Lüner US-Auswanderer: „Amerika hat sich verändert“

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Ein Lüner Auswanderer erlebt die wohl ungewöhnlichste Präsidentschafts-Wahl in den USA mit. Als Wähler, denn Peter Gresch hat die amerikanische Staatsbürgerschaft. Er hofft auf Joe Biden.

Lünen

, 04.11.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Fernseher war aus, an diesem besonderen Dienstagabend im November. Peter Gresch und seine Frau haben sich entschieden, die Nacht der Präsidentschafts-Wahl „bewusst nur via der konkreten Wahlergebnissen der Associated Press (einer renommierten Nachrichtenagentur, Anm. d. Red.)“ zu verfolgen. Gresch sagt am Tag danach: „Wir hatten diese turbulente Dynamik erwartet, und um 22 Uhr seiner Zeit war klar, dass der Wunsch der Demokraten, ein eindeutiges Mandat zu erhalten, nicht zustande kommen würde. Im Gegenteil.“

Amerika nicht mehr als Leitkultur

Aufgrund der unglaublich großen Anzahl an Briefwählern zieht sich die Auszählung der Stimmen viel länger hin, als gedacht.

Greschs Fazit nach dieser Wahlnacht lautet: „Amerika hat sich verändert, und 2016 war nicht ein Ausrutscher sondern stellt eine deutliche gesellschaftliche Veränderung dar.“ Mehr als 30 Jahre lebt er mittlerweile an der Ostküste der USA, hat ein Inneneinrichtungs-Geschäft in Rhode Island.

„Im Grunde müssen wir uns - und auch der Weltgemeinde - eingestehen, dass das Amerika, welches Pluralismus, Weltoffenheit, Primat der Wissenschaft, und globales Leitdenken noch als Kulturerbe sah, an Dynamik zu verlieren beginnt“, sieht Gresch die Lage in seiner Wahlheimat kritisch.

Europa, und damit auch vorneweg Deutschland, müsse jetzt dieses Vakuum mit eigener Vitalität füllen. Diese Wahl - auch wenn sie dann doch noch knapp für Biden ausfallen wird - bezeuge, so Gresch, dass man nicht mehr wie gewohnt auf Amerika als Leitkultur setzen könne.

Trump wollte Briefwahl-Auszählung stoppen

Seine Wahlheimat unter Trump beschreibt der gebürtige Lüner, dessen Mutter und Geschwister in Lünen und der Region leben, mit einem musikalischen Vergleich: „Trumps Amerika heißt für mich, einmal salopp ausgedrückt: Man geht zu den Klängen einer Symphonie schlafen, und wacht mit einer Dorfkapelle wieder auf.“

Zunächst hatte sich Donald Trump als Wahlsieger bezeichnet und Stunden später, als immer mehr Briefwahlstimmen ausgezählt wurden (am späten Nachmittag unserer Zeit waren immer noch neun US-Staaten nicht endgültig ausgezählt), sprach er schon von Wahlbetrug. Zwischenzeitlich hatte der amtierende Präsident dazu aufgerufen, die Auszählung von Briefwahl-Stimmzetteln zu stoppen. Dazu sagt Gresch: „Das kann nur gerichtlich entschieden werden, und sollte der oberste Gerichtshof Trumps autoritäres Gebaren billigen, dann wäre das nur ein weiteres Zeichen, dass die amerikanische Demokratie sich in einer Krise befindet.“

Nun sind Gresch und seine amerikanische Frau gespannt, wie diese Präsidentschaftwahl ausgehen wird. Und sie hoffen weiter darauf, dass am Ende der Demokrat Joe Biden gewinnt und neuer US-Präsident wird.

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