Kreis Unna setzt auf Sportverbot und weniger Menschen bei Festen

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Offiziell ist der Kreis Unna (Stand Freitag, 0 Uhr) noch kein Risikogebiet. Landrat Michael Makiolla setzt aber auf eigene Berechnungen – deshalb soll es bei Festen und im Sport Verschärfungen geben.

Kreis Unna

, 09.10.2020, 16:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Kreis Unna überschreitet die kritische Marke von 50 Corona-Fällen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnern. Am späten Freitagnachmittag sprachen Landrat Michael Makiolla und Gesundheitsdezernent Uwe Hasche von einem Inzidenzwert von „ungefähr 53“. Dabei beriefen sie sich auf eigene Berechnungen. „Die sind für mich die Grundlage meiner Entscheidungen“, erklärte Makiolla.

Offiziell war der Kreis Unna am Freitag noch kein Risikogebiet. „Was als Risikogebiet gilt, entscheidet das RKI“, machte Hasche deutlich. Um 0 Uhr lag der Inzidenzwert im Kreis Unna laut Robert-Koch-Institut bei 45,6. Das erklärt sich, weil die Meldungen des Kreises Unna erst mit Verzögerung in die Statistik einfließen.

Auf Zahlenspiel will sich der Kreis Unna aber keinesfalls einlassen. Makiolla stellte im Rahmen einer Telefonkonferenz mit der Presse verschärfte Maßnahmen vor, mit denen die Ausbreitung des Coronavirus eingedämmt werden soll. Sie alle sind Teil einer Allgemeinverfügung, die aktuell aber lediglich als Entwurf vorliegt.

In Kraft treten soll die neue Allgemeinverfügung am Sonntag um 0 Uhr und bis zum 25. Oktober – also nach dem Ende der Herbstferien – gelten. Die Bezirksregierung muss dem Entwurf noch zustimmen. Noch für Freitagabend war eine digitale Konferenz geplant, bei der der Kreis Unna und die Bezirksregierung über die notwendigen Maßnahmen beraten wollen, möglicherweise auch unter Beteiligung des Landeszentrums für Gesundheit.

Bezirksregierung kann Nachbesserungen fordern

Makiolla und Hasche hofften auf eine Zustimmung der Bezirksregierung. Es sei aber auch möglich, dass die Bezirksregierung weiteren Handlungsbedarf sehe. Grundsätzlich, so Makiolla, gelte, dass zu treffende Maßnahmen verhältnismäßig sein müssten.

Im Kreis Unna lägen die Spannungspunkte in Schulen und Kitas, teilweise in Pflegeheimen, bei Kontaktsportarten, bei privaten Feiern und bei größeren Zusammenkünften. Das spiegelt sich auch in den Maßnahmen, die Teil der neuen, noch unter Vorbehalt stehenden Allgemeinverfügung sind:

  • Feste mit geselligem Charakter: Die in öffentlichen Räumen erlaubte Teilnehmerzahl wird auf 25 Personen reduziert. In der noch geltenden Verfügung waren 50 Teilnehmer erlaubt. Wichtig: Veranstaltungen, die bereits genehmigt wurden und die bis Sonntag, 24 Uhr, stattfinden, dürfen noch durchgeführt werden. Hasche verwies auf die dabei vorgelegten Hygienepläne.
  • Feste in privaten Räumen: Der Kreis Unna gibt die „dringende Empfehlung“ , die Teilnehmerzahl auch bei Feiern in der eigenen Wohnung auf 25 zu beschränken. Eine Verpflichtung sei rechtlich schwer umsetzbar, die Wohnung im Grundgesetz besonders geschützt.
  • Kontaktsport: Die Ausübung von Kontaktsport wie Fußball oder Handball wird verboten. Betroffen sind Ligaspiele und Turniere ebenso wie das Training. Das Verbot gilt nur für den Kreis Unna. Zu Auswärtsspielen außerhalb des Kreises Unna könnten Mannschaften also anreisen. Makiolla appelliert aber ausdrücklich an das Verantwortungsbewusstsein in den Vereinen. „Ich setze darauf, dass dort verantwortungsvolle Entscheidungen getroffen werden.“
  • Kinderbetreuung: Für die Kitas gibt es die „dringende Empfehlung“ des Kreises, Kinder nur in festen Gruppen zu betreuen. Das gilt auch für die Außengelände. Makiolla: „Wir lassen den Leitungen dabei eine gewisse Freiheit, das auch umzusetzen.“

Zum Ferienbeginn steht das Thema Reisen natürlich besonders im Fokus vieler Menschen. Als die Pressekonferenz stattfand, war das Reisen Menschen im Kreis Unna formal noch erlaubt. Ab Samstag, 0 Uhr, sollte sich das ändern. „Ich nehme an, dass der Kreis Unna dann auch beim RKI tiefrot ist und als Risikogebiet eingestuft wird.“

Makiolla betonte, dass damit in vielen Hotels und Ferienunterkünften Übernachtungen unmöglich sein oder ein negativer Corona-Test vorgelegt werden müsse. Auf das Reisen selbst habe die Einstufung keine Auswirkungen. „Die Reise-Freizügigkeit gilt weiter, der Kreis Unna befindet sich nicht in Quarantäne“, erklärte Makiolla. Tagesausflüge sind also ohne Probleme möglich.

