Kreisverkehre am Nordtunnel: Stadt muss Überweg für Radfahrer nachrüsten

mlzFahrradfreundliche Stadt?

Brandneu sind die Kreisverkehre am Neun-Millionen-Projekt „Nordtunnel“. Fußgänger können ihn gut nutzen, Autofahrer sowieso. Eine Gruppe aber wurde vergessen: Die Radfahrer.

Lünen

, 03.04.2019, 05:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jürgen Heidenreich ist Sprecher des ADFC Lünen - und arbeitet als Verkehrsingenieur beim Landesbetrieb Straßen NRW. Er ist also vom Fach und weiß, wovon er redet. In Bezug auf den Nordtunnel meint er: „Das ist blamabel für eine Stadt, die fahrradfreundlich werden will.“

Was genau ist geschehen? Mit dem Neubau der beiden Kreisverkehre Preußenstraße und Bebelstraße im Zuge des Neun-Millionen-Projekts Nordtunnel sind die Radfahrer offenbar vergessen worden. Das konkrete Problem. Es gibt nur Zebrastreifen, und an denen müssen die Radfahrer bei jeder Querung absteigen. So ist es in der Straßenverkehrsordnung geregelt. Zebrastreifen geben nur Fußgängern Vorrang.

Regelwerk-Änderung kurz vor Baubeginn

Heidenreich und dem ADFC war das direkt nach der Eröffnung Anfang des Jahres aufgefallen. Dass es einen Zebrastreifen gibt, liegt offenbar auch daran, dass Radfahrer und Fußgänger in der Verbindung zwischen den beiden Kreisverkehren, der neuen Straße „Am Preußenbahnhof“, gemeinsam geführt werden. Geplant war das laut Verwaltung erst anders, getrennt nämlich. Dann aber wurde das Regelwerk für solche Wege geändert, „kurz vor Beginn der Bauarbeiten“, heißt es bei der Verwaltung. Es musste ein gemeinsamer Geh- und Radweg gebaut werden: „Eine Änderung hätte dazu geführt, dass sich der Ausbau über mehrere Jahre verzögert hätte.“

Dass an den Kreisverkehren schließlich nur Zebrastreifen markiert wurden, hätte, ebenso wie die den gemeinsamen Geh-Rad-Weg, die Bezirksregierung gefordert, teilt die Stadtverwaltung mit. Von dort aus wurde das Projekt schließlich mit vielen Fördermillionen unterstützt.

Lösung: Keine Furten, aber eine neue Markierung

Heidenreich hätte sich eine bauliche Veränderung des Kreisverkehrs gewünscht. Mit Furten, extra für die Radfahrer. Vorgetragen hat er diese Wünsche nach eigenen Angaben schon vor rund zehn Wochen. Passiert ist erstmal nichts, jetzt aber geht es schnell. Voraussichtlich schon Mittwoch (3. April) sollen die Arbeiten beginnen. Arbeiten allerdings für die „kleine Lösung“, wie Heidenreich sie nennt. Baulich verändert wird nichts, stattdessen wird der Zebrastreifen etwas schmaler, sodass noch Platz für eine markierte Radfahrerüberfahrt bleibt. Auch die Beschilderung wird angepasst. Das Ganze kostet einen niedrigen vierstelligen Betrag, schreibt die Verwaltung.

Diese Lösung sei mit dem ADFC besprochen worden, es sei eine, „die Radfahrern entgegenkommen dürfte“, heißt es bei der Verwaltung. Es sei nicht die eigentlich regelgerechte Lösung, meint Heidenreich - „aber sie wird wohl funktionieren.“

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