Mai war in Lünen so trocken wie zuletzt 1989: „Trend zum Mittelmeerklima“

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Der Mai 2020 hat fast einen Rekord gebrochen: Nur 1989 fiel noch weniger Regen. Generell zeigt sich das gesamte Frühjahr zu trocken - über die Folgen gibt es unterschiedliche Meinungen.

Lünen

, 21.06.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Außergewöhnlich sonnig, nicht auffällig warm und vor allem deutlich zu trocken: So lautet die Zusammenfassung für den Monat Mai im Lippe-Gebiet. Minus 75 Prozent Niederschlag im Vergleich zum langjährigen Mittelwert vermeldet der Lippeverband für den „Wonnemonat“.

Im Durchschnitt gab es 14,5 Millimeter, im Vergleich zu 59 Millimetern im Mittelwert zwischen 1891 und 2010. Damit liegt der Mai 2020 in den gesamten vergangenen 129 Jahren auf Platz zwei der trockensten Mai-Monate. Noch trockener war lediglich das Jahr 1989 mit einer Monatssumme von elf Millimetern Niederschlag.

Auch in den beiden Monaten zuvor regnete es im Lippe-Gebiet mit 91 Millimetern deutlich weniger, als in all den Jahren zuvor im Durchschnitt (langjähriges Mittel: 165 Millimeter). Auf einen durchschnittlich feuchten März (plus 9 Prozent) folgte ein extrem trockener April (minus 66 Prozent). In der Summe fielen im Frühling 2020 also knapp 45 Prozent weniger Regen als im langjährigen Durchschnitt. In den Jahren 2011, 1893 und 1929 war der Frühling allerdings noch viel trockener.
Für Lünen wurden an der Station Kläranlage in den drei Monaten 90 Millimeter Niederschlag registriert, was Rang 4 der trockensten Perioden im Aufzeichnungszeitraum seit 1936 entspricht. Damit liegt der Wert um rund 49 Prozent unter dem langjährigen Mittel.

Und auch die Juni-Niederschläge liegen mit 37,5 Millimetern bis einschließlich 17. Juni bei lediglich knapp der Hälfte des Juni-Durchschnitts.

Winterschäden bleiben aus

„Die vergangenen drei Jahre waren wirklich prägnant“, sagt der Lüner Garten- und Landschaftsbauer Michael Petry. Bereits seit mehr als 20 Jahren im Geschäft, sieht er in den Wetterverhältnissen zwar keinen „Turn-Over“, aber doch einen deutlichen Trend. „Es ist sehr sehr schwierig, damit umzugehen“, sagt der Gartenbau-Meister.

Bei Pflanzungen seien er und sein Team vor deutliche Herausforderungen gestellt. „Dadurch, dass auch das Frühjahr so trocken ist, gibt es kaum noch Pflanzzeiten“, sagt er, „und wenn man zum Beispiel Gehölze pflanzt, sind sie so viel Stress ausgesetzt, dass sie hinterher oft nicht mehr schön aussehen.“

Durch das gesunkene Grundwasser könnten die Büsche und Bäume nicht genügend Wasser ziehen, und sie zu bewässern bringe nicht das, was sie brauchten. Besonders Buchen seien anfällig. Meist empfiehlt er seinen Kunden feste Gießringe aus Kunststoff, um den Wassermangel auszugleichen. Auch Rasenflächen lohnt es sich kaum noch zu säen; meist benutzt er Rollrasen, aber auch damit gebe es Schwierigkeiten.

Die Trockenheit und vor allem die fehlenden Winter haben auch einen Vormarsch der Schädlinge, wie zum Beispiel dem Eichenprozessionsspinner, zur Folge. „Es gibt einfach nicht mehr genügend „Wetter‘“, sagt Petry. „Wir bekommen immer mehr Verhältnisse wie im Mittelmeer-Raum. Ich empfehle Kunden immer öfter Pflanzen aus wärmeren Gefilden, wie zum Beispiel Schmetterlingssträucher, denn es gibt ja auch keine Winterschäden mehr.“

„Die Bäume schaffen das schon“

Eine gute Möglichkeit um Wasser einzusparen sei, den Boden in der oberen Schicht zu lockern oder den Boden zu mulchen, sagt hingegen Wolf-Dieter Giesebrecht vom Pflanzenmarkt Hof Giesebrecht. Denn dadurch verdunste das Wasser nicht so schnell und könne besser von der Pflanze aufgenommen werden. Außerdem sei es besser, Pflanzen einmal richtig „nass zu machen“, statt sie immer nur ein bisschen zu gießen. Das gelte im Moment vor allem für Pflanzen, deren Wurzeln nicht so tief in die Erde gehen - anders als bei Bäumen. „Die muss man noch nicht wässern, die schaffen das schon“, sagt Giesebrecht.

Generell komme es immer auf die Pflanzenart an, wie viel Wasser sie benötigt. Das sehe man den Pflanzen dann aber auch an, so Giesebrecht weiter. „Wichtig ist es also, seine Pflanzen zu beobachten.“

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