Uwe Wortmann war zwölf Jahre Leiter des Lüner Kulturbüros, hat so manchen Abend im Hilpert-Theater verbracht. Am 18. Dezember geht er in den Ruhestand. © Beate Rottgardt (A)
Uwe Wortmann

Leiser Abschied vom Lüner Kulturbüro, aber Pläne mit Birdie und Wohnmobil

So hatte sich Uwe Wortmann seinen Abschied vom Berufsleben nicht vorgestellt: Wegen Corona ging es seit März nur ums Verschieben und Absagen. Auch eine Abschiedsfeier wird es nicht geben.

Anfang der 90er-Jahre kam Uwe Wortmann ins Kulturbüro, damals noch geleitet von der späteren Lübecker Kultursenatorin Annette Borns. „Damals wurde gerade der Hansesaal gebaut und deshalb wurde dem Kulturbereich eine weitere Stelle genehmigt“, erinnert sich Wortmann. Der damalige Stadtdirektor Rudolf Salmen, in dessen Büro der gebürtige Lüner tätig war, wusste von Wortmanns Interesse an Kultur. „Also fragte er mich, ob ich nicht ins Kulturbüro wollte.“

Der heute 62-Jährige wollte und seitdem kümmert er sich sowohl um das Heinz-Hilpert-Theater als auch um den Hansesaal, den Weihnachtsmarkt oder das Brunnenfestival.

Uwe Wortmann mit seinem Vorgänger Werner Althoff bei einer Präsentation eines neuen Spielplans. © Goldstein (A) © Goldstein (A)

2008 wurde Wortmann als Nachfolger von Werner Althoff neuer Leiter des Kulturbüros. Zwölf Jahre später teilt er sich seit November das Büro mit seiner Nachfolgerin Barbara Kastner. „Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir sechs Wochen hier zusammen haben und es so eine vernünftige Übergabe gibt.“

Dass sein letztes Arbeitsjahr vor dem Ruhestand durch Corona komplett anders verlaufen würde als gedacht, hätte sich Wortmann „nicht mal in einem Alptraum vorstellen können“. Eigentlich wollte er sich im Heinz-Hilpert-Theater von den Theaterbesuchern verabschieden, auch von den Türschließerinnen und Garderoben-Mitarbeiterinnen. Doch das Theater ist geschlossen. Es wird auch an seinem letzten Arbeitstag, dem 18. Dezember, keine Abschiedsfeier mit den Kulturbüro-Kollegen geben. „Vielleicht können wir das nächstes Jahr nachholen.“ Auch beim Kulturausschuss kann er sich nicht verabschieden. „Deshalb gehe ich mit dem Gefühl, doch nicht richtig abgeschlossen zu haben.“

Hygienekonzepte und Absagen

In seinen letzten Arbeits-Monaten war er nur damit beschäftigt, Hygienekonzepte fürs Theater auszuarbeiten und Veranstaltungen abzusagen oder zu verschieben. „Aber alles können wir gar nicht ins nächste Jahr verschieben. Manche Tourneen finden gar nicht statt, weil die Schauspieler schon andere Verpflichtungen haben. Und wir können ja auch nicht unendlich viele Veranstaltungen zusätzlich ansetzen.“

Auch Ausstellungen in der Stadtgalerie im Hansesaal gehörten zu Uwe Wortmanns Aufgaben, hier mit dem Künstler Pascal Faber (2.v.l.) und dessen Muse und Frau
Auch Ausstellungen in der Stadtgalerie im Hansesaal gehörten zu Uwe Wortmanns Aufgaben, hier mit dem Künstler Pascal Faber (2.v.l.) und dessen Muse und Frau “Kitty”. © Beate Rottgardt (A) © Beate Rottgardt (A)

Nach dem Abitur absolvierte Wortmann eine kombinierte Ausbildung aus Fachhochschulstudium und praktischem Teil bei der Stadtverwaltung Lünen. Mit dem Abschluss Diplom-Verwaltungswirt. Nach anderen Stationen war er nun 30 Jahre beim Kulturbüro. „Schon nach relativ kurzer Zeit war mir klar, dass das inhaltlich mein Ding ist, deshalb hab ich mich auch nie woanders beworben.“

