Lüner Ehepaar Köth bewahrt auch mit 87 und 90 Jahren trotz des Coronavirus Lebensfreude

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Sie gehören zur sogenannten Risikogruppe und halten sich an die Kontaktsperre wegen des Coronvirus. Trotzdem sind Eleonore Köth-Feige und ihr Mann guten Mutes und machen das Beste draus.

Lünen

, 29.03.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer Eleonore Köth-Feige kennt, weiß - diese Frau ist agil und engagiert. Auch noch mit 87 Jahren und in einer bewegten Zeit. Wegen des Kontaktverbots sind die frühere Vorsitzende des Seniorenbeirats und ihr Mann Hans Köth (90) seit Mitte März in selbst auferlegter Quarantäne. Weil die Beiden zur Risikogruppe gehören.

Eigentlich besucht Hans Köth sonst an einigen Tagen in der Woche die Tagespflege am Waldemar-Elsoffer-Weg. Die ist nun - wie alle Tagespflegen bis auf eine für Notfälle - geschlossen. Langweilig wird es dem 90-Jährigen aber dennoch nicht.

Seine Frau liest ihm jeden Morgen zum Frühstück die Zeitung vor. „Dafür frühstücke ich immer vor ihm, damit ich ihm zu seinem Frühstück vorlesen kann“, sagt die 87-Jährige. Ihr Mann kann nur noch schlecht sehen, aber er will auch wissen, was los ist - in der Welt und in Lünen. „Wir diskutieren dann die Artikel, waren ja beide früher im Rat“, so Eleonore Köth-Feige. Politik spielte immer schon in der Familie eine große Rolle.

Maßnahmen zum Coronavirus „sinnvoll“

Die Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung zur Eindämmung der Infektionen mit dem Coronavirus halten die beiden Senioren „für sinnvoll und vernünftig“. Auch dass viele Gruppen, aber auch junge Leute sich engagieren und ihre Hilfe anbieten, findet Eleonore Köth-Feige richtig gut. Sie selbst und ihr Mann werden von ihren Kindern unterstützt. Und deshalb müssen sie auch gar nicht raus. „Frische Luft bekomme ich auf unserer Terrasse.“

Die zwei Wochen in der selbst gewählten Quarantäne seien „ruckzuck vergangen“.

Ganz allein ist das Ehepaar aber nicht. Täglich kommen Mitarbeiter des Pflegedienstes und auch die Haushaltshilfe ist an einigen Tagen die Woche dort. „Mit Schutzkleidung“, sagt Eleonore Köth-Feige. Am Donnerstag (26.3.) hat sie die Haushaltshilfe zum Einkaufen geschickt. Ansonsten kaufen auch ihre Tochter und Hans Köths Sohn für das Paar ein. „Ich hab ein tolles Rezept mit Rhabarber und deshalb den Sohn meines Mannes losgeschickt, er soll mal schauen, ob er schon Rhabarber für uns bekommt.“ Auch der Schornsteinfeger hat - mit gebührendem Abstand - seine notwendigen Kontrollen durchgeführt. Und eine Bekannte lieferte eine leckere Torte vor die Tür, als kleine Überraschung.

„Das Telefon ist unsere Kontaktbörse nach draußen“

In diesen Tagen ist das Telefon besonders wichtig für das Ehepaar Köth. „Das ist unsere Kontaktbörse nach draußen. Erst vor ein paar Tagen rief ein Bekannter an und meinte, er wäre gerade in der Nähe, wir sollten doch mal ans Fenster kommen.“ Das taten die Beiden und so ergab sich ein Plausch von Fenster zu Bürgersteig.

Vor zwei Jahren bekam Eleonore Köth-Feige ein Smartphone zum Geburtstag, auf das sie nicht mehr verzichten möchte. „Erst heute morgen hat mir meine Tochter wieder ein Foto geschickt.“ Inzwischen hat die 87-Jährige eine ganze Fotogalerie mit Bildern von Kindern und Enkeln auf ihrem Smartphone.

Das jüngste Familienmitglied haben Eleonore Köth-Feige und Hans Köth aber zum Glück auch schon real kennen gelernt. „Unser jüngster Urenkel kam am 4. März zur Welt und die Eltern sind mit ihm noch schnell zu uns zu Besuch gekommen. Da haben wir auch einige Fotos mit dem Kleinen gemacht.“

Vor einiger Zeit wurde Hans Köth für 60 Jahre in der Gilde des Schützenvereins Brambauer geehrt. Darüber freute sich auch Ehefrau Eleonore Köth-Feige.

Vor einiger Zeit wurde Hans Köth für 60 Jahre in der Gilde des Schützenvereins Brambauer geehrt. Darüber freute sich auch Ehefrau Eleonore Köth-Feige. © Foto: Michael Blandowski (A)

Eigentlich planen Kinder und Enkel auch, zu Ostern das Seniorenpaar zu besuchen. „Aber wir werden wohl absagen, das ist noch zu früh“,meint die 87-Jährige. Als Kinder haben sie und ihr Mann nach dem Zweiten Weltkrieg das Hamstern mitbekommen. Dass sie es nun noch einmal erleben, hätten Beide nicht gedacht. Nachvollziehen können sie es auch nicht.

„Aber ich finde es gut, dass sich viele jüngere Menschen Gedanken darüber machen, wie sie Älteren helfen können“, sagt Eleonore Köth-Feige und freut sich am blühenden Kirschbaum im Garten, den sie von ihrer Terrasse aus beobachten kann.

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