Lüner Künstler zieht seine Schenkung zurück

Stadt findet keine Räume

Es sollte ein Geschenk für die Lüner Bürger sein. 2600 Zeichnungen, sein künstlerisches Lebenswerk, wollte der Grafiker Hermann Nüdling der Stadt vermachen, in der er 45 Jahre lebte. Jetzt zog er die Schenkungsabsicht zurück.

Lünen

, 25.08.2015, 11:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lüner Künstler zieht seine Schenkung zurück

Die Zeichnungen stammen aus dem Zyklus „Spaziergänge mit Pablo” von Hermann Nüdling. Die Zeichnungen stammen aus dem Zyklus „Spaziergänge mit Pablo” von Hermann Nüdling.

Sie habe ihm bisher keine geeigneten Räume angeboten, in denen sein künstlerisches Erbe fachmännisch aufbewahrt, gepflegt und kuratorisch betreut werden könne.

Dabei gibt es einen Auftrag des Rates seit Oktober 2014, entsprechende Vorbereitungen für die Schenkung zu treffen. Den sieht der 83-Jährige nicht erfüllt. Im Gegenteil: Er habe sich bei den Vertragsverhandlungen so gefühlt, als wolle man jemandem Blumen schenken und müsse Vase samt Wasser selbst mitbringen.

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Werke von Hermann Nübling

Der Künstler Hermann Nüdling möchte der Stadt Lünen 2600 Werke hinterlassen. Bisher wurden jedoch keine geeigneten Räume gefunden. Jetzt will Nübling seine Schenkung zurückziehen.
25.08.2015
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Die Zeichnungen stammen aus dem Zyklus „Spaziergänge mit Pablo” von Hermann Nüdling. Die Zeichnungen stammen aus dem Zyklus „Spaziergänge mit Pablo” von Hermann Nüdling.© Zeichnung: Hermann Nübling
Die Zeichnungen stammen aus dem Zyklus „Spaziergänge mit Pablo” von Hermann Nüdling. Die Zeichnungen stammen aus dem Zyklus „Spaziergänge mit Pablo” von Hermann Nüdling.© Zeichnung: Hermann Nübling
Zeichnung von Hermann Nüdling 1954 in der Lippeaue bei Schloss Buddenburg. Dort war einst die Werkkunstschule Dortmund beheimatet, an der Nüdling von 1949 bis 1954 Grafik studierte.© Zeichnung: Hermann Nübling
Die Zeichnungen stammen aus dem Zyklus „Spaziergänge mit Pablo” von Hermann Nüdling. Die Zeichnungen stammen aus dem Zyklus „Spaziergänge mit Pablo” von Hermann Nüdling.© Zeichnung: Hermann Nübling
Gedanken zum Jahreswechsel aus Sicht des ehemaligen Stadtgrafikers Hermann Nüdling.© Zeichnung: Hermann Nübling
Vergangenheit, Gegenwart und..., 1998 hat der Zeichner Hermann Nüdling dieses Werk genannt, das er als besonders spannungsvoll bezeichnet. Die schwangere Frau blickt in die ungewisse Zukunft, die alte Frau hat schon resigniert und wendet sich dem Jenseits zu.© Zeichnung: Hermann Nübling
"Weihnachten war gestern" heißt diese Zeichnung, in der Maria den betrachter direkt anblickt. Hinter ihr sind die von Herodes ermordeten Kider zu sehen.© Zeichnung: Hermann Nübling
Die "Tanzenden Kinder" von Nübling an der Bußmann-Schule.© Foto: Hirsch
Ein Selbstbildnis Nüdlings auf Krücken.© Zeichnung: Hermann Nübling
Der Grafiker, Zeichner und Autor Hermann Nüdling.© Foto: Jürgen Korn
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Erster Beigeordneter Horst Müller-Baß sieht das anders: „Wir sind dran“, sagt er zu dem Raumproblem. Allerdings gebe es unterschiedliche Vorstellungen: „Ein ganz normaler Vorgang, da muss man zusammenfinden.“ Er will das Thema im Kulturausschuss am 2. September ansprechen, weil ein möglicher Raum mit Kosten verbunden sei. Er habe Nüdling angeschrieben und sein Bedauern über den Rückzug zum Ausdruck gebracht. 

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Nüdling spricht von „großer Enttäuschung“. Dabei habe er nur den elementaren Wunsch gehabt, den Bürgern etwas zu schenken. Wie schon 1997, als er ihnen 110 Tuschezeichnungen vermachte, die nun der Stiftung für Kunst und Kultur der Sparkasse Lünen gehören. Das Gesamtwerk sollte zusammengeführt werden. Jetzt sind Stadt und Nüdling offenbar weit auseinander.

Suche ist schwierig

Die angebotenen Räume für die Kunst seien unbrauchbar gewesen. Darin ist sich Nüdling mit den von ihm beauftragten, ehrenamtlichen Kuratoren Jürgen Korn und Karl Marek einig. Zunächst sollte im Rathauskeller ein Platz ausfindig gemacht werden.

Das war nicht möglich. Dann gerieten zwei kleinere Räume bei den Stadtwerken in den Fokus. Sie wurden abgesagt. „Die werden vom Kinofest gebraucht. Das muss ich akzeptieren“, sagt Horst Müller-Baß.

Kellerräume bei den Stadtwerken kamen nicht infrage, weil sie von Rohren durchzogen sind. Ein Lagerraum im Stadthafen war nicht ausgebaut. Auch ein Abstellraum im Hansesaal scheiterte. Lange Zeit sei nichts mehr passiert, so Nüdling. Die Suche hatte bereits vor dem Ratsbeschluss begonnen und geht schon zwei Jahre.

Die Stadt sei nicht in der Lage, eine „museal-technische Lagerung im Hinblick auf Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lichteinfall“ zu gewährleisten, sagt Müller-Baß.

Hohe Anforderungen

Es sei von Anforderungen wie Feuerschutztüren, Zugang für Kuratoren und Toilettenbenutzung die Rede gewesen. Die Stadt wolle einen Grafik-Stahlschrank für das künstlerische Erbe anschaffen. „Die Sammlung braucht eine dauerhafte Heimat. Man kann sie nicht einfach unter den Arm klemmen“, sagt Hermann Nüdling. Die Kuratoren finden die Entwicklung „schade“. Auf sieben Seiten haben sie die Chronologie der Gespräche mit der Stadt dokumentiert. Die Schenkung sei ein „kulturgeschichtlicher Vorgang von hoher Bedeutung“, sagt Marek. „Sie hätte die Tür geöffnet für alle Grafik-Schätze der Stadt. „Viele wissen gar nicht, was wir haben“, so Korn. 

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