Hier können Sie unseren Liveticker noch einmal nachlesen:

Pressekonferenz am 9. Oktober 2020 zur Corona-Lage
Liveticker abgeschlossen
  • 16:37 Uhr09.10.2020

    Pressekonferenz zur Bekanntgabe neuer Corona-Maßnahmen startet gleich

    Der Kreis Unna hat so viele Neuinfektionen verzeichnet, dass die kritische Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Eiwohner seit Donnerstag überschritten ist. Damit drohen zusätzliche Maßnahmen zum Coronaschutz. Angekündigt ist, dass Landrat Michael Makiolla (SPD) diese Maßnahmen in einer Pressekonferenz ab 16.45 Uhr vorstellt.

  • 16:43 Uhr09.10.2020

    Noch vor der erwarteten Bekanntgabe zusätzlicher Corona-Maßnahmen im Kreis Unna hat die Gesundheitsbehörde am Freitag ein Statistik-Update veröffentlicht. 39 neue Corona-Fälle werden gemeldet. Diese verteilen sich wie folgt auf acht von zehn Kommunen im Kreis: Bergkamen (5), Bönen (1), Fröndenberg (1), Holzwickede (1), Kamen (1), Lünen (19), Selm (9), Unna (2).

  • 16:47 Uhr09.10.2020

    Die Pressekonferenz beginnt. Die Teilnehmer der Pressekonferenz sind Landrat Michael Makiolla (SPD), Gesundheitsdezernent Uwe Hasche und Pressesprecher Max Rolke. Pressevertreter sind per Telefon zugeschaltet. 

  • 16:49 Uhr09.10.2020

    Der maßgebliche Inzidenzwert ist nach Berechnungen des Kreises Unna überschritten, wie der Landrat erklärt. Der Kreis sei verpflichtet, zusätzliche Schutzmaßnahmen anzuordnen. Schwerpunkte der Infektionen lägen in Schulen, Kitas, teilweise in Pflegeeinrichtungen, bei Kontaktsportarten, bei Feiern und größeren Ansammlungen von Personen.

  • 16:51 Uhr09.10.2020

    Die neuen Maßnahmen werden in einer Allgemeinverfügung aufgeführt. An Festen mit vornehmlich geselligen Charakter dürfen höchstens 25 Personen teilnehmen, statt wie bisher 50 Personen.

     

  • 16:51 Uhr09.10.2020

    Keine Feierlichkeiten mit mehr als 25 Teilnehmern in privaten Räumen. Dies sei eine Empfehlung, so der Landrat, denn es gebe rechtliche Probleme, dies anzuordnen, so der Landrat unter Verweis auf den Schutz der Wohnung durch das Grundgesetz.

  • 16:52 Uhr09.10.2020

    Kontaktsportarten mit mehr als zwei Personen sollen teilweise untersagt werden, so lautet eine weitere Maßnahme. Diese Maßnahme steht noch unter dem Vorbehalt der Abstimmung mit der Bezirksregierung. Die neue Regeln soll Sonntag, 11. Oktober, 0 Uhr, in Kraft treten und bis 25. Oktober gelten.

  • 16:54 Uhr09.10.2020

    Der Landrat erklärt: "Die Allgemeinverfügung möchte ich gerne in Kraft setzen, kann ich aber erst dann in Kraft setzen, wenn ich grünes Licht von der Bezirksregierung Arnsberg habe." Darauf hoffe er im Laufe des Tages.

  • 16:54 Uhr09.10.2020

    Gesundheitsdezernent Hasche berichtet von der weiteren Vorgehensweise. Vor 18 Uhr soll es eine Telefonkonferenz mit der Bezirksregierung geben, eventuell unter Beteiligung des Landeszentrums für Gesundheits.

  • 16:55 Uhr09.10.2020

    "Veranstaltungen mit mehr als 50 Teilnehmern, die gestern und heute durch Ordnungsbehörden genehmigt worden sind, können an diesem Wochenende stattfinden", erklärt Hasche.

  • 16:57 Uhr09.10.2020

    Wenn die Allgemeinverfügung am Sonntag, 0 Uhr, in Kraft tritt, gilt für alle anderen Feiern: maximal 25 Personen. Diese Obergrenze ist "nicht verhandelbar", wenn es kein Hygiene- und Infektionsschutzkonzeptes gibt, so Hasche.

  • 17:00 Uhr09.10.2020

    Der Gesundheitsdezernent schildert die aktuellen Corona-Zahlen und drückt die Erwartung aus, dass bald grünes Licht von höherer Stelle kommt. "Das Verfahren, dass wir heute erleben, ähnelt den Gesprächen Anfang dieser Woche", erklärt Hasche. Man sei nicht glücklich, dass das Verfahren so lange dauere. Es sei sehr bedauerlich, dass die Abstimmung noch nicht abschließend erfolgt sei. 

