Ein Teil des Team der Fahrschule Europa (Bild aufgenommen vor der Pandemie). © Fahrschule Europa
Fahrschulen und Corona

Lünen im Lockdown: Keine Fahrstunden mehr – aber es gibt Ausnahmen

Durch den harten Lockdown können Lüner Fahrschulen keinen Fahrunterricht mehr geben. Aber es gibt Ausnahmen - und die Fahrschule Europa erklärt, wie sie durch die Krise kommt.

Endlich den Führerschein machen – für viele ist das ein Meilenstein, der Unabhängigkeit bedeutet. Doch die Krise bremst diesen Wunsch aus. Im strengen Lockdown ist der Unterricht im Fahrzeug nicht erlaubt.

Eine Ausnahme gibt es aber: Laut Coronaschutzverordnung des Landes ist es weiterhin erlaubt, die Fahrprüfung abzulegen, wenn diese Teil der beruflichen Ausbildung ist. Was das bedeutet und wer davon Gebrauch machen kann, erklärt Önder Aytekin. Ihm gehört die Fahrschule Europa in Lünen, die Online-Unterricht anbietet und außerdem Berufsfahrer ausbildet.

„Wir arbeiten eng mit dem Jobcenter zusammen. Jeder, der für seinen Beruf einen Führerschein braucht – also zum Beispiel LKW- oder Servicefahrer – erhält einen Bildungsgutschein“, so Aytekin. Dies ist Teil des gewöhnlichen Prozederes, trifft aber auch auf den Ausnahmefall für die Lockdown-Regeln zu. Entsprechend gut gefüllt ist der Terminkalender der Fahrschule vor Weihnachten – denn bis einen Tag vor Heiligabend wird noch geprüft.

Jeden Tag elf Prüflinge

„Ich hatte diese Woche jeden Tag Prüfung, das macht am Tag elf Prüflinge“, sagt Aytekin. Dass die Situation für die Fahrschule so aussehen werde, damit habe er nicht gerechnet, sagt der Inhaber und Fahrlehrer. Denn vor dem Beschluss des Landes wurden viele Fahrstunden bereits abgesagt in der Erwartung, dass die Prüfungen nicht stattfinden dürfen. Doch ein Teil des Landesbeschlusses beinhaltet, dass terminierte Prüfungen nicht auf die Zeit nach dem 10. Januar geschoben werden müssen. Für das Team Europa bedeutete dies: Komprimierung der Fahrstunden, damit die Prüflinge vor ihren Prüfungen noch üben können.

Und da auch die berufsbedingten Prüfungen weiterlaufen dürfen, gibt es für das Team Europa viel Bürokratie zu erledigen. Denn es ist nicht eindeutig definiert, welche Fahrausbildung berufsbedingt ist. Wichtigster Definitionspunkt ist die Zusage des Jobcenters. Aber auch der Arbeitgeber kann ein Schreiben verfassen und eine Erklärung abgeben, warum ein Mitarbeiter unbedingt einen Führerschein benötigt. Dieses Schreiben segnet der TÜV ab. „Das war alles sehr stressig, mein ganzes Team musste Überstunden machen. Das Büro-Team hat es am schlimmsten getroffen“, sagt Aytekin.

Hoffen auf Normalität nach dem Lockdown

Aytekin hofft trotz der Möglichkeit, mit berufsbedingten Prüfungen die Fahrschule über Wasser zu halten, auf Normalität nach dem Lockdown. „Das hoffen wir alle, aber viele aus meinem Team glauben, dass der Lockdown noch in die Länge gezogen wird“, sagt Aytekin. Sein Team, das sind 35 Personen, die dankbar seien, noch etwas arbeiten und Geld verdienen zu können.

Denn Angst um die Zukunft haben Aytekin und sein Team nach wie vor. „Nachdem man sich das Geschäft mit harter Arbeit aufgebaut hat, kann der Lockdown alles wieder kaputt machen. Wir haben so viele Leasing-Wagen, die kann man nicht einfach mal eben über Monate finanzieren, in denen kein Geld reinkommt“, sagt Aytekin. Das habe die Fahrschule schon im ersten Lockdown zu spüren bekommen – und deshalb sofort reagiert. „Wie waren in Lünen die erste Fahrschule mit Zoom und Youtube für den Online-Unterricht“, sagt Aytekin. Vermutlich ist das auch ein Grund, weshalb die Fahrschule im Jahr 2020 trotz Lockdown 1700 Anmeldungen hatte – das sind 100 Anmeldungen mehr als im 2019 mit 1600 Anmeldungen. „Man muss sich schon anpassen, sonst geht es nicht weiter“, sagt Aytekin.

Diese Anpassung sorgte beim Team Europa dafür, dass sie die letzte Fahrschule in Lünen ist, die noch schult – zusammen mit der Tatsache, dass sie berufliche Fahrer ausbildet. Aytekin empfindet das jedoch als Wettbewerbsverzerrung. „Entweder sollte man die Fahrschulen komplett zumachen oder komplett öffnen, so wie in anderen Bundesländern.“

Die schlimmste Konsequenz daraus wird sein, dass die Fahrschulen schließen müssen, weil sie sich den Lockdown einfach nicht leisten können – das werde 20-25 Prozent der Schulen betreffen, so Aytekin.

Auch das Jahr 2021 wird nicht einfach für Fahrschulen

Denn auch das Jahr 2021 wird für Fahrschulen nicht einfacher – Corona mal ausgenommen. „Wir werden fürs nächste Jahr unsere Preise erhöhen müssen, weil die Spritpreise immer höher gehen und es neue Regelungen für die Prüfungen gibt“, erklärt Aytekin. Denn die Prüfungen sollen künftig länger dauern – denn es wird ein elektronisches Prüfungsprotokoll eingesetzt. Damit sollen Prüflinge noch intensiver geprüft werden. „Das kann man nicht mehr vergleichen mit den Prüfungen von damals, es wird 2021 noch viel umfangreicher“, sagt Aytekin.

Das bedeutet mehr Fahrstunden für die Prüflinge, damit diese noch professioneller Fahren, aber auch eine Veränderung im täglichen Prüfungsrhythmus. „Am Tag wird es keine elf Prüflinge mehr geben können, sondern nur noch neun. Das bedeutet, dass ein Prüfer am Tag weniger Prüfungen abhalten kann und sich die Prüflinge ansammeln“, sagt Aytekin. Das Problem daran: Es gibt nicht genug Prüfer, um die Menge an Prüflingen abzuarbeiten. Zudem gehen viele Prüfer mittlerweile in Rente, es kommen aber kaum neue Prüfer nach. „Ich bekomme nur etwas zwei Drittel der Prüfungsplätze – ein Drittel fehlt dann einfach, weil es nicht genug Prüfer gibt“, so Aytekin.

Das neueste Fahrzeug in der Flotte, gefahren von Fahrlehrerin Nora. © Fahrschule Europa © Fahrschule Europa
Über die Autorin
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Obwohl nicht in Dortmund geboren, bin ich doch eng mit dieser Perle des Ruhrpotts verbunden. Eine Stadt durch die Augen eines Journalisten kennenzulernen, das fasziniert mich. Seit Oktober 2017 arbeite ich für die Ruhrnachrichten und bin seit April 2020 Volontärin.
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Denise Felsch

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