Reinhold Bauhus befürchtet, dass die Nachricht des Lockdown zu spät kam. © RN
Neuer harter Lockdown

Lüner Schulen zum Lockdown: „Das wird ab Montag natürlich Chaos geben“

In einer Pressekonferenz kündigt NRWs Ministerpräsident Armin Laschet an, den Präsenzunterricht für Schulen ab der 8. Klasse aufzuheben. Die Lüner Schulen sind verärgert und ratlos.

Kein Präsenzunterricht ab der achten Klasse – in den unteren Stufen die freie Wahl, diese neuen Regelungen stellt Ministerpräsidenten Armin Laschet am Freitagvormittag, 11. Dezember, in einer Pressekonferenz vor. Er spricht sich für den harten Lockdown schon ab Montag aus. Bei den Lüner Schulen sorgt diese kurzfristige Entscheidung an einem Freitag für Verärgerung und Ratlosigkeit.

Wilhelm Böhm, stellvertretener Schulleiter des Freiherr-vom-Stein Gymnasiums, stellt eine solche Entscheidung am Ende der Woche vor Probleme: „Wir haben ja Freitag.“ Da könne man mitunter viele nicht mehr erreichen, um zu planen. Die Schule fühle sich dennoch vorbereitet: „Wir haben natürlich verschiedene Sachen angedacht.“ Die Tatsache, dass nicht alle Schüler technische Geräte haben, werde den Lockdown jedoch schwierig machen: „Das stellt uns vor große Probleme.“

Reiner Hohl, Leiter des Altlüner Gymnasiums, wird an seiner Schule im Distanzunterricht nicht immer Videounterricht machen „Man kann das gar nicht permanent machen, sechs, acht Stunden auf einen Bildschirm starren.“ Die Schule habe durch diverse Quarantänen der letzten Wochen dennoch Erfahrungen mit Distanzunterricht gesammelt. Es sei allerdings nicht hilfreich, dass solch eine Meldung erst am Freitag komme, da man nun am Wochenende kurzfristig alles planen muss.

Schulen kritisieren kurzfristige Entscheidung

An der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule befürchtet Schulleiter Reinhold Bauhus, nicht alle Schüler angemessen beschulen zu können: „Wir haben hier die Problematik, dass 20 bis 25 Prozent der Schüler keine digitalen Geräte haben.“ Vieles ist unklar: „Wenn die Stufen fünf bis sieben in Präsenz unterrichtet werden sollen, welche Lehrer kommen?“

Die Käthe-Kollwitz-Gesamtschule war bereits mit einem Hybrid-Modell aus Distanz und Präsenzunterricht gestartet, dass dann vom NRW-Schulministerium und der Bezirksregierung Arnsberg untersagt wurde. Schulleiter Bauhus ist immer noch von seinem Konzept überzeugt: „Unser Modell war eigentlich ideal.“ Ihn ärgert auch die Kommunikation des Landes NRW: „Das Postulat des Präsenzunterrichts bis zuletzt hochzuhalten und dann auf die Schnelle so was zu verkünden? Dass wird ab Montag Chaos geben.“

Etwas entspannter blickt Schulleiterin Claudia Fellowes von der Realschule Altlünen auf die neuen Meldungen: „Ich warte erst mal ganz entspannt ab.“ Sie versetzt die Ankündigung des Präsenzunterrichts nicht in Panik: „Wir haben das alles geübt und erprobt. Ich hätte gute Chancen, den Großteil meiner Schüler zu unterrichten.“ Die Schule führt in einigen klassenübergreifenden Kursen bereits seit Wochen digitalen Unterricht durch. Fast alle Schüler hätten ein Handy, mit dem man am Videounterricht teilnehmen könne.

Videoplattform fehlt

„Natürlich sind wir gut vorbereitet“, erklärt Rita Vonnahme vom Lippe Berufskolleg. An einem pädagogischen Tag habe die Schule bereits den digitalen Betrieb erprobt. Doch auch hier gibt es Probleme mit der Technik: „Das Problem mit den fehlenden Endgeräten bleibt.“ Sie befürchtet, dass die Beschulung durch einen solchen Lockdown vor allem den finanziell benachteiligten Schülern schadet, die keine iPads und Laptops zu Hause haben: „Das ist keine Gerechtigkeit, wenn nur die teilnehmen können, deren Eltern sich das leisten können.“ Wenn sie die Wahl gehabt hätte, dann wäre sie am Berufkolleg am liebsten beim Präsenzunterricht geblieben. Relevante Klausuren und Prüfungen werden laut der Schulmail des Ministeriums auch im Lockdown durchgeführt.

Nach Ministerpräsident Laschets Aussage solle der Präsenzunterricht in den Grundschulen freiwillig sein. Grundschulkinder, die zuhause bleiben wollen, sollen dem Unterricht im Klassenraum zugeschaltet werden. Für die Grundschulen ein Problem, wie Matthias Flechtner, Schulleiter der Leoschule erklärt: „Wir haben vom Land noch keine Videoplattform bekommen. Die offizielle Plattform des Landes Logineo hat so was nicht.“ Wer Kinder über Zoom oder andere Videoprogramme zuschalte, müsste dann gegen die Datenschutzverordnungen verstoßen.

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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