  • 17:00 Uhr09.10.2020

    "Das drückt meine Verärgerung aus, dass ich Ihnen noch nicht die fertige Allgemeinverfügung auf den Tisch legen kann und Ihnen so wie vor zwei Tagen nur einen Sachstand wiedergeben kann", sagt Hasche.

  • 17:02 Uhr09.10.2020

    Gefragt wird nach Informationen für Urlauber, die wissen wollen, ob der Kreis Unna jetzt als Risikogebiet gilt. "Die Ausweisung als Risikogebiet erfolgt laut einem Bund-Länder-Beschluss durch das RKI. Dort stehen wir bei einer 7-Tages-Inzidenz von 45,6. Der Kreis Unna ist offiziell noch kein Risikogebiet", sagt Hasche.

  • 17:03 Uhr09.10.2020

    "Wer heute noch verreisen will: Machen Sie das", sagt Landrat Makiolla. Zuvor hat Hasche erklärt, dass damit zu rechnen ist, dass die RKI-Zahlen vielleicht schon morgen über einer 7-Tages-Inzidenz von 50 liegen.

  • 17:05 Uhr09.10.2020

    Ein Kontaktverbot ist nicht geplant, so der Landrat. "Wir können nur dort Einschränkungen verfügen, wo Probleme sind." Er verweist auf die Schwerpunkte der derzeitigen Infektionen zum Beispiel in Schulen und Kitas und im Bereich des Sports.

  • 17:07 Uhr09.10.2020

    "Wir haben das Glück, es sind Schulferien. Wir hoffen, dass Ruhe in das Infektionsgeschehen an den Schulen kommt", so der Landrat. In Kitas sollen Kinder in festen Bezugsgruppen betreut werden, auch beim Spielen draußen und beim Mittagessen, so der Landrat. Laut Hasche entsprechen diese Regelungen für Kitas der bisher schon gültigen Allgemeinverfügung, die seit Donnerstag gilt.

  • 17:09 Uhr09.10.2020

    Die Verfolgung der Infektionsketten beansprucht das Gesundheitsamt stark. Die Gesundheitshelfer sind "bis obenhin voll" mit Arbeit. "Wir werden uns hilfesuchend an das Land wenden", so der Landrat. Man wolle sich auch an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen wenden und um zusätzliches Personal bitten.

  • 17:10 Uhr09.10.2020

    Gefragt wird, ob das Ferienprogramm für Kinder von den neuen zusätzlichen Maßnahmen betroffen ist. Dies verneint der Gesundheitsdezernent. Der Landrat weist darauf hin, dass Hygiene- und Infektionsschutzregeln einzuhalten sind.

  • 17:11 Uhr09.10.2020

    Jetzt noch in den Urlaub fahren? Der Landrat reagiert auf eine Nachfrage. "Das muss jeder selbst entscheiden. Wer vorhat, im Laufe der nächsten Woche in den Urlaub zu fahren, sollte lieber zu Hause bleiben."

  • 17:16 Uhr09.10.2020

    Zur Kontaktpersonenverfolgung: "Wer mit einem positiven Testergebnis konfrontiert wird, wird von uns befragt", erklärt Gesundheitsdezernent Uwe Hasche. Die Frage, wie viele Menschen derzeit im Kreis Unna unter Quarantäne stehen, bleibt zunächst unbeantwortet. Diese Zahl sei bei Ordnungsämtern zu erfragen. 

  • 17:19 Uhr09.10.2020

    Die Situation in den Krankenhäusern ist laut Landrat "entspannt". Das Zusammenwirken mit den Krankenhäusern sei hervorragend, sie hätten immer freie Intensivbetten vorgehalten. Das sei jetzt so wie vor fünf, sechs Monaten. Laut einem heute veröffentlichten Update sind 12 Menschen in stationärer Behandlung. "Die Bettenkapazität ist noch nicht ausgeschöpft", erklärt Hasche.

     

  • 17:20 Uhr09.10.2020

    Der Landrat erklärt: "Wir wollen nicht alles, jede Lebensäußerung, behördlich regeln. Es gibt Verantwortung des Einzelnen, der Sportvereine, der Schulen. Jeder oder jede muss sich Gedanken machen, ob das, was sie vorhat, dazu dient, die Infektionsgefahr zu erhöhen oder zu senken."

  • 17:23 Uhr09.10.2020

    Die Journalisten wollen wissen, wie sie heute von dem Ergebnis der weiteren Abstimmung mit der Bezirksregierung erfahren. Kreissprecher Max Rolke erklärt, dass heute nicht mit weiteren Informationen zu rechnen ist, sondern erst morgen.

  • 17:24 Uhr09.10.2020

    Die Pressekonferenz ist zu Ende und damit auch unser Liveticker. Über die weitere Entwicklung informieren wir Sie bei www.hellwegeranzeiger.de.

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