So sehen die Planungen für eine Protected Bike Lane in Berlin aus. An der Cappenberger Straße sollen statt Pollern Baken zum Einsatz kommen. © SenUVK/Bloomimages
Straßenverkehr

Lünen möchte die „Protected Bike Lane“ an der Cappenberger Straße testen

Um das Radfahren in der Stadt sicherer zu machen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine davon möchte die Stadtverwaltung demnächst an der Cappenberger Straße in einem Feldversuch nutzen.

Der Anteil der Radfahrer am gesamten Straßenverkehr in Lünen soll sich deutlich erhöhen – das ist eines der Ziele des Technischen Beigeordneten Arnold Reeker. Entsprechend plant die Verwaltung diverse Maßnahmen – zum Beispiel die Schutzstreifen, die seit Juli auf der Nordseite der Münsterstraße den Abschnitt für Radfahrer deutlich kennzeichnen.

Allerdings werden diese Schutzstreifen nach wie vor von den Autos mitgenutzt, sehr zum Ärger der Radfahrer, die sich auf der engen Münsterstraße ganz und gar nicht sicher fühlen, weshalb viele weiterhin auf den Fußweg ausweichen. Dieser ist zwar für Radfahrer freigegeben, sie dürfen dort aber nur Schritttempo fahren. Für diese Lösung handelte sich die Verwaltung Kritik unter anderem vom ADFC Lünen ein.

Ein weiterer Feldversuch für mehr Schutz von Radfahrern soll es nun auf einem Teilstück der Cappenberger Straße geben – genauer: Zwischen der Einmündung Döttelbeckstraße und der Kreuzung Kurt-Schumacher-Straße, wo ein Teil des „Leezenpatts“ verläuft. Der Radweg ist hier Teil der Straßenfahrbahn, ähnlich wie die Schutzstreifen auf der Münsterstraße.

Baken trennen Rad- und Autoverkehr

Und genau hier sieht die Verwaltung derzeit ein Problem: „An vielbefahrenen Straßen, wo der Radfahrer auf Fahrbahnniveau geführt wird, gibt es ein fehlendes Sicherheitsgefühl, welches zu Stress führt und Menschen davon abhält, mit dem Fahrrad in die Stadt zu fahren.“

Die mögliche Lösung lautet „Protected Bike Lanes“ (PBL), auf deutsch „Geschützte Radspur“. Dabei handelt es sich schlichtweg um eine bauliche Trennung des Radfahrstreifens von der Autospur, was zum Beispiel auf der Münsterstraße aufgrund der Enge nicht möglich ist – an der Cappenberger Straße hingegen schon.

Deshalb empfiehlt die Verwaltung dem Ausschuss für Umwelt, Klima und Mobilität für die Sitzung am 24. Februar einen Feldversuch, bei dem auf der Strecke Leitschwellen mit Baken installiert werden. Dadurch wird der Radfahrer vor dem motorisierten Verkehr geschützt.

Zeitgleich können Kraftfahrzeuge den Radweg nicht mehr als Abkürzung missbrauchen, um etwa schneller auf den Rechtsabbieger zu gelangen oder an wartenden linksabbiegenden Fahrzeugen vorbeizufahren“, heißt es in der Vorlage. „Zudem wird das Parken auf dem Radweg unterbunden.“

Rechtlich bestehen keine Bedenken, wie die Verwaltung weiter ausführt – temporär geschützte Radfahrstreifen lassen sich als „zeitlich befristeter Verkehrsversuch“ umsetzen. Über die Dauer dieses Versuchs schreibt die Verwaltung hingegen (noch) nichts. Die Bezirksregierung befürwortet die PBL hingegen nicht, widerspreche aber auch nicht der Installation: „Vielmehr wird lediglich auf die rechtliche Möglichkeit zur Einrichtung verwiesen und mögliche Probleme bei Zufahrten und Parkmöglichkeiten angesprochen.“ Laut Verwaltung widersprechen die Baken nicht den Planungen für die Kreuzung Kurt-Schumacher-Straße/Konrad-Adenauer-Straße/Cappenberger Straße, da nur ein kurzes Teilstück betroffen wäre. Und: „Die Grundstückszufahrten sind dabei frei zu halten.“

„Die Frage ist, was gefährlicher ist“

Auch von Seiten der Feuerwehr spricht gemäß der Vorlage nichts gegen die Maßnahme. Zwar wurde darauf hingewiesen, dass eine durchgängige Barriere möglicherweise unfallträchtig ist und es zu einem Sturz kommen kann. „Allerdings wurde dies als hypothetisch gesehen und gleichwohl die Frage gestellt, was gefährlicher ist.“

Die Idee der „Protected Bike Lane“ kommt aus den USA, wo das Konzept Anfang der 2000er-Jahre in Großstädten wie New York oder Chicago umgesetzt worden war – ohne, dass dort der Autoverkehr zusammengebrochen wäre, wie unter anderem der ADFC Deutschland bemerkt. In Deutschland hat Osnabrück als erste Stadt 2018 eine PBL eröffnet.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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