Lünen hat in den vergangenen sieben Jahren neue Spielplatzflächen bekommen - doch das ist noch nicht genug. © Quiring-Lategahn (A)
Freizeitmöglichkeiten

Lünen hat zu wenig Spielplätze – Stadtverwaltung will reagieren

Die Stadt Lünen hat zu wenig Spielplätze - zumindest statistisch gesehen. SPD und CDU wollen deshalb die Planung aktualisiert sehen. Das Votum im Ausschuss war dann auch eindeutig.

Rund 174.000 Quadratmeter groß ist die Fläche, die sich ergibt, wenn man alle Spielplätze im Lüner Stadtgebiet zusammenzählen würde. Heruntergerechnet ergäbe das einen Wert von 1,97 Quadratmetern pro Einwohner (bei 88.452 Einwohnerinnen und Einwohnern). Dieser Wert ist zu niedrig, zumindest, wenn man den „Goldenen Plan“ zugrunde legt. Dieses 1959 erstellte (und 1984 zuletzt aktualisierte) Programm sollte den Sportstätten-Mangel in Deutschland beheben, wurde aber auch auf Spielplatzflächen ausgeweitet. Kernaussage: Jede Stadt sollte mindestens 2,25 Quadratmeter pro Einwohner an Spielfläche zur Verfügung haben.

In Lünen wären das dann insgesamt 199.000 Quadratmeter, doch hier wird dieser Wert nicht erreicht. SPD und CDU hatten das zum Anlass genommen und einen Antrag in den Jugendhilfeausschuss eingebracht: Die Verwaltung sollte die Spielflächenleitplanung 2020 fortschreiben und eine ausreichende Versorgung an öffentlichen Spielflächen in Lünen gewährleisten. Dabei sollen „bisher unterversorgte Stadtteile im besonderen Umfang einer Prüfung“ unterzogen werden.

Sanierte Spielplätze

Auflistung der Spielplätze, die in Lünen seit 2013 saniert worden sind:

  • Lünen-Mitte:
    2013 Sanierung des Skateparks Stadttorstraße
  • Geistviertel:
    2015 Sanierung des Spielplatzes Friedrichstraße/Röntgenstraße
    2016 Sanierung der Spielflächen im Lippepark
    2018 Sanierung des Spielplatzes Schorlemmers Kamp
  • Lünen-Nord
    2017 Sanierung des Spielplatzes Mörikestraße
    2018 Neubau des Spielplatzes Westfaliastraße
  • Horstmar
    2014 Errichtung einer Spielstation am Bürgerhaus, Lanstroper Weg
    2018 Sanierung des Spielplatzes Asternweg
    2019 Sanierung des Spielplatzes Holunderweg
    2020 Sanierung des Spielplatzes Alter Postweg
  • Lünen-Süd
    2018 Sanierung des Spielplatzes Hoffmannstraße
  • Gahmen
    2014 Neuanlage des Spielplatzes Kaubrügge
    2015 Sanierung des Spielplatzes Görrestraße und Schulhof Vinckeschule
    2015 Sanierung des Spielplatzes Im Hasener
    2016 Neuanlage einer Spielstation am Marktplatz Gahmen, Gahmener Straße
    2016 Neuanlage des Spielplatzes im Bürgerpark, Kümperheide, Gahmener Straße
    2016 Neuanlage der Spielflächen am Bürgerzentrum Gahmen, Gahmener Straße
    2016 Neuanlage einer Spielstation Auf der Leibzucht, Ecke Karl-Kiehm-Weg
    2020 Neuanlage des Spielplatzes Aktivhang, Karl-Kiehm-Weg
    2020 Neuanlage der Bikeranlage Halde Viktoria 3/4
  • Brambauer
    2014 Neuanlage einer Spielstation, Diesterwegstraße
    2015 Sanierung des Spielplatzes Yorckstraße
    2017 Neubau des Spielplatzes Auf dem Kelm
    2020 Sanierung des Spielplatzes Diebecker Weg
  • Alstedde
    2015 Sanierung des Spielplatzes Sachsenweg
    2015 Sanierung einer Spielstation am Marktplatz Alstedde, Heinrich-Imig-Straße
  • Nordlünen
    2015 Sanierung des Spielplatzes Brahmsstraße
    2017 Sanierung des Spielplatzes Mozartstraße
    2020 Sanierung des Spielplatzes Johannesstraße

Die bisherige Spielflächenleitplanung stammt aus dem Jahr 2012, das Handlungskonzept wurde nach Auskunft von Stadtsprecher Benedikt Spangardt zuletzt 2018 aktualisiert. „Die Verwaltung arbeitet derzeit daran, das Handlungskonzept bis 2030 fortzuschreiben.“ In der Ausschusssitzung am Dienstag (1. Juni) erklärte Jürgen Arendes von der Abteilung Stadtgrün, dass man das Defizit bei den Spielplatzflächen von damals 40.000 auf mittlerweile 25.000 Quadratmeter reduzieren konnte. „Erreicht wurde dies durch die gezielte Vergrößerung von Spielplätzen, durch die Hinzunahme und die Entwicklung angrenzender Grünflächen sowie durch Einbeziehung von vier Schulhöfen und zwei Bikeranlagen“, ergänzt Benedikt Spangardt gegenüber unserer Redaktion.

