Kostenlos in Lünen parken: Diese Corona-Regel will fast niemand lockern

mlzCorona

Kostenlos parken in Lünen: Das ist seit Beginn der Corona-Krise möglich. Vorausgesetzt, man vergisst die Parkscheibe nicht. Ein Gratis-Service, der woanders schon Geschichte ist.

Lünen

, 18.05.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Blaue Tüten verhüllen seit Mitte März die Parkscheinautomaten in Lünen. Die Geräte sind nicht etwa alle defekt, sondern die Stadt hat sie bewusst außer Betrieb gesetzt: „Zum Schutz der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Ordnungsamtes“, wie es damals hieß. Die müssten schließlich die Parkscheinautomaten regelmäßig leeren: eine Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus, die es zu vermeiden gelte. Und keine Einzelfallentscheidung.

Bundesweit hatten Städte und Gemeinden in Zeiten von Corona auf Parkgebühren verzichtet. „Wir bleiben auch erst einmal dabei“, sagt Lünens Pressesprecher Benedikt Spangardt. Zum jetzigen Zeitpunkt sei noch nicht abzusehen, wann die blauen Tüten wieder eingesammelt und die Automaten in Betrieb gesetzt werden. Auch andere Städte halten das so, aber längst nicht alle.

Bundesweit kehren Städte langsam zum Bezahlen zurück

Nürnberg ist bereits am 18. April zurückgekehrt zur kostenpflichtigen Park-Normalität. Und in der NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf klingelt das Münzgeld seit dem 6. Mai wieder in den Automaten. Die Pendler in Lünen können also aufatmen, da sie noch nicht wieder je halbe Stunde 50 Cent zahlen müssen. Einige sehen darin aber auch ein Problem - so wie eine Besucherin des Amtsgerichts Lünen, die sich an die Redaktion gewandt hat.

Sie sei extra früh aus Iserlohn nach Lünen gekommen, um pünktlich zu ihrem Termin vor Gericht da zu sein. Doch trotz der frühen Stunde sei der gesamte Parkplatz vorm Amtsgericht, der Spormeckerplatz, schon komplett voll gewesen: ein Problem für die Ortsunkundige, die daraufhin eine andere Parkmöglichkeit suchen musste und fast zu spät gekommen wäre.

Blockieren Berufspendler ganztägig den Platz?

Die Parkenden auf dem Spormeckerplatz, so vermutet sie, seien in den wenigsten Fällen Besucher des Gerichts, sondern bestimmt Berufspendler, die in der Innenstadt arbeiteten. Das Schöne: Sie dürfen mit Parkscheibe vor dem Gericht in aller Ruhe stehen bleiben: zwölf Stunden lang.

Wer die Leute sind: Darüber kann Dr. Niklas Nowatius , der Direktor des Amtsgerichts, keine Aussagen treffen. „Aber es stimmt schon“, sagt er, „morgens ist es schon immer voll hier“. Beschwerden seien deshalb aber noch nicht an ihn herangetragen worden. Sobald das der Fall sei, würde er sich an die Stadt wenden. Seit der vergangenen Woche hat die Zahl der Verhandlungen zugenommen - und damit auch des gerichtlichen Kundenverkehrs.

Gebührenordnung regelt Höchstparkdauer

Warum haben die Verantwortlichen ausgerechnet vorm Amtsgericht eine Zwölf-Stunden-Frist zum Parken ermöglicht: einen Dauerparkplatz vor einem Gebäude, in dem sich zumindest die geladenen Gäste nicht länger als nötig aufhalten möchten? Auf dem Parkplatz am Rathaus (Graf-Adolf-Straße) darf man dagegen nur maximal zwei Stunden lang stehen. „Das war keine willkürliche Entscheidung“, hält Benedikt Spangardt, der Sprecher der Stadt entgegen.

Die aus dem Jahr 2008 stammende Gebührenordnung für Parkscheinautomaten sei dafür vielmehr verantwortlich. „Entscheidend ist die dort festgelegte Höchstparkdauer“, so Spangardt.

Stadt kann sich „pragmatische Lösung“ vorstellen

Die beträgt etwa auf dem Parkstreifen Cappenberger Straße nur eine Stunde, während Pendler auf dem Parkplatz des Heinz-Hilpert-Theaters, auf dem Parkplatz Dortmunder Straße (Stadthotel) oder eben auf dem Spormeckerplatz zwölf Stunden stehen können. Zahlen brauchen sie nur für acht Stunden (4 Euro Tageskarte) - zumindest in Nicht-Corona-Zeiten.

Falls das Gericht mehr Parkplätze brauche, sagt Spangardt, „werden wir eine pragmatische Lösung finden“ und die kostenlose Höchstparkdauer begrenzen: auf zwei oder drei Stunden.

Lesen Sie jetzt