Landwirtschaft: In Lünen weicht Viehhaltung immer mehr den Pferdepensionen

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Auf dem Hof von Birgit Backs aus Niederaden gab es mal 170 Sauen - doch bei dem Druck größer zu werden, können viele Betriebe nicht mehr mitmachen. Da kommen die Verbraucher ins Spiel.

Lünen

, 20.07.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf ihrem Hof in Niederaden betreibt Birgit Backs Mastschweinzucht und Sauenhaltung. „In der Spitze hatten wir 170 Sauen, jetzt sind es noch 100 und ich werde noch weiter abstocken“, sagt die 52-Jährige, die den Betrieb 1996 von ihrem Vater übernommen hatte. „Ich mache das wirklich sehr gerne. Aber wenn das alles so weiter geht, dann werden bald nur noch ein paar Großbetriebe übrig sein und für die Kleinen lohnt es sich nicht mehr.“

Das Problem sei zum einen die sich immer weiter verschärfende Gesetzeslage. Zum Beispiel sollen die Tiere mehr Platz bekommen. Das bedeutet größere Ställe um die gleiche Anzahl halten zu können und eine gewisse Anzahl braucht es, um lukrativ zu bleiben. Die neuen Ställe bedürfen aber wiederum einer Baugenehmigung. Und auch das Emissionsrecht spielt eine Rolle. „Wenn wir so produzieren sollen, dann müssen wir mehr Geld für das Fleisch bekommen. Sonst wird es zu einem Hobby“, sagt Backs. Zum anderen kann sie den großen Abnehmern nicht die Menge an Ferkeln liefern, die die wünschen und Abnehmer kleinerer Mengen gibt es kaum noch. Ein Teufelskreis.

Pensionspferde als neuer Trend

Das bestätigt auch Heinz-Wilhelm Büscher, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe: „Wir haben heute nur noch ein Drittel der Betriebe, die noch Schweine halten, im Vergleich zu vor zehn oder 20 Jahren“, sagt er. „Eine Tierhaltung, wie es noch vor 50 Jahren üblich war, gibt es heute nicht mehr.“ Ursächlich seien die gesetzlichen Auflagen in Verbindung mit den Preisen, die für Fleisch zu erzielen seien. „Es lohnt sich eigentlich erst ab 5000 Schweinen, aber das kann kaum einer.“

In Lünen gibt es aktuell 40 landwirtschaftliche Betriebe. Sechs davon halten Schweine, neun sind rinderhaltende Betriebe, - Milchbetriebe gibt es keine mehr -, und 15 betreiben Pensions-Pferdehaltung. „Das ist eindeutig der neue Trend“, sagt Büscher. „Keiner von denen hat mit Pferdehaltung angefangen.“

Keine tierische Vielfalt mehr

Mit diesen Zahlen liegt Lünen deutlich unter dem NRW-Trend, der unlängst von dem Landes-Statistik-Institut IT.NRW veröffentlicht wurde: „Etwa drei Viertel der rund 34.000 landwirtschaftlichen Betriebe in Nordrhein-Westfalen halten Vieh – mehr als die Hälfte davon lebt von der Viehhaltung“, heißt es dort. Die meisten betrieben Schweinehaltung. Allerdings gilt auch Bundesland-weit: „Zunehmende Spezialisierungen haben dazu geführt, dass in allen Bereichen der Viehhaltung immer weniger Betriebe immer größere Tierbestände halten. Insbesondere bei der Schweinehaltung geht der Trend zu immer größeren Beständen: Anfang November 2019 wurden 70,3 Prozent der Schweine in in Betrieben mit mindestens 1000 Tieren gehalten.“

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