Kosten für Evonik explodieren

LÜNEN Das Unternehmen Evonik (früher Steag) sieht sich einer Kostenexplosion für den geplanten Steinkohle-Kraftwerksblock Herne 5 gegenüber. Ursprünglich sollte der Block für 980 Millionen Euro errichtet werden. Nun sieht ihn die jüngste Kalkulation nach Informationen unserer Zeitung bei etwa 1,6 Milliarden. Ob der Bau nun trotzdem wie geplant stattfinden wird, ist fraglich.

von Von Peter Fiedler

, 06.01.2008, 13:20 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Evonik-Konzern wollte einen Bericht über den Aktienverkauf nicht kommentieren.

Der Evonik-Konzern wollte einen Bericht über den Aktienverkauf nicht kommentieren.

Die 1,6 Milliarden sind eine Summe, die vor allem von Stadtwerken aufgebracht werden müsste, denn Evonik will den 700 Megawatt-Block gemeinsam mit 28 kommunalen Energieversorgungsunternehmen errichten, darunter auch die Stadtwerke Lünen. Sie wollen eine Beteiligung eingehen, die 10 MW entspricht, haben aber vertraglich auch die Möglichkeit, auf 5 MW herunterzugehen.

Die Kostenexplosion hat viele kommunale Partner unruhig werden lassen, erfuhr unsere Zeitung. Sie sehen die Wirtschaftlichkeit des Projektes nicht mehr gegeben und diskutieren über einen Ausstieg.

Gesamte Branche ist laut Evonik von hohen Preisen betroffen

Bei Evonik gibt man sich hingegen auf Anfrage gelassen: „Wir gehen von einer planmäßigen Realisierung von Herne 5 aus“, erklärte Unternehmens-Sprecherin Sabrina Herich unserer Zeitung. Von Preissteigerungen für Kraftwerkskomponenten sei die gesamte Branche betroffen, betonte sie.

Die drastische Preiserhöhung für Herne 5 werten Experten hingegen als Indiz, dass es Evonik versäumt hat, sich rechtzeitig Komponenten zu moderateren Preisen zu sichern.

Vor diesem Hintergrund sei mehr als zweifelhaft, ob der planerisch von Evonik bereits auf den Weg gebrachte Bau eines weiteren Kraftwerks-Blocks in Lünen derzeit wirtschaftlich darstellbar sei. Vieles deute darauf hin, dass Evonik zumindest nicht kurzfristig in Lünen bauen wolle.

Es gibt noch keinen endgültigen Beschluss zum Bau

Wie berichtet, fand zwar im Dezember der sogenannte Erörterungstermin der Bezirksregierung mit Behördenvertretern und Umweltschützern zur Erweiterung des bestehenden Lüner Kraftwerks statt. Doch einen Beschluss, den neuen Block tatsächlich bauen zu wollen, gibt es noch nicht. Unabhängig davon hat auch die Stadt Widerstand angekündigt (wir berichteten).

Auf die erste Baugenehmigung der Bezirksregierung wartet hingegen das Stadtwerkeverbund-Unternehmen Trianel für sein im Stummhafen geplantes 750 MW-Steinkohlekraftwerk. Laut Bezirksregierung Arnsberg soll die Entscheidung etwa Ende Februar, Anfang März fallen.

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