Lüner Lehrerin erklärt, warum Video-Unterricht in Corona-Zeit wichtig ist

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Die Corona-Krise stellt Lehrer, Schüler und Eltern vor Herausforderungen. Durch das Homeschooling gerät der digitale Unterricht stärker in den Fokus. Eine Pädagogin aus Lünen ist Expertin.

Lünen

, 30.04.2020, 13:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Maren Flottau (48) ist Lehrerin der Matthias-Claudius-Schule und Trainerin für digitale Transformation der Bezirksregierung Arnsberg. Leonie Schulte hat mit ihr gesprochen.

Frau Flottau, wie bleiben Sie in dieser Corona-Zeit mit Ihren Schülern in Kontakt?

Wir haben verschiedene Wege. Der Hauptweg ist unsere Videokonferenz zweimal die Woche. Am Anfang haben wir das noch häufiger gemacht, um uns wiederzusehen oder mehr oder weniger gelungen ein Lied zusammen zu singen. Ich wollte einfach ein bisschen Normalität. Mittlerweile besprechen wir auch die Aufgaben. Neulich haben wir online gemeinsam einen Versuch zu Magnetismus gemacht.

Maren Flottau (48) ist Lehrerin der Matthias-Claudius-Schule und Trainerin für digitale Transformation der Bezirksregierung Arnsberg.

Maren Flottau (48) ist Lehrerin der Matthias-Claudius-Schule und Trainerin für digitale Transformation der Bezirksregierung Arnsberg. © Privat

Sind das alles Dinge, die Sie schon vor der Corona-Zeit genutzt haben?

Nein, Videokonferenzen zum Beispiel habe ich vorher noch gar nicht genutzt. Da musste auch ich mich erst einmal reinfuchsen. Die erste Woche der Schulschließung habe ich viel mit Selbstfortbildung verbracht.

Und wie ist jetzt Ihre Erfahrung?

Ich habe mich für ein Tool entschieden, das niederschwellig ist, das jeder benutzen kann, der ein Smartphone hat und für das es keine Registrierung braucht. Außerdem ist es nur ein Angebot meinerseits und absolut nicht verpflichtend. Trotzdem wird es sehr gut angenommen. Meistens sind um die 18 der 28 Kinder dabei. Aber auch wir mussten uns erst einmal hineinfinden. Wie schalte ich mich stumm? Wie kann ich mich melden? Das müssen die Kinder wissen, sonst wird es chaotisch.

Was ist der große Benefit dieser digitalen Möglichkeiten?

Über diese Videokonferenzen etwa ist es einfach schön, in Kontakt zu bleiben. Sich zu sehen und einfach mal zusammen Blödsinn zu machen, so wie man das ja im normalen Unterricht auch mal machen würde. Außerdem kann ich Fragen der Schüler beantworten und bekomme ein Gefühl dafür, wie weit sie gerade mit dem Stoff sind.

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Es profitieren also beide Seiten?

Ja, auf jeden Fall. Über die digitalen Kanäle kann ich viel besser an die Arbeitsergebnisse der Schüler kommen. Ich möchte ja nicht, dass sie das Gefühl haben, für die Ablage zu arbeiten. Dabei geht es mir gar nicht so sehr um Kontrolle, die Kinder sollen aber spüren, dass ich mich für sie und für ihre Arbeitsergebnisse interessiere. In so einer langen Zeit brauchen die einfach eine Begleitung.

Was würden Sie den Lehrern gerne mit auf den Weg geben, die vielleicht eine Scheu vor dem Digitalen haben?

Ich glaube, am besten geht es, wenn man Begeisterung weckt - ohne das Analoge dadurch abzuwerten. Das Digitale hat in dieser Zeit vielleicht einen Mehrwert, es hat vor allem aber auch einfach einen Neuwert.

Was gibt es für digitale Möglichkeiten, wenn man sich in Videokonferenzen nicht so wohl fühlt?

Also wir haben bei uns im Kollegium viel mit Padlet gearbeitet. Das ist eine Art digitale Pinnwand. Darüber kann man den Kindern Aufgaben und Links zur Verfügung stellen. Man kann Aufgabenblätter hochladen, aber auch Erklärvideos zum Beispiel. Und Schüler können ihre Ergebnisse hochladen, natürlich anonym. Am Anfang habe ich den Kindern auch jeden Tag aus dem Räuber Hotzenplotz vorgelesen und die Audio-Datei zur Verfügung gestellt. Auch die Stimme zu hören zeigt den Kindern ja: Da denkt jemand an uns.

Die Kritik am Digitalen ist oft, dass es nicht für jeden Schüler zugänglich ist.

Wir haben versucht, die digitalen Aufgaben so zu stellen, dass man zur Not mit einem Smartphone auskommt. Wenn die Kinder etwas fotografieren und auf ein Padlet hochladen sollen, geht das auch ohne Umwege über einen Laptop. Und man muss auch nur auf den Link klicken und hat die Arbeitsblätter. Die müssen nicht ausgedruckt werden, die Kinder können die Lösungen ja auch ins Heft schreiben. Es ist so vielfältig und bietet dadurch ganz viele kreative Möglichkeiten. Auch im normalen Schulalltag wollen wir ja nicht nur Arbeitsblätter austeilen, sondern auch kreative Aufgaben einbringen — und da helfen eben die digitalen Arbeitsweisen.

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