Luftqualität in Lünen: Corona-Krise hat laut Landesamt kaum Einfluss

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Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz hat während der Corona-Krise deutlich reduzierte Feinstaubwerte gemessen. Ein echter Trend soll dadurch aber nicht ersichtlich sein.

Lünen

, 01.06.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch schlechte Zeiten wie die Coronakrise haben guten Seiten. So wirkte sich das geringere Verkehrsaufkommen im März und April auf die Luftqualität in NRW aus. Eine eigens gestartete Auswertung der Luftqualitätsmessdaten für den Zeitraum vom 16. März bis 14. April durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) hatte das Ziel herauszufinden, wie groß die Abnahme der Luftschadstoffbelastung ausgefallen ist.

NRW-weit geht das Lanuv nach ersten Schätzungen von einer Verminderung des Straßenverkehrs um 30 bis 50 Prozent aus. Für die Analyse vergleicht das Landesamt den Zeitraum mit Mittelwerten für den gleichen Zeitraum zwischen 2015 und 2019.

Allerdings gilt laut Lanuv: Die Aussagekraft ist gering. Unter anderem das Wetter könne großen Einfluss auf die Werte haben. Deshalb werden für die Auswertungen normalerweise Jahresmittelwerte verwendet. Gewisse Aussagen ließen sich auch mit Werten über sechs Monate bestimmen. Die Messdaten aus der Corona-Krise umfassen allerdings nur vier Wochen.

Werte um 20 Prozent gefallen

Unter diesen Umständen zeige sich, dass die Emissionswerte an viel befahrenen Straßen in Städten (verkehrsnahe Messstationen) während dieser vier Wochen deutlich geringer ausfallen als bei den sonst üblichen Jahresmittelwerten.

„Die Maxima in den Morgenstunden sowie ab dem späteren Nachmittag sind weiterhin erkennbar, zeigen sich jedoch geringer ausgeprägt“, heißt es .

In Zahlen: Die Stickdioxidbelastung (NO2) liegt zwischen 2015 und 2020 zur Spitzenzeit gegen 9 Uhr bei rund 60 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³), im Mittel. Vom 16. März bis 14. April 2020 wurde ein Wert von etwa 50 µg/m³im Mittel gemessen.

Europaweit gilt für Stickstoffdioxid der Ein-Stunden-Grenzwert von 200 µg/m³, der nicht öfter als 18 Mal im Jahr überschritten werden darf.

Auch bei den Emissionswerten für Feinstaub zeigt die Messung, dass die täglichen Durchschnittswerte vom 16. März bis 14. April niedriger liegen. Sie orientieren sich grob am Minimalwert des Durchschnitts der Jahre 2015 bis 2019.

Ein Screenshot aus dem Bericht des Lanuv. Die Grafik zeigt den Tagesgang an Werktagen an verkehrsnahen Stationen für Feinstaub PM10 vom 16.03.2020 bis 14.04.2020 im Vergleich zum selben Zeitraum in den Vorjahren 2015-2019. Der farbige Bereich markiert die Spannweite zwischen Minimum und Maximum 2015-2019.

Ein Screenshot aus dem Bericht des Lanuv. Die Grafik zeigt den Tagesgang an Werktagen an verkehrsnahen Stationen für Feinstaub PM10 vom 16.03.2020 bis 14.04.2020 im Vergleich zum selben Zeitraum in den Vorjahren 2015-2019. Der farbige Bereich markiert die Spannweite zwischen Minimum und Maximum 2015-2019. © Lanuv

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Der Vergleich der Lanuv-Messwerte für einzelne Städte des Monats März mehrerer Jahre zeigt, dass die NO2-Belastung im Jahr 2020 im Vergleich zum Jahr 2019 um etwa 20 Prozent gesunken ist. Dies beinhaltet neben den Auswirkungen der Corona-Krise auch die Wirkungen von Maßnahmen der Luftreinhalteplanung sowie Wettereinflüsse. Die Abnahme könne nicht allein den Auswirkungen des Corona-Krise zugeschrieben werden. Dies bestätige der Vergleich mit Daten von 2017 und 2018. Hier gab es eine Abnahme von etwa 15 Prozent. Ohne Corona-Krise.

Kein echter Trend in Lünen erkennbar

Auch in Lünen gibt es drei Messstationen. Eine in Niederaden, wo die so genannte Hintergrundbelastung gemessen wird. Die beiden Messstationen an der Viktoriastraße und an der Frydagstraße liegen in der Nähe von Industrieanlagen. Sie erlangten in den vergangenen Jahren zweifelhafte Berühmtheit, weil dort zwischenzeitlich Deutschlands schlechteste Feinstaubwerte gemessen wurden.

„Eine Veränderung durch Einflüsse der Corona-Maßnahmen ist sehr unwahrscheinlich, so lange sich an der Situation in den benachbarten Industrieanlagen nicht signifikant etwas geändert hat“, sagt Lanuv-Sprecherin Birgit Kaiser de Garcia dazu. Um eine belastbare Aussage zu bekommen, müsse das Lanuv die Jahresauswertung abwarten.

Ein echter Trend sei auch in Niederaden nicht erkennbar. Während im Januar 2019 15 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter gemessen wurden waren es 2020 16. Im Februar weist das vergangene Jahr 19 Mikrogramm auf, 2020 11. Und im März stehen 13 gegen 12 (2020).

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