Kot und Urinpfützen im Vorgarten: Anwohner am Lüner ZOB verärgert

mlzAnwohnerbeschwerde

Gestank und entblößte Passanten. Damit ist das Ehepaar Möllenhoff als direkter Anrainer des Busbahnhofs Lünen täglich konfrontiert. Dabei hatte seine Beschwerde schon einmal Gehör gefunden.

Lünen

, 17.09.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Um einen Kothaufen, keine drei Meter von der Eingangspforte des Ehepaars Möllenhoff entfernt, kreisen die Fliegen. Direkt daneben im Gebüsch liegen benutzte Taschentücher. Ein Stück weiter, die Merschstraße hoch, stehen zwei Passanten und urinieren ins Gebüsch. „Hätten wir jetzt nicht am Gartenzaun gestanden, hätten sie es hier vorne gemacht“, sagt Erika Möllenhoff zur Begrüßung.

Gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang (80) bewohnt die 74-Jährige ein kleines Haus in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bahnhof und dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB). „Gestern Abend habe ich sogar einen in meinem Vorgarten erwischt“, erzählt sie empört. „Das ist scheiße. Manchmal stinkt das bestialisch.“

„Ja, wir haben überall die Kackhaufen“, bekräftigt Schwiegertochter Silke Möllenhoff, die mit dem jüngsten Sohn des Ehepaars nebenan wohnt. Erst gestern habe ihr Mann eine Durchfalllache direkt vor ihrer Hecke beseitigt. „Das Ordnungsamt hört uns auch nicht mehr“, erklärt Schwiegermutter Erika. „Die sagen, sie sind nicht zuständig.“

Zwölf Jahre lang Ruhe

Dass die Leute irgendwo ihre Notdurft verrichten müssen, kann sie sogar nachvollziehen. Die Toilette im Bahnhof sei schließlich nur zu den Öffnungszeiten der Radstation (wochentags 9 bis 17.30 Uhr) verfügbar. Die Verantwortung sieht sie bei der Deutschen Bahn und natürlich bei der Stadt, die letztlich für die Situation verantwortlich sei. „Ich bin so etwas von wütend“, sagt sie, „und ich mache das auch nicht mehr weg.“

Das Absurde an der Situation ist: Im Jahr 2008 wehrten sich Erika und Wolfgang Möllenhoff schon einmal - mit Erfolg. Auch damals berichteten die Ruhr Nachrichten und der damalige Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick sei sogar selbst vor Ort gewesen und habe sich ein Bild gemacht. In der Folge baute die Stadt einen niedrigen Zaun zwischen ZOB und Merschstraße. Zwölf Jahre lang sei die Straße weitestgehend sauber gewesen; nur manchmal und ganz vereinzelt habe sich noch einer über den Zaun verirrt.

Seit dem 9. Mai dieses Jahres ist der Zaun jetzt aber wieder geöffnet, „und sofort ging es wieder los“, sagt Wolfgang Möllenhoff. „Wenn jetzt die dunkle Jahreszeit kommt, wird es noch schlimmer.“ Besonders empört ihn, dass sie nicht wissen, warum der Zaun geöffnet wurde.

Situation war rechtswidrig

„Der Zaun zwischen dem Weg (Merschstraße) und dem ZOB musste entfernt werden, weil es sich bei dem Weg um eine sogenannte ‚gewidmete Verkehrsfläche‘ handelt“, antwortet Benedikt Spangardt, Sprecher der Stadt Lünen, auf Anfrage. „Das bedeutet, dass diese Verkehrsfläche der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen muss.“

Eine Absperrung sei rechtlich nicht zulässig. „Ein Radfahrer hat uns Anfang des Jahres aufmerksam gemacht“, so Spangardt: Der Weg sei mit dem Verkehrszeichen 357-50 als ‚Durchlässige Sackgasse für Fußgänger und Radfahrer‘ ausgewiesen, ein Durchkommen sei für Fußgänger und Radfahrer aufgrund des Zauns aber nicht möglich gewesen. „Wir sind dazu verpflichtet, einem solchen Hinweis nachzugehen und haben im Zuge der Prüfung festgestellt, dass der Zaun dort nicht rechtskonform ist. Deswegen wurde er entfernt“, so Spangardt. „Fakt ist: Die Absperrung hätte dort auch vor zwölf Jahren nicht stehen dürfen.“

Er empfiehlt, sich bei akuter Verschmutzung unter 02306/ 104-2020 an das Bürgertelefon der Stadt zu wenden. Dort wisse man auch, wer zuständig ist.

„Entweder hier wird noch mehr kontrolliert oder der Zaun kommt wieder zu“, fordert Silke Möllenhoff, „aber es soll einfach sauber bleiben und die Stadt soll uns nicht mehr hängen lassen.“ Auch Erika Möllenhoff hat einen Lösungsvorschlag: Am ZOB stehe ein Ladenlokal leer, das wie gemacht sei für eine öffentliche Toilette.

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