Temporäre Stilllegungen

Der Stadtsprecher betont, dass seit Beschluss des Handlungskonzeptes 2012 zahlreiche Spielplätze umfassend erneuert worden seien. „Die Beschwerden der Nutzerinnen und Nutzer haben sich deutlich reduziert und die Stadtverwaltung – insbesondere die zuständige Abteilung Stadtgrün – hat sehr viele positive Rückmeldungen erhalten.“ Eine Ausnahme bildet der Spielplatz „Auf dem Kelm“ in Brambauer, wo sich Anwohner nach der Sanierung massiv über Ruhestörung beschwert hatten. Als Reaktion darauf fordert die Politik, die Altersbeschränkung auf den Spielplätzen aufzuheben und so die Nutzung auch für Jugendliche rechtlich zu ermöglichen.

Das Spielflächenkonzept sieht außerdem vor, neben der Neuanlage von Spielplätzen auch Anlagen zumindest temporär stillzulegen – auch das ist laut Spangardt geschehen, unterm Strich steht aber ein Zuwachs an Spielplatzflächen. „Dennoch wissen wir: Die Gesamtspielflächengröße ist immer noch defizitär.“ Die Stadt arbeite daran, neben weiteren Maßnahmen sei es derzeit aus Sicht der Stadtverwaltung konkret denkbar, „unter Berücksichtigung des schuleigenen Bedarfs bestimmte Schulhöfe nachmittags für Kinder und Jugendliche zu öffnen, möglichst vor allem in Stadtbezirken, die mit Spielflächen eher unterversorgt sind“. Genau das hat die SPD-Fraktion auch in einem Antrag für den Sportausschuss am 10. Juni gefordert.

Bei der Planung spielt eine Rolle, wie viele Einwohner – und vor allem Kinder – in einem Stadtteil leben. „Die städtischen Mittel werden dort eingesetzt, wo der größte Bedarf an Spielflächen festgestellt wird und wo nach Baurecht und eventuell aufgrund von Verträgen Spielplätze entstehen müssen“, erläutert der Stadtsprecher. „In Stadtteilen, die dadurch ,benachteiligt‘ erscheinen, wie zum Beispiel Beckinghausen, haben wir alternative Spielmöglichkeiten, wie beispielsweise eine Ballspielwiese, ertüchtigt und bereitgestellt.“

Baugesellschaften mit an Bord

Seit dem Start der Sanierungen im Jahr 2013 hat die Stadt Lünen nach eigenen Angaben jährlich 430.000 Euro in die Grundsanierung von Spielplätzen, einschließlich der Ersatzbeschaffung von Spielgeräten, investiert. Da das Handlungskonzept jedoch nur bis 2020 geplant war, gibt es für 2021 keine neuen Mittel im Haushalt. Die Sanierung des Spielplatzes am Hülsenbeckweg wird noch mit Mitteln aus 2020 bestritten. Da die Stadt aber eine Fortschreibung des Konzeptes anstrebt, dürfte sich die Situation 2022 wieder ändern. „Die finanziellen Ressourcen und Handlungsmöglichkeiten werden im Laufe des Jahres erörtert“, so Spangardt. Unabhängig davon gebe es für Ersatzbeschaffungen von Spielgeräten einen jährlichen Etat von rund 150.000 Euro. „Darin enthalten sind noch nicht die gärtnerische Unterhaltung oder die Reparaturen an der vorhanden Ausstattung, die in einem Auftrag an die Wirtschaftsbetriebe Lünen inbegriffen sind.“

Der Spielplatz Auf dem Kelm wurde mit einem Basketballkorb neu gestaltet. Jetzt gibt es Streit um die Lärmbelastung, die von den Jugendlichen auf der Anlage ausgeht. Für SPD und CDU ist das ein Beispiel dafür, dass es zu wenig Spiel- und Bolzplätze in Lünen gibt.
Der Spielplatz Auf dem Kelm wurde mit einem Basketballkorb neu gestaltet. Jetzt gibt es Streit um die Lärmbelastung, die von den Jugendlichen auf der Anlage ausgeht. Für SPD und CDU ist das ein Beispiel dafür, dass es zu wenig Spiel- und Bolzplätze in Lünen gibt. © Goldstein (A) © Goldstein (A)

Im Ausschuss fand der Antrag von SPD und CDU breite Zustimmung, die Verwaltung wurde einstimmig beauftragt, die Spielflächenleitplanung fortzuschreiben. Dabei sprachen die Fraktionen der „Großen Kooperation“ auch die Zusammenarbeit mit den in Lünen vertretenen Bau-Gesellschaften wie Bauverein oder WBG an – diese sollten in die Planungen mit einbezogen werden.

Wie Benedikt Spangardt bestätigt, ist das auch bereits der Fall: „Die Zusammenarbeit mit den Wohnungsbaugesellschaften gestaltet sich ausnahmslos gut. Größere Bauvorhaben, die Spielflächen beinhalten, werden zwischen Stadt und Bauträger vorabgestimmt.“

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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