Lüner Managerin für Nachhaltigkeit kommt mit Lastenfahrrad ins Rathaus

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Seit April hat die Stadt Lünen eine Nachhaltigkeitsmanagerin. Sie soll das Thema in der Verwaltung voranbringen. Sie selbst geht mit gutem Beispiel voran und kommt per Lastenrad zur Arbeit.

Lünen, Bork

, 21.09.2020, 11:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im vergangenen Jahr beschloss der Rat der Stadt Lünen, dass ein Nachhaltigkeitsmanager eingesetzt werden soll. Im April wurde die Stelle mit der 31-jährigen Anja Paechnatz besetzt. Die geht beim Thema Nachhaltigkeit mit gutem Beispiel voran.

Jeden Tag 20 Kilometer mit dem Rad

Paechnatz wohnt in Selm-Bork und fährt fast täglich die zehn Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz im Lüner Rathaus mit dem Lastenrad. Darin bringt sie auch ihr Kind in die Kita.

Anja Paechnatz studierte Raumplanung an der TU Dortmund, den Fokus legte sie auf Natur- und Klimaschutz. In den letzten fünf Jahren war sie als Klimaschutzmanagerin in Schwerte tätig.

Nun besetzt sie die neu geschaffene Stelle als Nachhaltigkeitsmanagerin in der Lippestadt. „Meine Aufgabe ist die Umsetzung der Agenda 2030 hier in Lünen“, so Paechnatz.

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Die Vereinten Nationen legen darin 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung fest, wie die weltweite Beendigung der Armut oder die Sicherstellung von nachhaltigem Konsum.

Im Jahr 2017 hat der Rat der Stadt Lünen festgelegt: „Die Stadt Lünen wird ihre Möglichkeiten nutzen, sich für nachhaltige Entwicklung konkret zu engagieren und eigene Maßnahmen nach innen und außen sichtbarer zu machen.“

Bei der Beschaffung gibt es Nachholbedarf

Anja Paechnatz erklärt, dass dafür nun ein Konzept entwickelt wird: „Wir legen sechs Handlungsfelder fest. Dann schauen wir, wo wir hin wollen und wie wir es machen.“

Die Nachhaltigkeitsmanagerin rechnet damit, dass Mitte kommenden Jahres eine fertige Strategie präsentiert werden kann. Was sie bereits feststellen konnte: „Ein Vorzeige-Thema der Stadt ist der Bereich Soziales, insbesondere der Übergang von der Schule in den Beruf.“

Das Thema Beschaffung sei dagegen noch ausbaufähig. „Da ist es auch durch die Vorgaben nicht immer einfach“, gibt Paechnatz zu. Dennoch: „Das wird ein Thema sein, das wir ganz intensiv angehen.“

Womit Lünen aber bereits werben kann: Die politischen Gremien trinken fair gehandelten Kaffee.

Auch Bürger sollen sich beteiligen

Jedoch soll nicht nur die Verwaltung nachhaltiger handeln, sondern die gesamte Stadt. „Das funktioniert nur, wenn die Bevölkerung auch ihren Beitrag leistet“, merkt Anja Paechnatz an.

Sie sieht sich als Schnittstelle zwischen Bürgern und Verwaltung – auch, um neue Ideen zu entwickeln. Mit einer Postkartenaktion unter dem Motto „Fair statt mehr“ möchte Paechnatz in Dialog mit den Lünern treten.

Die ausgefüllten Karten werden an die Nachhaltigkeitsmanagerin geschickt, die so erfährt, welches Thema die Bürger gerade besonders bewegt.

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Paechnatz glaubt, dass auch die Corona-Krise nachhaltiges Handeln gefördert hat: Durch die Restriktionen finde schon ein Umdenken statt. „Es fragen sich viele: Ist es wichtig, dass ich fünf mal im Jahr eine Fernreise mache oder ist es wichtig, dass ich meine Familie gesund bei mir habe?“

Auch bei der Mobilität habe es ein Umdenken gegeben: „Ich habe von Fahrradhändlern gehört, die kein einziges Fahrrad mehr in ihrem Geschäft hatten, weil alles leergekauft wurde“, so Paechnatz.

Stadt will Vorbild sein

Thomas Berger, Leiter der Abteilung Stadtplanung, hält zusätzlich die Vorbildfunktion der Verwaltung für sehr wichtig: „Es geht für uns darum, einen Impuls zu setzen.“ Die Bürger sollen sich bewusst werden, welche Auswirkungen das individuelle Verhalten hat und was eine Verhaltensänderung bewirken kann. „Alles andere passiert dann relativ schnell“, ist Berger überzeugt.

Als Beispiel nennt er die Diskussionen um Plastik. Ab 2021 sind Einwegprodukte aus Kunststoff in der EU verboten.

Ressourcenschonendes Leben ist für Anja Paechnatz ein wesentlicher Punkt der Nachhaltigkeit. Das stelle sicher, „dass kommende Generationen hier auch noch gut leben können.“ Dafür fährt sie auch in Zukunft jeden Tag 20 Kilometer von Bork nach Lünen – und zurück.

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