Lünerin hat Zoff mit Reiseportal Ab-in-den-Urlaub.de

Mehrere Fälle

Ab-in-den-Urlaub.de wirbt nicht nur mit Michael Ballack, sondern vor allem mit günstigen Reiseangeboten. 100 Euro wollte der Konzern für jeden Kunden als Reisegeld auszahlen - für Sandra Keuper aus Lünen offenbar zu schön um wahr zu sein. Sie wartet seit sechs Monaten auf das Geld. Und ist nicht der einzige Fall.

LÜNEN

, 28.01.2016, 18:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Im Urlaub erholte sich Sandra Keuper zwar gut - aber danach folgte jede Menge Stress: Das Portal "Ab in den Urlaub" hat ihr einen Gutschein immer noch nicht ausgezahlt.

Im Urlaub erholte sich Sandra Keuper zwar gut - aber danach folgte jede Menge Stress: Das Portal "Ab in den Urlaub" hat ihr einen Gutschein immer noch nicht ausgezahlt.

Sandra Keuper flog im Juli 2015 mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern für unter 2500 Euro per Pauschalreise nach Mallorca. Gebucht hatte die Lünerin bei dem Online-Portal Ab-in-den-Urlaub.de. Als Bonus bot der Konzern jedem Kunden einen 100-Euro-Gutschein, der nach Ende der Reise innerhalb von 28 Tagen ausgezahlt werden sollte.

Immer wieder vertröstet

„Der Urlaub verlief ohne Probleme“, berichtet Keuper. Auf die Auszahlung des Gutscheins wartet sie allerdings bis heute. Als sie sich telefonisch mit dem Konzern auseinandersetzte, wurde sie immer vertröstet. „Wir hatten technische Probleme“, oder „das Geld kommt bald“, hörte sie als Ausrede. Diverse Male hat Keuper bereits im Call-Center angerufen, alles ohne Erfolg.

Kurios ist auch eine E-Mail nach einem solchen Telefonat. „Am nächsten Tag erhielt ich eine E-Mail, in der ich das Gespräch bewerten sollte“, sagte Keuper. Allerdings sprach sie am Telefon mit einem Mann, in der E-Mail sollte sie das Telefonat mit einer Frau bewerten.

25 Minuten in der Warteschleife

Ihr letzter Anruf liegt erst ein paar Tage zurück. Unsere Redaktion war dabei. Nach über 25 Minuten – ein Anruf kostet 14 Cent pro Minute – meldete sich ein Mitarbeiter. „Das Geld werden sie so schnell wie möglich überwiesen bekommen“, sagte er, „wir haben den Gutschein nicht vergessen“.

Auf eine konkrete Anfrage unserer Redaktion teilte der Konzern mit: „Bei der Auszahlung von Gutscheinen handelt es sich um einen komplexen manuellen Prozess. Selbstverständlich liegt uns die zuverlässige Auszahlung am Herzen. Eine Auszahlung soll auf jeden Fall im Laufe der nächsten Woche erfolgen.“

Verbraucherzentrale sind weitere Fälle bekannt

Das Vorgehen der Unister Travel Betriebsgesellschaft, der Ab-in-den-urlaub.de gehört, ist nicht unbekannt. „Die Beschwerden über nicht eingelöste Gutscheine häufen sich“, erklärte die Verbraucherzentrale NRW auf Anfrage. Auch wenn die meisten Fälle schwer nachvollziehbar seien, da jede Gutscheinaktion unterschiedlich ist.

Einige Fälle hatte im Dezember die Berliner Morgenpost aufbereitet. Bereits im Sommer 2012 hat Die Welt in einem Artikel das Vorgehen des "Abzock-Imperiums Unister" sehr ausführlich aufbereitet. Der harte Vorwurf: Die Firma zocke Tausende Deutsche mit skrupellosen Methoden ab.   

User tauschen sich bei Facebook aus

Bei Facebook gibt es mittlerweile mehrere Gruppe, in denen sich Betroffene über diese "Gutscheinfallen" austauschen und Muster-Beschwerdebriefe anbieten - die Gruppe "ab-in-den-Urlaub Gutscheinauszahlung" hat beispielsweise knapp 1900 Mitglieder, die Gruppe "Unister Geschädigte" knapp 900. Für die User dort ist die Sache eindeutig: „Noch so eine Verarschung der Kunden von ab in die Tonne! Bei dieser Firma hilft nur die Strafanzeige“, lautet der Beitrag eines Users.

Auch Sandra Keuper überlegt, diesen Schritt zu gehen: „Das ist jetzt die letzte Chance, sonst schalte ich einen Rechtsanwalt ein“, erklärte sie, „denn ich lasse mich ungern verarschen.“

Genau so lautet auch der Tipp von Stiftung Warentest: "Lassen Sich nicht abwimmeln und von standardisierten Antworten am Telefon oder per E-Mail entmutigen. Setzen Sie eine Zahlungs­frist, zum Beispiel von einer Woche, am besten per Einwurf-Einschreiben. Reagiert das Unternehmen nicht, bleibt nur der Gang zum Gericht. Beratung und Hilfe finden Sie auch bei Verbraucherzentralen", heißt es auf der Homepage der unabhängigen Verbraucherorganisation.

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