Am meisten Spaß habe ihm immer die Arbeit mit Menschen gemacht und die Vielfalt des Aufgabengebietes – dass er morgens mit einem Star-Pianisten verhandelte und nachmittags mit einem Betreiber einer Bratwurst-Bude. „Meine Vorliebe für Musik ist ja bekannt. Aber auch die Arbeit im Theater hat Spaß gemacht oder dass das Brunnenfest zum größten Event dieser Art im Kreis Unna geworden ist.“

Theater richtig genießen

Im Ruhestand wird man Wortmann sicher auch mal wieder im Theater sehen. „Dann kann ich mir natürlich aussuchen, was ich mir anschaue. Und werde das dann auch genießen können.“ Denn wenn er beruflich im Theater saß, war er immer angespannt: „Manchmal gab es Standing Ovations, manchmal rannten die Leute raus.“

Wichtig sei immer das Team gewesen. „Es ist kein Job von 8 bis 16 Uhr, man muss auch Spaß daran haben, abends und am Wochenende bei Veranstaltungen zu sein. Da konnte ich mich immer 100-prozentig auf mein Team verlassen.“

Für die Kollegen sei es auch gut gewesen, dass das Theater ein kommunaler Betrieb ist und sie deshalb andere Aufgaben bekamen, seit die Kultur stillstehen muss.

Seit 30 Jahren ist Uwe Wortmann Mitglied der Band „Birdie“, hier bei einem Auftritt mit Band-Sängerin Sabine Hoell im Hansesaal.
Seit 30 Jahren ist Uwe Wortmann Mitglied der Band „Birdie“, hier bei einem Auftritt mit Band-Sängerin Sabine Hoell im Hansesaal. © Foto: Beuckelmann (A) © Foto: Beuckelmann (A)

Ein bisschen konnte er aufgrund von Corona auch schon für den Ruhestand „proben“. „Seit März bin ich jedes Wochenende und jeden Abend zuhause, das kannte ich vorher gar nicht.“ Auch weil er seit 30 Jahren Gitarrist und Frontman der beliebten Band „Birdie“ ist. Auch für die Musiker bedeutet Corona Zwangspause. „Wir hatten dieses Jahr keinen Auftritt, selbst die Proben waren nicht möglich.“ Die schon traditionelle Christmas-Party im Hansesaal kann auch nicht stattfinden. Das soll sich 2021 wieder ändern.

„Birdie“ wird er natürlich auch im Ruhestand treu bleiben, freut sich schon darauf, endlich wieder mit den Freunden auf der Bühne zu stehen. Und darauf, dass auch seine Frau Andrea nicht mehr berufstätig sein wird und sie zusammen verreisen können.

Da war Uwe Wortmann seit zwei Jahren Kulturbüro-Leiter – Vorbereitungen für die Kulturhauptstadt 2010, an der Lünen wie 52 andere Kommunen im Ruhrgebiet beteiligt war. © Goldstein (A) © Goldstein (A)

Reisen spielten immer eine wichtige Rolle bei dem Paar. „Seit zwei Jahren haben wir ein Wohnmobil und haben in diesem Jahr an manchem Wochenende festgestellt, dass man gar nicht so weit fahren muss, um wunderschöne Natur zu finden.“ Eigentlich war eine Reise nach Kanada geplant, die wegen Corona nicht stattfinden konnte. „Deshalb sind wir dann ins Allgäu, in die Dolomiten, an den Gardasee und Kärnten gefahren.“ Auch nach Venedig, dass sie fast ohne andere Touristen erlebten.

Sportlich unterwegs

Die Berge faszinieren das Paar, das sportlich unterwegs ist – beim Wandern und Mountainbike-Fahren. „Wenn es wieder geht, werden wir auch Spanien, Italien, Frankreich und Portugal erkunden“, hat sich Wortmann vorgenommen, der in wenigen Tagen 63 Jahre alt wird. „Andrea und ich haben noch viele Pläne und dann können wir auch Ausflüge innerhalb der Woche machen, sind nicht aufs Wochenende angewiesen.“

Noch sind es aber ein paar Tage – zusammen mit seiner Nachfolgerin – und dem „Riesenpuzzle“ mit der Aufgabe, geplante Veranstaltungen zu verschieben. Bis dann aus dem Kulturbüroleiter Uwe Wortmann der (Un-)Ruheständler wird.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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