Lüner Cineworld: In der Corona-Krise schon 250.000 Euro verloren

mlzInterview zum Coronavirus

Seit fast acht Wochen ist die Lüner Cineworld geschlossen. Die Kosten laufen weiter. Nun hoffen die Betreiber auf einen Neuanfang unter Auflagen. Darauf sind die Lüner Kino-Chefs vorbereitet.

Lünen

, 06.05.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Derzeit ist die Lüner Cineworld geschlossen - wie alle Kinos bundesweit. Einnahmen: Fehlanzeige. Doch die Kosten laufen weiter. Genauso wie die Vorbereitungen für einen Neuanfang, auch unter Corona-Auflagen. Wie die Lage aussieht, erzählt Lutz Nennmann, zusammen mit Meinolf Thies Betreiber der Cineworld, im Interview.

Was machen die Mitarbeiter der Cineworld derzeit?

Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit (ein Drittel des ca. 30-köpfigen Teams sind Vollzeitmitarbeiter). Eine himmelschreiende Ungerechtigkeit im System ist, dass studentische Teilzeitkräfte und geringfügig Beschäftigte nicht Kurzarbeitergeld-berechtigt sind. Wir haben uns deshalb entschlossen, freiwillig mit Zahlungen an die betroffenen Mitarbeiter einzuspringen.

Das Kino beschert seit fast acht Wochen keine Einnahmen mehr. Aber die Kosten laufen ja weiter.

Wir haben eine Kostenlast von über 4000 Euro täglich. In wenigen Tagen werden wir auf diese Weise die ersten 250.000 Euro verloren haben. Es wurde eine ganze Menge erreicht, was regelmäßig anfallende Zahlungen an Geschäftspartner wie Vermieter, Lieferanten und Dienstleister angeht. Wir sind dafür sehr dankbar, aber wir reden hier in aller Regel von Stundungen, um derzeit die Liquidität zu schonen, denn wir haben bzgl. der weiteren zeitlichen Abläufe ja keinerlei Planungssicherheit. Durch die Stundungen baut man aber eben auch eine deutlich höhere Kostenlast zu einem späteren Zeitpunkt in 2020 auf. Die Lage ist in unseren drei Betrieben, die Meinolf Thies und ich betreiben, sehr vergleichbar. In Summe sprechen wir jetzt also schon von einer dreiviertel Million, die den Bach runter ist!

Lutz Nennmann (l.) ist, zusammen mit Meinolf Thies Betreiber der Cineworld. Auf dem Archivfoto mit Werbung für James Bond ist er zusammen mit dem Assistent der Geschäftsführung, Max Biela, zu sehen.

Lutz Nennmann (l.) ist, zusammen mit Meinolf Thies Betreiber der Cineworld. Auf dem Archivfoto mit Werbung für James Bond ist er zusammen mit dem Assistent der Geschäftsführung, Max Biela, zu sehen. © Beate Rottgardt

Das ist eine große Summe. Wie schaffen Sie das?

Wir haben das große Glück, dass wir in 2019 nur ganz knapp unser Rekordjahr 2015 in Besuchern und Umsatz verfehlt haben. Daher sind wir mit Rücklagen in dieses Jahr gestartet, die uns nun sehr helfen. Trotzdem: die Reserven schmelzen Tag für Tag und man darf auch nicht vergessen, dass wir „gerade erst“ komplett aus eigenen Mitteln die halbe Million Euro für den Kinosaal „My Private Cineworld“gestemmt haben.

Sie haben ja im Internet darum geworben, dass die Besucher schon mal Gutscheine für die Nach-Corona-Zeit kaufen können. Wie kommt das an?

Gutscheinprodukte können weiterhin online erworben werden (werden dann auch täglich versendet), davon machen Kunden auch Gebrauch, das ist jedoch nur ein sehr kleiner Tropfen auf dem heißen Stein. Wir starten spätestens nächste Woche das Projekt „Sesselpatenschaften“. Die „Sesselpatenschaften“ erlauben es uns in dieser Zeit ohne reguläre Einnahmen Umsatz zu generieren und die Besucher können sich jetzt für die Zeit nach unserer vorübergehenden Schließung überragende Vorteile und Rabatte sichern!

Wird es nach einer Wiederöffnung der Kinos ein gutes Film-Angebot der Verleiher geben?

Fast alle potentiellen Blockbuster sind von 2020 nach 2021 verschoben worden. Zudem stehen weltweit auch die Dreharbeiten für die neuen Filme still. Und für den Start großer internationaler Filme ist eben auch sehr wichtig, dass die weltweite Situation der Kinos wieder in die Spur kommt, denn für die Studios sind natürlich große Märke wie China und USA extrem wichtig. Insofern beobachten wir auch sehr genau, wie die Lage sich dort entwickelt. Aber sobald wir wieder aufmachen können, werden wir unsere Gäste von Tag 1 an vollumfänglich entertainen mit viel Programm!

Gibt es Hilfen von Bund und Ländern?

Ja, es gibt Hilfen von Bund und Ländern, wobei das je nach Bundesland sehr unterschiedlich ist. Unter dem Strich wird für die Kinobranche zu wenig getan und es werden verschiedene Kollegen mit ihren Kinobetrieben durchs Raster fallen, was Insolvenzen bedeuten wird. Das liegt auch an einer haarsträubenden Klassifizierung der Politik, welchen Kinos mit Sondertöpfen geholfen wird und welchen nicht. Beispiele: Wenn Kinos in den Vorjahren Programmprämien kassiert haben für ein anspruchsvollen Filmprogramm, dann gibt es für diese Kinos in einigen Bundesländern gesonderte zusätzliche Mittel! Oder: bestimmte Hilfen sind abhängig von der Anzahl der Leinwände des Objektes.

Planen Sie schon für eine Wiedereröffnung - auch mit Auflagen?

Wir erwarten gebannt Neuigkeiten zum weiteren Verlauf seitens der Regierung. Klar ist für uns: Wir, also Kino, sind eine Freizeiteinrichtung, die sehr viel besser als viele andere Corona-Sicherheitsvorschriften einhalten kann, denn wir haben schon allein durch das zu 100% steuerbare Ticketing die volle Kontrolle darüber, wie viele Leute parallel in unserem Haus verweilen und welche Sessel in den Verkauf gehen und welche nicht, um Mindestabstände einzuhalten. Dazu kommt ein sehr weitläufiges Foyer. Von allen anderen Bestimmungen wie Hygiene etc. einmal ganz abgesehen, da sind wir bereits voll aufgestellt, alles ist schon organisiert und bereits da. So kann bei uns ja auch bargeldlos gezahlt und die Tickets können online und kontaktlos erworben werden. Auch eine völlig kontaktlose Ticketkontrolle ist bereits vorgesehen. Wir denken, dass es bereits heute weitaus sicherer wäre, bei uns ins Kino zu gehen, als sich in einem Supermarkt mit anderen vor einem Klopapierregal zu drängeln.

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