Das graue Schild zwischen dem roten und dem schwarzen Auto auf dem Foto weist die beiden Schwerbehinderten-Parkplätze aus, die zu dem Aldi-Markt gehören. Zu Rewe ist es von hier aus ein Stück. Links des Rewe-Eingangs: Der Mandelwagen. © Kristina Gerstenmaier
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Mandelwagen auf Behindertenparkplatz sorgt für Diskussionen in Lünen

Seit Jahren geht Walter Aufermann bei Rewe Hübner an der Cappenberger Straße einkaufen. Nicht zuletzt wegen der Behinderten-Parkplätze direkt neben dem Eingang. Jetzt sind die aber blockiert.

Walter Aufermann ärgert sich sehr. Seit Anfang Dezember kann der 72-Jährige, der als Beinamputierter im Besitz eines Sonderparkausweises ist, die Schwerbehindertenparkplätze vor dem Supermarkt seiner Wahl nicht mehr benutzen. Auch seine Frau ist als Rollstuhlfahrerin auf den nahen Behindertenparkplatz angewiesen. Dort steht nun jedoch ein Wagen, der gebrannte Mandeln und andere weihnachtliche Süßwaren anbietet.

„Wie kann das sein, dass sich die Gewerbetreibenden über das Schwerbehindertengesetz hinwegsetzen“, fragt er. Sein Schluss: „Hier scheint kommerzielles Interesse schwerer zu wiegen, als der Schutz der Schwerbehinderten“: ein Vorwurf, den Rewe Hübner aber nicht auf sich sitzen lassen will.

Keine Aufgabe des Ordnungsamtes

Zunächst wandte sich Aufermann an die Polizei. Als das ergebnislos blieb, an das Ordnungsamt. Das wiederum habe ihn „sehr unhöflich abgewimmelt.“ Auf Anfrage der Redaktion heißt es von der Stadt Lünen: „Der Parkplatz von Rewe Hübner ist eine private Fläche.“ Deshalb sei das Ordnungsamt nicht zuständig. Man solle sich an die Firma wenden.

Von Rewe-Inhaber Michael Hübner kommt daraufhin folgende schriftliche Antwort: „Viele Rewe-Märkte unterstützen Weihnachts-Stände, damit diese arbeiten und überleben können. Der Stand kommt bei den Kunden super an. Es sind trotzdem noch ausreichend Behinderten-Parkplätze vorhanden.“

Damit verweist Hübner auf zwei Behindertenparkplätze, die sich in unmittelbarer Nähe zum benachbarten Aldi-Markt befinden.

Verstoß gegen geltendes Baurecht

„Die sind für uns leider zu weit weg“, meint Walter Aufermann dazu. Besonders ärgern den gelernten Bauingenieur, der auch Behindertenbeauftragten der Ruhrkohle AG ist, zwei Dinge: Zum einen werden doch auch anderswo Knöllchen für Parkende verteilt, die fälschlicherweise auf Behindertenparkplätzen stehen. Andersherum hat er selbst auch schon Ordnungsgelder zahlen müssen, weil er aus der Not heraus in der Nähe eines Geschäfts parkte. Zum Zweiten erregt es Aufermanns Wut, dass der Mandel-Wagen mit seinem Standort eindeutig gegen geltendes Baurecht verstoße: „Das Baurecht, mit dem ich mich gut auskenne, besagt eindeutig, dass ein Gebäude dieser Größe drei Schwerbehinderten-Parklätze zur Verfügung stellen muss. Außerdem heißt es, dass diese nicht für kommerzielle Zwecke genutzt werden dürfen.“

Auf Stadtgebiet gäbe es ohnehin sehr wenige Behinderten-Parkplätze. Und wenn man die, die es gibt dann auch noch für kommerzielle Zwecke benutze, „dann ist das eine gravierende Ungerechtigkeit und ganz ganz große Sauerei.“

Inzwischen Ist ein dritter Behindertenparkplatz provisorisch ausgewiesen – direkt neben dem Mandelwagen.

In einer ersten Fassung des Berichts hatten wir irrtümlich geschrieben, der Mandelwagen blockiere drei Parkplätze. Das stimmt so nicht. Es ist lediglich ein Parkplatz betroffen.

Über die Autorin
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In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier

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