Lüner Stadtschulpflegschaft: „Belange der Eltern werden kaum gehört“

mlzDigitalisierung an Schulen

Es geht voran, aber nicht so, wie es sich Robert Goelzner, Sprecher der Stadtschulpflegschaft Lünen, wünscht. „Die Belange der Eltern werden kaum gehört“, kritisiert er.

Lünen

, 05.11.2020, 10:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist nicht lange her, dass sich Robert Goelzner als Vater wünschte, dass die Digitalisierung an Lüner Schulen schneller voranschreiten möge. Sein 14-jähriger Sohn war, ganz nach Vorgabe der Schule, mit einer leichten Erkältung zum Arzt gegangen. Der hatte ihn, um die anderen Schüler zu schützen, für anderthalb Wochen krank geschrieben. Es sei aufwändig gewesen, an den Schulstoff zu kommen, ärgert sich Goelzner. Gerade in diesen Zeiten wäre es wünschenswert, wenn es dafür digitale Wege gäbe. Vielleicht eine Art Update am Ende jeder Woche, denn im Herbst blieben immer wieder Schüler erkältungsbedingt der Schule fern, und wegen Corona dann besonders lange.

Als Mitglied und Sprecher der Lüner Stadtschulpflegschaft (SSPL) hat Robert Goelzner Einblick in die Entwicklungen. Ein bisschen habe sich zwar in den vergangenen Wochen getan in Sachen Digitalisierung an Schulen. Digitale Endgeräte für alle Lehrer und für bis zu 15 Prozent der Schüler sind bereit. Es soll auch zwei neue IT-Experten geben, die sich um die Ausstattung und Wartung dieser Geräte kümmern. Goelzner ist trotzdem unzufrieden: „Wir sehen einen kleinen Fortschritt in Sachen Digitalisierung an Schulen, aber der ist viel zu schleichend“, sagt er. „Wenn es einen Lockdown geben sollte, dann wird das in die Hose gehen, denn effektiv gibt es keinen echten Fortschritt im Vergleich zum März.“ Einzelne Puzzleteile funktionieren, räumt der Vertreter der Lüner Elternschaft ein, „aber das Gesamtbild eben nicht“.

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Anträge im Ausschuss gescheitert

Zuletzt war die SSPL mit zwei Eilanträgen im Auschuss für Bildung und Sport gescheitert. In dem einen ging es darum, das digitale Lernmanagementsystem Logineo, das das Land NRW öffentlichen Schulern kostenlos zur Verfügung stellt, gegen den kostenpflichtigen Schulserver IServe auszutauschen. „IServe hat im Gegensatz zu Logineo eine Videofunktion und der Datenschutz ist um einiges besser“, erklärt Goelzner. „Insgesamt ist es einfach benutzerfreundlicher und zeitgemäßer.“ Nach seinen Berechnungen benötigt man für den Wechsel etwa 13 Euro pro Schüler, also insgesamt etwa 70.000 Euro. Allerdings hätten einige Schulen IServe aus Geldern des Schuletat angeschafft. Diese Gelder könnten verrechnet werden. „Wir sind sehr enttäuscht von den Parteien, die gegen diesen Antrag gestimmt haben“, sagt Goelzner. „Als Bürger verstehe ich, dass auf das Geld geschaut werden muss, aber als Vater nicht. Wenn es zum nächsten Distanzunterricht kommen sollte, kann man mit Logineo nicht in der Form arbeiten, wie es nötig wäre.“

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Mehr IT-Stellen nötig

Auch für eine Aufstockung der IT-Stellen bei der Stadt Lünen hatte die SSPL einen Antrag eingereicht. Zwar hatte die Stadt zwei IT-Experten, zusätzlich zu den beiden, die bereits tätig sind, eingestellt. Aber das reiche nicht, so Goelzner. „Wenn die Hardware da ist, brauchen wir auch die Leute, sie einzurichten und zu warten. Im Idealfall brauche eigentlich jede weiterführende Schule einen ITler. Vier ITler hätten die Lage deutlich entspannt, sodass die Endgeräte nicht in irgendwelchen Kellern verstauben müssen.“ Die Antwort sei immer nur: Wir prüfen das.

Dass es die Endgeräte gibt, befürwortet Goelzner. Aber dass nur ein bestimmter Prozentsatz an Schülern ein Endgerät bekommt, sieht er kritisch: „Es ist an den Schulleitern zu entscheiden, wer bedürftig ist.“ Das sei ein großes ethisches Problem.

Medienkompetenz muss besser werden

„Wir drehen uns bei dem Thema immer wieder im Kreis“, sagt Goelzner. Als sich seine beiden Jungs vor vier Jahren für die Käthe-Kollewitz-Gesamtschule entschieden, taten sie das auch deshalb, weil iPad unterstützter Unterricht in Aussicht gestellt wurde. Bisher sei in diese Richtung nichts geschehen. „Hätte man vor Corona schon iPads angeschafft, hätte es diese Probleme gar nicht gegeben.“

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Und noch ein weiterer Punkt bereitet dem vierfachen Vater Bauchschmerzen: Die fehlende Medienkompetenz bei vielen Kindern und Jugendlichen und die Sorge, dass die Kinder mit dem Digitalen aufgrund der Berufstätigkeit der Eltern alleine gelassen werden müssen. Wenn es zum nächsten digitalen Distanzunterricht kommen sollte, würden viele die Gefahren des Internets gar nicht kennen. „Medienkompetenz sollte dringend noch viel mehr in den Unterricht integriert werden“, sagt er.

Und auch wenn der totale Lockdown mit Schulschließungen unwahrscheinlich sei - schon jetzt seien Schüler aufgrund der Hygienemaßnahmen wegen Erkältung oft Wochen zu Hause. Schon dafür lohne es sich, die Digitalisierung weiter voran zu treiben.

Insgesamt fühlt er sich als Elternteil und aus Stadtschulpflegschaft viel zu wenig von der Politik gehört. „Ich wünsche mir für die Zukunft, dass die Schulverwaltung uns ernst nimmt. Die Zusammenarbeit ist schwierig.“

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