Kriminalität in Lünen sinkt weiter, Sexual-Delikte und Respektlosigkeit machen aber Sorgen

Polizei-Statistik für 2018

Gute Nachrichten gab‘s - schon wieder - beim Blick auf die Kriminalstatistik für 2018. Die Gesamtzahl der registrierten Straftaten geht zurück. Manches bereitet der Polizei dennoch Sorgen.

Lünen

, 13.02.2019, 18:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Entwicklung der Gesamt-Kriminalität ist deutlich. Die Zahl der 2018 in Lünen begangenen Straftaten insgesamt ist von noch 7306 im Jahr 2014 um gut 1800 auf 5491 gesunken. Wobei man besser von „registrierten Straftaten“ spricht. Fälle, die der Polizei nicht bekannt werden, tauchen in der Statistik logischerweise nicht auf. Das sogenannte Dunkelfeld ist bei jeder Deliktart unterschiedlich hoch.

Dennoch: „Wir haben eine kontinuierlich gute Lage“, sagte Gregor Lange, Dortmunder Polizeipräsident, bei der Vorstellung der Zahlen am Mittwoch, „und wir haben unseren Beitrag dazu geleistet.“ Die polizeilichen Aktivitäten würden extra zugeschnitten auf die Delikte, die das Sicherheitsgefühl der Menschen besonders beeinflussten: Wohnungseinbrüche, Straßenkriminalität und Co. Lange freute sich zudem, dass die Aufklärungsquote über alle Deliktarten gesehen wiederholt „auf einem Höchststand“ liege. Die Quote lag in Lünen 2018 bei 50,4 Prozent, in Dortmund bei 56,75 Prozent.

Zahl der Sexualstraftaten steigt

Andere Zahlen bereiten dem Polizeipräsidenten dagegen Sorgen. Zum Beispiel die Sexualstraftaten. Die Statistik verzeichnet in Lünen 69 für 2018, das sind 11 mehr als im vergangenen Jahr und doppelt so viel wie noch 2014. Zwar hat es deutlich weniger schwere Sexualstraftaten wie Vergewaltigungen gegeben, dafür beispielsweise mehr Fälle der sexuellen Belästigung. Das hat laut Lange zwei Gründe. Zum einen: eine Gesetzesänderung. Das sogenannte Angrapschen“ wurde früher als „Beleidigung auf sexueller Basis“ registriert und ist jetzt erst Teil der Sexualdelikte. Außerdem glaubt Lange, dass solche Taten jetzt deutlich häufiger zur Anzeige gebracht werden: „Wenn das der Fall ist, möchte ich die Opfer bestärken, sie sollen sich niedrigschwellig der Polizei anvertrauen.“

Ein gesamtgesellschaftliches Problem sieht Lange in der zunehmenden Respektlosigkeit, die auch seine Beamten zu spüren bekommen. Die Polizei registrierte auch 2018 einen Anstieg der Fälle von Widerstand gegen die Staatsgewalt. Das liege aber sicher auch daran, dass die Polizei vor Ort ist und den Kontrolldruck hoch halte, so Lange. „Diese aktive Polizeiarbeit führt zu Konfrontationen.“ Walter Kemper, Chef der Direktion Kriminalität, ergänzte, dass viele der Täter alkoholisiert seien oder unter Drogeneinfluss stünden.

Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns äußerte sich am Mittwochabend noch zu den aktuellen Kriminalitäts-Zahlen: Erstmal ist es natürlich gut, wenn die Straftaten zurückgehen“, meint er. „Aber es wäre falsch, jetzt auf der Basis einer sich positiv entwickelnden Statistik die Hände in den Schoß zu legen. Stadtverwaltung und Polizei haben schon viel getan in den letzten Jahren. Wir dürfen nun nicht nachlassen und werden weiter daran arbeiten, dass sich die Bürgerinnen und Bürger in Lünen sicher fühlen.“ Kleine-Frauns dankt der Polizei für die gute Zusammenarbeit bei den Ordnungspartnerschaften. Die zeige sich auch darin, „dass wir als Stadtverwaltung mit unseren Anliegen bei der Polizei immer ein offenes Ohr finden.“

Interessante Zahlen gibt es auch über die Struktur von Tatverdächtigen: Die sind zu 61 Prozent deutscher Herkunft und zu 39 Prozent nichtdeutscher Herkunft.

Zahlen über politisch motivierte Kriminalität werden mit der polizeilichen Kriminalstatistik nicht veröffentlicht. Dazu werde es Informationen im Bericht des Verfassungsschutzes geben, hieß es. Der wird im April erwartet. Erst kürzlich war eine Lüner Physio-Praxis Opfer einer solchen Straftat geworden, die Praxisräume wurden verwüstet und mit Hakenkreuzen beschmiert. Die Ermittlungen dazu dauern noch an, hieß es am Mittwoch.
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