Lüner Beigeordneter beklagt geringe Teilnehmerzahl an Stadtteilkonferenzen

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Außer Spesen nichts gewesen? Diese Frage stellt sich beim Blick auf die Teilnehmerzahlen an den von der Stadt initiierten Stadtteilkonferenzen zur Verbesserung der Wohnsituation in Lünen.

Brambauer

, 02.12.2019, 13:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadt Lünen will in Abstimmung mit der Politik und nicht zuletzt mit den Bürgern die Wohnsituation in der Lippestadt verbessern. Zu diesem Zweck fanden im Auftrag der Verwaltung im August und im September drei Stadtteilkonferenzen statt.

Deren Ergebnisse wurden Dienstag (26.11.) im Stadtentwicklungsausschuss von dem verantwortlichen Beratungsunternehmen Probiotec (Düren) vorgestellt. Was bei Lünens Technischem Beigeordneten Arnold Reeker unterschwellig die Frage aufwarf, ob derartige Veranstaltungen aus Kosten-Nutzen-Sicht überhaupt Sinn machen.

  • Ziel der drei Konferenzen war es, die Meinung der Einwohner zur örtlichen Wohnsituation und ihrer Verbesserung einzufangen.
  • Den Auftakt zu dieser Form der Bürgerbeteiligung machte die Stadtteilwerkstatt für Brambauer und Lippholthausen am Samstag, 31. August, im Bürgerhaus Brambauer. Beide Stadtteile kommen nach Angaben von Probiotec-Bereichsleiterin Martina Klöhn auf 19.525 Anwohner. An dem Treffen von 11 bis 15 Uhr nahmen „etwa 50 Personen“ teil. Die wünschten sich unter anderem die „Schaffung von zielgruppenorientierten Wohnraumangeboten“ und die „Schaffung von bezahlbarem, barrierefreiem und zeitgemäßem Wohnraum“.
  • Die Stadtteilwerkstatt für die südlichen Stadtteile Beckinghausen, Osterfeld, Gahmen, Lünen-Süd, Horstmar und Niederaden fand am Samstag, 14. September, ebenfalls von 11 bis 15 Uhr, in der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule statt. Von den 29.781 Einwohnern der Stadtteile fanden „unter 10 Personen“ den Weg in die Schule. Die wünschten sich eine „zeitnahe Entwicklung der Potenzialfläche Preußenstraße“ (Horstmar/Beckinghausen) und die „Vereinbarkeit von Wohnen und Arbeiten bei Neubauvorhaben“ (Gahmen/Lünen-Süd).
  • Das Werkstatttreffen für den Lüner Norden mit den Stadtteilen Lünen-Mitte, Geistviertel, Lünen-Nord, Wethmar, Nordlünen und Alstedde fand am Samstag, 21. September (elf bis 15 Uhr) im Gymnasium Altlünen statt. Die Stadtteile zählen 39.103 Einwohner, „etwa 60 Personen“ kamen zu der Veranstaltung. Auf deren Wunschliste stand unter anderem die „Schaffung von mehr Eigentumswohnungen“ (Nordlünen), die „Schaffung von barrierefreiem Wohnraum“ (Alstedde) und mehr „Entwicklungsflächen für junge Familien“ (Lünen-Nord/Wethmar.).

Lüner Beigeordneter beklagt geringe Teilnehmerzahl an Stadtteilkonferenzen

Lünens Technischer Beigeordneter Arnold Reeker © Linnhoff (A)

„Es wird immer schwerer, Bürger zu begeistern“, sagte Reeker nach der Vorstellung der Ergebnisse und der Teilnehmerzahlen durch Martina Klöhn. Wenn man von den Teilnehmern die abziehe, die sich ohnehin vor Ort engagierten, „dann bleibt nicht mehr viel übrig“, sagte Reeker weiter. Um gleich hinterherzuschieben, dass die Konferenzen trotzdem sinnvoll seien: „Es gab ja schon ein paar Hinweise.“

Um zu vermeiden, so mag es auf die wenigen Zuschauer auf der Empore gewirkt haben, dass nach den Worten Reekers eine kontroverse Debatte über Sinn und Unsinn der Stadtteilkonferenzen im Ausschuss entbrannte, ergriff Thomas Berger das Wort.

Lüner Beigeordneter beklagt geringe Teilnehmerzahl an Stadtteilkonferenzen

Lünens Stadtplaner Thomas Berger

Unmissverständlich stellte der Stadtplaner klar: „Wir wollen das nicht einschlafen lassen. Dass wir solche Dialogformate weiter machen, steht außer Frage.“ Der Ausschuss nahm es schweigend zur Kenntnis.

Die Worte Bergers dürften derweil Wasser auf die Mühlen von Probiotec-Geschäftsbereichsleiterin Martina Klöhn gewesen sein.

Klöhn hatte nämlich in ihren abschließenden „Empfehlungen zur Förderung und Entwicklung des gesamtstädtischen Entwicklungsprozesses“ ihrem Auftraggeber mit auf den Weg gegeben, Themen- und Stadtteilworkshops zwei Mal jährlich durchzuführen.

Auf die Frage unserer Redaktion, was die Stadt Lünen der zur Weyer-Gruppe gehörende Probiotec GmbH für ihre Beratungstätigkeit zahlt, antwortete Stadtsprecher Benedikt Spangardt am Freitag (29.11.):

„Das Honorar ist eine Vertragsangelegenheit und ich gehe von Ihrem Verständnis dafür aus, dass wir uns zu Vertragsdetails nicht äußern.“

Auf die Frage, was jede einzelne Stadtteilkonferenz gekostet, hat, antwortete Spangardt:

„Für die Durchführung der drei Stadtteilwerkstätten sind im Haushalt 2019 insgesamt 50.000 Euro einkalkuliert worden. Neben dem Auftrag an Weyer-Probiotec sind aus dem Budget für alle Stadtteilwerkstätten weitere Aufwendungen (z.B. Catering, Druckkosten, Hausmeister) zu finanzieren. Das Gesamtprojekt bleibt im vorgesehenen Budgetrahmen.“

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