Landwirtin Birgit Backs leitet einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Sauen und Ferkeln. © Backs
Ehrenamt

Lünerin ist Vize-Kreislandwirtin: „Arbeit nimmt zu, Preise sinken“

Birgit Backs ist Landwirtin aus Überzeugung. Jetzt hat die Bäuerin aus Lünen-Niederaden ein neues Ehrenamt übernommen. Weil sie sich für die Zukunft der Landwirtschaft engagieren will.

Dass Birgit Backs einmal den Bauernhof ihrer Eltern in Niederaden übernehmen würde, war lange nicht klar. Eigentlich sollte ihr jüngerer Bruder der Landwirt werden. Obwohl sich die Schwester schon immer für die Landwirtschaft interessierte. Birgit Backs entschied sich, eine kaufmännische Ausbildung zu absolvieren, arbeitete dann auch in diesem Beruf in drei verschieden großen Unternehmen.

Dann entschied sich ihrer Bruder, definitiv nicht den Hof zu übernehmen. Und die Eltern fragten Birgit Backs, ob sie sich vorstellen könnte, ihre Nachfolgerin zu werden. Sie konnte, bestand aber auf einer fundierten landwirtschaftlichen Ausbildung. 1992 startete sie damit, schloss noch eine weitere Fachschule an und ist seitdem staatlich geprüfte Landwirtin.

Stellvertretende Kreis-Landwirtin

Ehrenamtlich engagierte sie sich schon in der Landjugend. Jetzt ist sie zur stellvertretenden Kreis-Landwirtin gewählt worden. In der Kreisstelle Ruhr-Lippe, die für die Bereiche Bochum, Herne, Dortmund, Hamm, Unna, Lünen, Selm und Werne zuständig ist. Gewählt wurde sie für sechs Jahre. „Wenn ich etwas mache, will ich es auch vernünftig machen“, sagt Birgit Backs.

Birgit Backs führte den damaligen NRW-Landwirtschaftsminister Minister Johannes Remmel durch ihre Schweineställe in Niederaden.
Birgit Backs führte den damaligen NRW-Landwirtschaftsminister Minister Johannes Remmel durch ihre Schweineställe in Niederaden. © Peter Fiedler (A) © Peter Fiedler (A)

Die zweifache Mutter kümmert sich mit ihrem Mann um den Betrieb in Niederaden, in dem Sauen und Ferkel gehalten werden. Sie kritisiert, dass es vielen Verbrauchern völlig egal ist, woher die Lebensmittel kommen, die sie kaufen. „Ich hatte eigentlich gehofft, dass es den Leuten wichtiger ist.“

In ihrem neuen Ehrenamt hofft sie, „etwas anstoßen zu können.“ Auf dem eigenen Hof ist sie dabei, die Zahl der Tiere zu reduzieren, denn „die Arbeit wird immer mehr, die Preise gehen aber immer weiter runter.“ Ihre Eltern hatten noch 22 Milchkühe, dann entschied man sich für die Schweinemast. Eine Direktvermarktung will Birgit Backs nicht starten, sie beliefert aber zum Teil Kollegen, die direkt vermarkten.

Ferkel selbst großziehen

Der Handel will am liebsten ein „Einheitsschwein“ geliefert bekommen, wenn Schweine zu groß oder zu klein bzw. leicht sind, bekommen Landwirte weniger Geld. In Hoch-Zeiten kümmerte sich Birgit Backs um bis zu 170 Tiere, inzwischen sind es nur noch 65 Sauen. Früher hatte sie nicht alle Tiere auf dem Hof großgezogen, sondern viele an feste Mäster geliefert. Jetzt hat sie sich entschieden, den Sauenbestand so weit herunter zu bringen, dass sie die Ferkel selbst großziehen kann.

Birgit Backs mit einem frischen Ferkel, das aus ihrem Zuchtbetrieb stammt.
Birgit Backs mit einem frischen Ferkel, das aus ihrem Zuchtbetrieb stammt. © Goldstein (A) © Goldstein (A)

Nur noch 60 Prozent der Ferkel, die in Deutschland groß gezogen werden, sind auch in Deutschland geboren. Die Zahl der Ferkel, die im Ausland geboren wurden, steigt immer mehr. „In den Nachbarländern gibt es andere Standards.“

Nach wie vor ist die 52-jährige Landwirtin, deren Mann Ackerbau auf seinem Hof im Nebenerwerb betreibt, überzeugt von der Vielseitigkeit ihres Berufs. Auch wenn diese Arbeit dazu führt, dass kaum Zeit für Urlaub bleibt. Denn die Tiere müssen schließlich jeden Tag versorgt werden, natürlich auch an Feiertagen und Wochenenden. „Zum Glück wohnen Ex-Azubis von uns in der Nähe und können auch mal ein paar Tage aushelfen.“ Außerdem gibt es auch einen Betriebshilfsdienst , der im Notfall einspringen kann, um die Tiere zu versorgen.

Kinder studieren nicht Landwirtschaft

Jetzt muss sie sich ins neue Ehrenamt einarbeiten, „das dauert zu Coronazeiten noch länger.“ Aber sie hat sich vorgenommen, für die Landwirtschaft und ihre Kollegen etwas zu erreichen, wie es seit Landjugendzeiten ihr Ziel war. Damit ihr Beruf weiter Zukunft hat. Obwohl es nicht einfacher wird. Auch weil nicht in allen Familien die Kinder die Höfe übernehmen werden. Die Kinder von Birgit Backs haben sich übrigens auch für andere Studiengänge entschieden, werden den Hof wohl nicht übernehmen.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
Zur Autorenseite
Beate Rottgardt

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt