Kritik an der Besuchsgarantie des NRW-Ministers Laumann kommt von den Häusern der Diakonie-Ruhr-Gruppe, zu der auch das ev. Altenzentrum gehört. © Niehaus (A)
Besuch in Altenheimen

Kritik aus Altenheimen: „Laumanns Besuchs-Garantie ist verantwortungslos“

Die Besuchsgarantie für Pflegeheime an Weihnachten sorgt für Unmut in Lünen. Landesminister Laumann hatte sie gegeben. Die Betreiber der Heime bitten dagegen um Zurückhaltung bei den Besuchen.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat in dieser Woche eine

Besuchsgarantie für Pflegeheime ausgesprochen: „Ich werde die Besuchsmöglichkeiten in den Heimen durchsetzen“, sagte er. In Lünen erntete er dafür Kritik. Hier geht es zu einem Überblick über Besuchsmöglichkeiten in den Heimen -und zu den Einschätzungen, ob das eine gute Idee ist.

Altenzentrum Bebelstraße appelliert an die Vernunft

„Das halten wir angesichts der sich entwickelnden pandemischen Lage und der erheblichen Belastungen für unser Personal für fahrlässig und verantwortungslos“, heißt es in einem offenen Brief der Diakonie-Ruhr-Gruppe, zu dem das evangelische Altenzentrum an der Bebelstraße gehört.

Dessen Leiter Dirk Kreimeyer steht voll hinter der Meinung des Fachbereichsleiters Jens Fritsch, der den offenen Brief unterschrieben hat. Auch angesichts von fehleranfälligen Schnelltests, die keine Sicherheit bringen. Die Tests durchzuführen sei zum Schutz zweifelsfrei zwar richtig. Es sei jedoch falsch, die gesetzlichen Anforderungen in einer Phase der maximalen Belastung für Mitarbeitende der Einrichtungen zu erhöhen.

Die Diakonie-Ruhr-Gruppe und damit auch Kreimeyer appellieren an die Vernunft und die Einsichtsfähigkeit aller Beteiligten. Die Angehörigen werden gebeten, die Besuche auf das Nötigste zu begrenzen und sich vorher in der Einrichtung anzumelden.

Residenz Osterfeld: Besuche wichtig, aber Bewohner schützen

Eine Sprecherin der Alloheim Senioren-Residenzen SE erklärt, dass die Verantwortlichen in der Senioren-Residenz Osterfeld es wichtig finden, „dass unsere Bewohner auch an den Feiertagen ihre Lieben sehen und mit ihnen Zeit verbringen können.“

Es werden über die Feiertage Besuche im Rahmen des aktuellen Besuchskonzeptes möglich sein. Das heißt, die Besucher müssen sich mindestens einen Tag vorher telefonisch anmelden. Die Besucher müssen sich am Empfang registrieren, einem Kurzscreening unterziehen und u.a. allgemeine Fragen zur Risikoeinschätzung beantworten.

Auch wird die Körpertemperatur kontaktlos gemessen. Alle Besucher erhalten Informationen zu Desinfektionsmaßnahmen und Hygienevorgaben, an die sie sich während des gesamten Besuches halten müssen, hierzu zählt zum Beispiel das Tragen einer FFP2 Maske.

Die Residenz Osterfeld. Hier können Bewohner auch abgeholt werden, wenn entsprechende Vorgaben erfüllt werden.
Die Residenz Osterfeld. Hier können Bewohner auch abgeholt werden, wenn entsprechende Vorgaben erfüllt werden. © Böhlke (A) © Böhlke (A)

Ein PoC-Antigen Schnelltest wird nach der Corona-Schutzverordnung vom 16. Dezember des Landes NRW vor dem Besuch empfohlen und angeboten. Besuche können auf den Bewohnerzimmern stattfinden, zeitliche Beschränkungen werden entsprechend der Allgemeinverfügung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales vom 11. Dezember umgesetzt.

