Lüner Grüne und Senioren: Empört über Boris Palmers Corona-Aussagen

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Warum mit Maßnahmen Menschen schützen, die doch ohnehin bald sterben werden? Diese Frage stellte der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer und löste damit Empörung aus. Auch in Lünen.

Lünen

, 06.05.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Stinksauer“ reagierte Vera Kestermann-Kuschke, als sie von den Aussagen des Grünen-Politikers Boris Palmer erfuhr. Der Tübinger Oberbürgermeister, der sich schon öfter aufs politische Glatteis gewagt hat, hatte öffentlich in Zweifel gezogen, ob es sich lohne, das Leben alter Menschen zu retten, die ohnehin bald sterben würden.

„Ich bin empört“, sagte die Vorsitzende des Lüner Seniorenbeirats über die Aussagen des 47-jährigen Palmer. Diese Aussagen hat Palmer kurz danach in einer Talkshow des ZDF mit Markus Lanz noch einmal bestätigt. „Wenn ich meiner Mutter, die mit 95 Jahren gestorben ist, gesagt hätte, du stirbst ja sowieso bald, die hätte mir eine Stinkbombe ins Auto geworfen und das mit Recht“, so Vera Kestermann-Kuschke.

Sie sei mehr als verärgert über Palmers Meinung, man solle überlegen, ob die ganzen Corona-Vorsichtsmaßnahmen und der Lockdown notwendig seien, weil man damit ja ohnehin nur Menschen schütze, die ohnehin aufgrund ihres Alters bald sterben würden. Das erinnere doch sehr an die Euthanasie im Dritten Reich.

Grünen-Sprecherinnen distanzieren sich von Palmer

Die Empörung über die Aussagen Palmers teilt auch das Parteisprecherinnen-Team von Bündnis 90/Die Grünen aus Lünen. Erika Roß und Ute Brettner sagen dazu auf Anfrage: „Die Äußerungen von Boris Palmer über ältere Corona-Patienten und Patientinnen haben uns empört und wir möchten uns davon in jeglicher Weise distanzieren.“

Parteisprecherin Erika Roß von den Lüner Grünen distanziert sich von Palmers Aussagen.

Parteisprecherin Erika Roß von den Lüner Grünen distanziert sich von Palmers Aussagen. © Foto: Grüne

Wieder einmal stelle sich Palmer aus Sicht der beiden Lüner Grünen-Politikerinnen „gegen die Werte grüner Politik.“

Die Entscheidung des Grünen-Bundesvorstandes, ihm für eine erneute Kandidatur als Oberbürgermeister in Tübingen oder in anderen politischen Tätigkeiten die Unterstützung zu entziehen, halten Roß und Brettner für folgerichtig.

Schon vor einem Jahr Ärger über Äußerungen zu Bahn-Werbung

„Bereits seine Kommentare zu der Werbekampangne der DB, für die er nur

halbherzige Worte der Entschuldigung fand, waren eine Grenzüberschreitung,

die nicht ohne Folgen hätten bleiben dürfen“, meinen die Lüner Politikerinnen. Vor einem Jahr hatte Palmer Unverständnis geäußert, welche Gesellschaft die Bahn abbilden wolle. Geworben hatte die Bahn mit Menschen unterschiedlicher Hautfarbe. Ausgerechnet von Seiten der AfD hatte Palmer damals Zuspruch bekommen.

Grünen-Parteisprecherin Ute Brettner: Palmer sollte überlegen, ob seine politische Heimat wirklich bei den Grünen Wurzeln hat.

Grünen-Parteisprecherin Ute Brettner: Palmer sollte überlegen, ob seine politische Heimat wirklich bei den Grünen Wurzeln hat. © Foto: Grüne Lünen

Roß und Brettner sagen: „Auch wenn sich Palmer gerne als unbequemer grüner Rebell versteht und sein Mitteilungsbedürfnis immens zu sein scheint, so sollte er doch langsam einmal überdenken, ob sich seine Werte noch mit denen der Grünen in Einklang bringen lassen und ob seine politische Heimat tatsächlich bei uns Wurzeln hat.“

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