Kontaktverfolgung mit Hindernissen: Viele im Kreis Unna verweigern sich

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Der Kampf gegen die Corona-Pandemie – für die Politik ist das Gemeinschaftsaufgabe. Doch viele Menschen lassen auch das Gesundheitsamt in Unna hängen, wenn es um die Kontaktverfolgung geht.

Kreis Unna

, 02.11.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der „Lockdown light“ soll die exponentielle Ausbreitung des Coronavirus stoppen. Dass es dazu kommen musste, ist wohl auch eine Folge mangelnder Solidarität. Denn offenbar gibt es viele Menschen, die die Gesundheitsämter bei der Kontaktverfolgung im Falle von neuen Infektionen nicht unterstützen – im Gegenteil: Sie verschweigen Kontakte. Das macht auch im Kreis Unna Probleme.

Weitere Unterstützung durch die Bundeswehr

Gesundheitsdezernent Uwe Hasche und Fachbereichsleiter Josef Merfels machen keinen Hehl daraus, dass der Kreis Unna an der Grenze dessen ist, was in der Kontaktverfolgung möglich ist. Unterstützung bekommt der Kreis schon seit einigen Tagen durch die Bundeswehr, am Montag stießen fünf weitere Kräfte zu den zehn schon zuvor eingesetzten Frauen und Männern. Die Soldatinnen und Soldaten des in der Glückauf-Kaserne stationierten Versorgungsbataillons 7 sollen helfen, Infektionsketten zu unterbrechen.

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„Die Angehörigen der Bundeswehr sind für uns eine wirklich wertvolle Unterstützung, denn es ist ja bekannt, dass das Gesundheitsamt an der Belastungsgrenze arbeitet“, sagt Max Rolke, Pressesprecher des Kreises Unna.

Corona-Betroffene täuschen bei Kontaktangaben

Die Personalressource aber ist nur ein Teil des Problems. Schwierigkeiten bereitet den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitsamt, dass viele infizierte Menschen nicht ehrlich damit umgehen, wie oft und mit wem sie Kontakt hatten.

„Wir haben zwei Abteilungen“, sagt Josef Merfels. Es gebe zum einen sehr vorsichtige Bürgerinnen und Bürger, die auch schon vor dem neuen Lockdown nur wenige Kontakte hatten. „Wir haben aber auch die Leute, die – man muss das schon so sagen – versuchen, uns hinters Licht zu führen.“

„Manchmal kommt auch durch Zufall raus, dass Menschen, die angeblich keine Kontakte hatten, auf Veranstaltungen waren.“
Fachbereichsleiter Josef Merfels

Was Merfels damit meint: Viele Menschen machen keine ehrlichen Angaben zu Kontakten. Merfels spricht von einer „fifty-fifty“-Situation. Die Gründe für das Verschweigen von Kontakten können sehr unterschiedlich sein. Möglicherweise möchte man verhindern, dass viele Freunde und Verwandte in Quarantäne geschickt werden. Es kann aber auch sein, dass vor dem Lockdown Kneipenwirte und Restaurantpersonal vor Quarantäne bewahrt werden sollten. „Manchmal kommt auch durch Zufall raus, dass Menschen, die angeblich keine Kontakte hatten, auf Veranstaltungen waren“, weiß Merfels.

Dabei ist die Sache klar: Wer Kontakte verschweigt, hilft dem Coronavirus, sich weiter in der Gesellschaft auszubreiten. Und Infektionsketten werden für die Kräfte im Gesundheitsamt dann tatsächlich nicht mehr nachvollziehbar.

Virus auf die leichte Schulter genommen

Von der Politik ist immer wieder zu hören, der Kampf gegen die Corona-Pandemie sei eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. In den vergangenen Wochen und Monaten hatte man auf die Eigenverantwortlichkeit der Bürgerinnen und Bürger gesetzt – offenbar mit mäßigem Erfolg. Es entstand schon der Eindruck, dass das Coronavirus auf die leichte Schulter genommen werden würde. Ausbaden müssen das und die fehlende Solidarität nun die, die ihre Restaurants und Kneipen, Tattoostudios und Sportstudios schließen müssen. Und die, die Veranstaltungen nicht durchführen, Reisende nicht aufnehmen dürfen.

Gewohntes Bild für viele Menschen: In der Corona-Warn-App ist der Hinweis "Bisher keine Risiko-Begegnungen" zu sehen. Ob das tatsächlich so ist, ist aber ungewiss.

Gewohntes Bild für viele Menschen: In der Corona-Warn-App ist der Hinweis "Bisher keine Risiko-Begegnungen" zu sehen. Ob das tatsächlich so ist, ist aber ungewiss. © Dirk Becker

Ein ähnliches Problem stellt sich übrigens auch bei der Corona-App. Die wurde zwar häufig heruntergeladen, die meisten Nutzer bekommen aber Tag für Tag die Information, keine Risiko-Begegnungen gehabt zu haben. Auch das muss nicht stimmen – denn nur, wenn ein positiver Kontakt auch eingetragen wird, können andere Menschen gewarnt werden.

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