Lünsche Mess: Mit Bollerwagen und Hackenporsche gegen Lebensmittel im Müll

mlzFoodsharing

Wenn die Lünsche Mess vorbei ist, kommt das große Aufräumen und - das Wegwerfen: Viele Lebensmittel wandern in den Müll. Einige Lüner wollen das ändern und ziehen mit Bollerwagen los.

von Antonia Gutzmann

Lünen

, 06.09.2019, 16:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei Großveranstaltungen wie der Lünschen Mess werden die übrig gebliebenen Lebensmittel der Stände am Ende oft weggeworfen. Daniela Surkamp und ihr „Foodsharing Team“ ziehen deshalb mit Bollerwagen und Einkaufstrolley („Hackenporsche“) am Sonntag, 8. September, von Stand zu Stand, um genau das zu vermeiden. Das haben sie zumindest vor.

Am Freitag haben sie erste Kontakte mit Händlern aufgenommen. Danach steht fest: Eine ganz einfache Aufgabe wird das nicht. Dabei ist ein Anfang längst gemacht: auf der Himmelfahrtskirmes. Damals kamen zwei Kofferraumladungen Schokofrüchte, frisches Obst und Gemüse, Wurst und Käse zusammen und wurden anschließend verteilt. Das wollen die Food-Sharer nun wiederholen.

,,Food-saving“ bei der Lünsche Mess

Aber: Von den fünf befragten Inhabern sind zwei keineswegs bereit, sich an dem Projekt zu beteiligen. Der eine begründet dies mit der Aussage, er habe gar keine Abfälle. Der andere teilte auf Nachfrage mit, er könne die übrig gebliebenen Lebensmittel nur gewinnbringend versteuern, wenn er diese wegwerfe.

Am Mandelstand von Petra Röber allerdings gibt es endlich eine positive Resonanz: ,,Das wird doch sonst alles nur weggeschmissen“, sagt sie. Sie sieht auch keinerlei Probleme bei der Versteuerung. Und Reste, so sagt sie, habe sie bisher immer auf der Lünschen Mess gehabt. Bei ihrem Stand handelt es sich bei den Resten meist um Schokofrüchte oder frisches Obst. Sie findet es besser, dass diese unentgeltlich weitergegeben werden, als sie wegzuschmeißen.

Lebensmittel werden in Lünen schon an vielen Stellen geteilt

Abgesehen von den großen Veranstaltungen gibt es in der Stadt schon viele, die sich bemühen, zu verhindern, dass Lebensmittel im Müll landen. 20 Betriebe machen schon mit. Darunter fast alle Rewemärkte und andere große Supermärkte wie zum Beispiel Edeka Bösel in Brambauer. Viele Betriebe arbeiten auch mit der Tafel zusammen.

Das ist Foodsharing

Ein nachhaltiger Trend

  • Jeder Deutsche produziert pro Jahr 500 Kilogramm Müll. Darunter Plastik, Papier, aber vor allem: Lebensmittel.
  • Viele von den Deutschen als nicht mehr genießbar erachtete Lebensmittel könnte man eigentlich noch guten Gewissens essen.
  • Noch mehr Lebensmittel als in den privaten Haushalten werden in Supermärkten weggeworfen. Diese sparen durch die Aktion an Entsorgungskosten.
  • Damit diese Lebensmittel nicht verschwendet werden, gibt es sogenannte Foodsharer. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese Güter zu ,,retten“ und in sogenannten ,,Fair-Teilern“ anderen unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.
  • Foodsharer sehen sich nicht als Konkurrenz zur Tafel, diese hat immer den Vortritt.

Allerdings, so sagt Daniela Surkamp, zögen manche die Zusammenarbeit mit dem Foodsharing Team sogar der Arbeit mit der Tafel vor: Denn diese sei auch an mehr gesetzliche Richtlinien gebunden und dürfe beispielsweise keine Produkte mit Verbrauchsdatum wie Fisch und Fleisch mitnehmen. Die Foodsaver nehmen diese allerdings auch nur mit, wenn das Verbrauchsdatum maximal einen Tag überschritten ist.

Inzwischen hat das Foodsharing Team in Lünen über 100 Mitglieder, darunter ca. 45 ,,Foodsaver“, die die übrig gebliebenen Lebensmittel bei den Unternehmen abholen und an Bekannte und Familie oder an ,,Fair-Teiler“ wie die Übernachtungsstelle für Wohnungslose in Gahmen oder die Abgabestelle ,,Gib- und Nimm Kühlschrank“im Parteibüro der Grünen in Lünen verteilen.

Vielen Lünern kommen die kostenlosen Lebensmittel sehr gelegen: ,,Am Ende des Monats sind unsere Kühlschränke in den Fair-Teiler Stationen oft leerer als am Monatsersten. Bei vielen Sozialhilfe-Empfängern wird dann das Geld knapp“, sagt Daniela Surkamp.

„Immer mehr Menschen haben ein größeres Bewusstsein für Lebensmittel“

,,Es sind immer mehr Betriebe bereit, mit uns zu arbeiten“ berichtet Surkamp. Generell sei ein Trend in Richtung Nachhaltigkeit zu erkennen: Auch Firmen würden zunehmend versuchen, weniger Lebensmittel zu verschwenden.

Auch das Foodsharing Team gewinnt immer weiter an Mitgliedern und hat so auch größere Kapazitäten, Lebensmittel von den Betrieben abzuholen, zu lagern und zu verteilen. Und so könnte es sein, dass bei der 41. Lünschen Mess im nächsten Jahr noch mehr Händler mitmachen - und mehr Menschen mit Bollerwagen losziehen, um Lebensmittel vor der Mülltonne zu retten.

Lesen Sie jetzt