Die Bewohner können auch abgeholt werden. Hier werden Bewohner und Angehörige angehalten die geltenden Corona-Schutzmaßnahmen und Hygieneregeln auch außerhalb der Einrichtung einzuhalten und verantwortungsvoll zu handeln, „denn unsere Bewohner gehören zur Hochrisikogruppe und müssen besonders geschützt werden.“

Caritas bietet auch Tablets für digitale Besuche an

In den beiden Seniorenheimen der Caritas (St. Norbert und Seniorenzentrum an der Lippe) sind grundsätzlich Besuche möglich. Diese sind auf zwei Besuche pro Tag und zwei Personen je Besuch begrenzt.

Pressesprecher Thomas Middendorf: „Alle Gäste registrieren sich vor Besuchsbeginn, es erfolgt eine Symptomabfrage und Temperaturkontrolle. Besucher mit Corona-typischen Symptomen oder erhöhter Temperatur dürfen die Einrichtung nicht betreten.“

Zudem werden bei allen Besuchern regelmäßige Schnelltests durchgeführt. Ohne negatives Testergebnis ist ein Zutritt in die Einrichtung nur mit Einschränkungen möglich. Während der gesamten Dauer des Besuchs ist das Tragen einer FFP2-Maske verpflichtend. Desinfektions- und Hygieneregeln sind selbstverständlich einzuhalten.

Blick auf einen Teil des Seniorenzentrums in der Mersch des Caritas-Verbandes. Auch hier werden die Besucher darum gebeten, angesichts der Lage auf Besuche zu verzichten.
Blick auf einen Teil des Seniorenzentrums in der Mersch des Caritas-Verbandes. Auch hier werden die Besucher darum gebeten, angesichts der Lage auf Besuche zu verzichten. © Beate Rottgardt (A) © Beate Rottgardt (A)

Um Besuche überhaupt zu ermöglichen, ist eine vorherige, telefonische Anmeldung über den Empfang der jeweiligen Einrichtung zwingend erforderlich.

Die maximale Besuchsdauer beträgt zwei Stunden.

Die Besuche sind auf den Bewohnerzimmern möglich. Middendorf: „Allerdings gehören die uns anvertrauten Menschen zur Höchstrisikogruppe. Sie leben in unseren Einrichtungen in Hausgemeinschaften, die es dringend zu schützen gilt.“

Daher bittet der Caritasverband Lünen, Selm, Werne in der aktuellen Lage die Familien dringend darum, auf Besuche zu verzichten. Middendorf: „Für Angehörige, die aus Rücksicht auf unsere Bewohnerinnen und Bewohner von einem Besuch absehen, stehen in den Einrichtungen Tablets für digitale Besuche zur Verfügung. Unsere Mitarbeitenden helfen den Senioren bei der Bedienung der Geräte.“ Die Möglichkeit zur Kommunikation mit Angehörigen sei seit Beginn der Pandemie bereits vielfach genutzt worden.

Arbeiterwohlfahrt bittet um Anmeldung zum Schnelltest

Für die Seniorenheime der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Brambauer (Alte Gärtnerei und Minister Achenbach) gelten folgende Regeln: Beim Betreten des Seniorenzentrums werden die Besucher direkt im Eingangsbereich, nach Symptomen „untersucht“.

Sollten Besucher diese oder ähnliche Symptome zeigen, kann ihnen der Besuch verwehrt werden. Dies gilt auch, wenn die Besuchsperson negativ auf COVID 19 getestet wurde, denn es geht natürlich (wie in jedem bisherigen Winter) darum, auch andere Infekte nicht in die Seniorenzentren zu tragen.

Ausnahmen gelten selbstverständlich in der letzten Lebensphase und bei zu befürchtenden Sterbefällen. Hier kann nach einem erfolgten negativem PoC Antigentest (Schnelltest wird vor Ort durchgeführt) ein Besuch stattfinden.

Alle symptomfreien Angehörige, die vor einem Besuch eine Gefährdung weit möglichst ausschließen wollen, können zu bestimmten Zeiten in der Woche die Möglichkeit eines Vor-Ort-Schnelltestes nutzen. Es wird um vorherige Anmeldung gebeten.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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