Kritik an Förderschule: Falsche Förderung und ein Hindernis für die Inklusion

mlzEx-Abgeordneter Hüppe

Der CDU-Politiker Hubert Hüppe kritisiert, dass zu viele Kinder zur Bodelschwingh-Schule in Heil geschickt werden. Er sieht viele Schüler falsch untergebracht und nicht richtig gefördert.

Kreis Unna

, 11.12.2019, 14:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der ehemalige CDU-Kreisvorsitzende Hubert Hüppe hat seine Kritik an der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule gut vorbereitet. Er hat eine umfassende Anfrage bei Kreis-Schuldezernent Torsten Göpfert gestellt, wie viele Kinder an der „Förderschule Geistige Entwicklung“ unterrichtet werden und wie viele Betreuer es gibt. Ganz besonders hat ihn interessiert, wie der weitere Lebensweg der Schüler aussieht, nachdem sie die Förderschule verlassen haben.

Die Schüler, die an der Schule unterrichtet werden, stammen aus den sechs Kommunen im Norden des Kreises Unna, neben Bergkamen auch aus Werne, Lünen, Selm, Kamen und Bönen. Hüppe geht davon aus, dass die Verhältnisse an der Karl-Brauckmann-Förderschule in Holzwickede, die den Südkreis abdeckt, ähnlich sind.

Nach der UN-Behindertenrechtskonvention sollen auch Schüler mit Behinderungen möglichst im Rahmen der Inklusion mit in den Regelschulen unterrichtet werden.

Nach der UN-Behindertenrechtskonvention sollen auch Schüler mit Behinderungen möglichst im Rahmen der Inklusion mit in den Regelschulen unterrichtet werden. © picture alliance / dpa

Hüppe: Schule bindet zu viele Lehrer und Betreuer

Das Urteil des ehemaligen Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von behinderten Menschen fällt schlecht, wenn nicht sogar vernichtend aus. Viele Schüler, die an der Schule in Heil unterrichtet werden, seien an einer Regelschule im Rahmen der Inklusion besser aufgehoben, meint er. Dort seien auch viele der Lehrer, Integrationskräfte und sonstige Beschäftigter besser aufgehoben, findet er.

Hohe Fahrtkosten

Kritik an der isolierten Lage der Bodelschwinghschule

Hüppe beklagt auch, dass die Schule in Heil so isoliert liegt, dass fast alle Schüler den Bus nehmen müssen. Nach Auskunft des Kreises Unna lagen die Kosten für den sogenannten „Schülerspezialverkehr“ im vergangenen Jahr bei 705.868,07 Euro. Bis zum 31. Oktober 2019 hatte der Kreis dafür 563.830,55 Euro ausgegeben. Der Christdemokrat sieht darin nicht nur ein finanzielles Problem. Er beklagt, dass die Schüler außer der Ganztagsschule und ihrem Elternhaus fast nichts kennen würden. Freunde aus der Schule in der Umgebung gebe es fast nie. Hüppe ist auch ein Gegner einer neuen, in Werne geplanten Förderschule. Auch darin sieht er ein Problem für die Inklusion.

„Bei vielen der Kinder handelt es sich nicht um schwerst geistig behinderte Kinder“, sagt Hüppe. Ein beträchtlicher Teil stamme aus Migrantenfamilien, habe Sprach- und Lernprobleme und gehöre in die Inklusion statt in eine Förderschule geistige Entwicklung, kritisiert Hüppe. Das entspreche eindeutig der UN-Behindertenrechtskonvention, der sich auch Deutschland angeschlossen hat.

Zehn Jahre nach Verabschiedung der Konvention habe die Anzahl der Schüler an der Schule sogar noch einmal zugenommen. „Das ist Exklusion statt Inklusion.“ Der ehemalige Bundestagsabgeordnete sieht durch die Praxis, mehr Kinder als nötig auf Förderschulen unterzubringen, auch in andere Hinsicht ein Problem für den gemeinsamen Unterricht an den Regelschulen. Auf rund 300 Schüler kommen nach Auskunft des Kreises 83 Lehrkräfte, 26 Integrationskräfte, 20 Helfer, die ein freiwilliges Soziales Jahr absolvieren und eine Schulsozialarbeiterin. Kräfte die nach Hüppes Ansicht für die Inklusion frei würden, wenn sie nicht unnötigerweise an der Regelschule gebunden wären.

Die meisten Absolventen der Schule arbeiten danach in einer Behindertenwerkstatt. Die Quote, die auf den normalen Arbeitsmarkt wechselt, ist gering.

Die meisten Absolventen der Schule arbeiten danach in einer Behindertenwerkstatt. Die Quote, die auf den normalen Arbeitsmarkt wechselt, ist gering. © picture alliance / dpa

Kaum ein Schüler wechselt auf den ersten Arbeitsmarkt

Der Christdemokrat, der selbst einen Sohn mit Behinderung hat, kritisiert auch, dass der Bodelschwingh-Schule das Berufswahlsiegel verliehen worden ist. Die Schule schaffe es fast nie, Schüler für den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren. „Das vermittelt Eltern bei der Anmeldung ein falsches Bild“, sagt Hüppe.

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Nach der Zahlen des Kreises hat in diesem Jahr nur einer von 29 Entlassschülern einen Arbeitsvertrag auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bekommen. 19 arbeiten in einer Behindertenwerkstatt, zwei machen ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), einer eine Maßnahme der Arbeitsagentur und sechs sind offenbar arbeitslos.

Schuldezernent weist Kritik am Kreis Unna zurück

Kreis-Schuldezernent Torsten Göpfert kann Hüppes Kritik zur Inklusion zwar teilweise verstehen, sieht aber wenig Möglichkeiten für den Kreis als Schulträger etwas zu verändern. „Wir müssen uns an die Vorgaben des Landes halten und sind nur zuständig dafür die Gebäude zur Verfügung zu stellen“, sagte er. Der Kreis sei aber nicht fachlich zuständig.

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Göpfert wies darauf hin, dass entweder die Eltern entscheiden, ihr Kind bei der Förderschule anzumelden – oder dass die Regelschulen, die sie besuchen, die Empfehlung geben. Für die Richtlinien sei das Land zuständig, meint der Dezernent. „Das ist ein staatlich beschriebenes Verfahren, auf das wir keinen Einfluss haben.

Er betonte, dass der Kreis der Schule nicht das Berufswahlsiegel verliehen hat. Möglicherweise sei auch die Vermittlung eines Schülers auf dem Arbeitsmarkt bereits ein Erfolg. „Die Schüler verlassen die Schule ohne Abschluss“, sagte er. „Da ist es klar, dass eine Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt schwierig ist.“

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