite Ziel, den Wahlsieg in zwei Wochen, an. Dafür wolle er weiterhin das persönliche Gespräch suchen und Überzeugungsarbeit leisten. „Es zählen Fakten und die werde ich versuchen, rüberzubringen.“

Das sagt der amtierende Bürgermeister

Kleine-Frauns gab an, er sei nicht enttäuscht, am Ende nicht vorne zu liegen. Er nannte auch Gründe, woran das aus seiner Sicht lag: „Die SPD hat mich in die Rolle des Verteidigers der Verwaltungsarbeit gedrängt. Ich glaube, dass es da schwierig für die Bürgerinnen und Bürger ist, zu erkennen, was wir in den letzten Jahren erreicht haben.“

Aus Sicht eines Bürgers stelle sich die Verwaltung im Wahljahr eben nicht in einem guten Bild dar. Als Beispiel nannte er die „Mausefalle in Lünen-Süd“ mit Verkehrsbehinderungen an mehreren Straßen. „All das prägt das Bild, das die Menschen von der Verwaltung haben.“ Er sei dennoch davon überzeugt, dass die Verwaltung auf einem guten Weg ist.

Verhältnismäßig deutlich unterlegen war am Ende Christoph Tölle (CDU), auf den am Ende nur 16,3 Prozent der Stimmen entfielen. „Es ist sehr bedauerlich, dass die Lüner Bevölkerung nicht bereit war für Veränderung“, sagte er am Abend im Rathaus. Er glaube, dass die CDU im Wahlkampf positive Akzente gesetzt habe. Tölle vermutete, dass man ihn aufgrund seines relativ jungen Alters möglicherweise noch nicht richtig ernst genommen habe.

Sascha Gottwald, der für die Freien Wähler kandidierte, sagte, er sei nicht enttäuscht von dem Ergebnis, immerhin seien rund 1600 Stimmen auf ihn entfallen, das entsprach 6,1 Prozent. Wen die Freien Wähler in der Stichwahl unterstützen werden, müsse die Partei noch besprechen.

SPD bleibt stärkste Kraft im Rat

Im neu gewählten Rat wird die SPD weiter die meisten Stimmenanteile haben. Bis 23.15 Uhr waren 45 von 46 Wahlbezirken ausgezählt. Auf die Sozialdemokraten entfielen 34,1 Prozent der Stimmen. Zweitstärkste Kraft wird die CDU mit 21,8 Prozent. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen gab es zwischen GFL (14,3) und Grünen (13,8) um den dritten Platz, auch die sogenannte Alternative für Deutschland wird Ratssitze einnehmen, sie erhielt 6,9 Prozent. Nur eine kleine Rolle bei den politischen Entscheidungen werden die FDP (3,4), die Linke (3,2) und die Freien Wähler (1,8) spielen.

Die Wahlbeteiligung lag bei 39,8 Prozent, bei den letzten Kommunalwahlen 2014 hatte sie noch bei 44,5 gelegen.

Der Wahltag hatte indes mit einer Panne begonnen: Im Wahllokal am Cappenberger See waren zu Beginn keine Zettel für die Wahl des Landrats ausgegeben worden, wohl in rund 150 Fällen. Die Stadt entschuldigte sich für das Versäumnis, der Kreis prüft, ob im schlimmsten Fall eine Nachwahl für die Landratswahl nötig werden könnte.

Für Unmut sorgten vereinzelt lange Wartezeiten von bis zu einer Stunde vor den Wahllokalen. Die Anzahl war wegen der Corona-Pandemie reduziert worden, die Stadt reagierte im Laufe des Tages, indem sie die Anzahl der Wahlkabinen in den Wahllokalen erhöhte. Weil auch um 18 Uhr noch Menschen darauf warteten, ihre Stimme abgeben zu können, verzögerte sich die Auszählung bis in die Nacht.

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