Masterplan Einzelhandel: Die Innenstadt von Lünen neu denken

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Der Stadtrat hat den Masterplan Einzelhandel verabschiedet. Die zentralen Versorgungsbereiche wurden verkleinert, um den Fokus noch stärker auf den „Daumenabdruck der Stadt“ zu lenken.

Lünen

, 06.07.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für die Händler in Lünen hat der neue Masterplan Einzelhandel erst einmal keine Konsequenzen: Sie können (und sollen) ihre Geschäfte weiter dort betreiben, wo sie sind. „Der Masterplan Einzelhandel ist eine Art Leitfaden, der vor allem dann zum Tragen kommt, wenn es um Bauleitplanung geht“, erläutert Thomas Berger, Leiter der Abteilung Stadtplanung.

Der Masterplan definiert, wo im Stadtgebiet welche Form von Einzelhandel möglich sein soll. Das hat einerseits eine restriktive Wirkung - nicht überall kann einfach ein Laden eröffnen -, andererseits schützt es aber auch die Innenstadt, die durch den Plan vor Ansiedlungen im Umkreis geschützt werden soll. „Wir müssen die Leute weiter in die Innenstadt holen“, betont auch der Technische Beigeordnete Arnold Reeker.

In der Innenstadt zeigt sich die Qualität

Er bezeichnet die Innenstadt als den „Daumenabdruck“, der eine Stadt unverwechselbar macht: „Sie können Städte eigentlich nicht miteinander vergleichen. Jede Situation ist anders, es gibt unterschiedliche Bevölkerungsstrukturen, unterschiedlichen Lagen.“ In der Innenstadt zeige sich deshalb letztlich „die Qualität einer Stadt“.

Der sogenannte Zentrale Versorgungsbereich in der Lüner Innenstadt, wie er im Masterplan Einzelhandel beschlossen wurde.

Der sogenannte Zentrale Versorgungsbereich in der Lüner Innenstadt, wie er im Masterplan Einzelhandel beschlossen wurde. © Stadt Lünen

Und da hat Lünen in den vergangenen Jahren bereits viel erreicht, findet Reeker: „Wir sind beispielsweise nicht auf die Verlockungen von Investoren wie ECE angesprungen, die hier innerstädtische Einkaufszentren bauen wollten.“ Stattdessen habe man die Innenstadt Stück für Stück weiterentwickelt - mit einigen „Magnetbetrieben“, wie es im Masterplan bei großen Mietern wie Saturn, Müller oder Adler-Moden heißt, aber auch mit einer klaren Aufteilung: „Südlich der Lippe haben wir verstärkt Einzelhandel, während wir nördlich eher die Gastronomie stärken wollten.“ Besondere Bedeutung komme nun auch der neuen Stadtbücherei in der Persiluhr-Passage zu: „Genauso, wie Studenten zum Lernen und Arbeiten in die Bibliothek gehen, könnte die Bücherei ein solcher Treffpunkt werden“, lautet eine von Reekers Visionen.

Horstmar als positives Beispiel

Nicht nur in der Innenstadt, auch für die Stadtteilzentren in Brambauer oder Lünen-Süd gibt der Masterplan die Richtung vor. Allerdings ist die Situation dort deutlich schwieriger: „Es wird sich heutzutage nur noch schwer jemand finden, der auf der Jägerstraße oder der Waltroper Straße ein Bekleidungsgeschäft eröffnet“, nennt der Beigeordnete ein Beispiel. Entsprechend müsse man für diese Zentren neue Lösungen finden, denn „natürlich sind diese Orte für die Menschen, die dort wohnen, von immenser Bedeutung“.

Der neue Zentrale Versorgungsbereich für Brambauer.

Der neue Zentrale Versorgungsbereich für Brambauer. © Stadt Lünen

Neben dem Einzelhandel sorgt der Masterplan auch dafür, dass bestehende Versorgungspunkte nicht geschwächt werden. Thomas Berger erläutert das am Beispiel Horstmar: „Dort wollte ein Projektleiter am alten Rewe-Standort einen weiteren Lebensmittelladen eröffnen.“ Das sei aufgrund des Masterplans, der damals noch Einzelhandelskonzept hieß, abgelehnt worden: „Denn ein solcher Laden hätte sowohl den K+K an der Preußenstraße als auch den Lidl an der Niederadener Straße geschwächt.“ Gerade letzterer sei für Niederaden „der letzte Anker“ gewesen, so Berger. „Im Ergebnis zog Action an den alten Rewe-Standort, und Lidl hat seine Filiale an der Niederadener Straße sogar noch aufgewertet.“

Ein Einzelhandelskonzept ist für eine Kommune nicht die Ausnahme, sondern die Regel. „Der Handel spielt für eine Stadt eine Führungsrolle“, so Arnold Reeker. Wobei diese Rolle nachweislich kleiner wird: „Dadurch, dass man sich immer mehr nach Hause bestellen kann, kommen weniger Menschen in die Stadt, um einzukaufen.“ Wenn man also wieder mehr Menschen in die Stadt locken möchte, muss man die Innenstadt vielleicht neu denken. Hier bietet gerade die Lippe noch ein hohes Potenzial. „Wenn sie nur nicht so tief gebaut wäre“, seufzt der Technische Beigeordnete.

Innenstadt muss flexibel reagieren

Fest steht: Die Rolle des Handels wird sich verändern. „Der Handel selbst wird vielleicht nicht schrumpfen, wohl aber die Verkaufsflächen, weil vielleicht mehr Geschäfte sich komplett auf Internet verlagern“, schätzt Thomas Berger. Gleichzeitig habe man schon erlebt, dass Firmen aus dem Internet heraus einen Showroom in der Innenstadt gesucht haben. „Die probieren das eine Zeit lang aus und verschwinden dann im Zweifel wieder.“ Entsprechend flexibel müsse eine Innenstadt deshalb reagieren können.

Sowohl Reeker als auch Berger gehen davon aus, dass sich der „Zentrale Versorgungsbereich“, also jene Fläche, in der sich Geschäfte ansiedeln dürfen, weiter verkleinert. „Der Masterplan wird ständig fortgeschrieben, und man kann jetzt unmöglich vorhersagen, über was wir in fünf Jahren diskutieren.“ Wenn dann aber zum Beispiel die Cappenberger Straße aus diesem Versorgungsbereich herausfiele, hätte das keine Konsequenzen für dort angesiedelte Betriebe: „Es gilt natürlich der Bestandsschutz“, bekräftigt Arnold Reeker.

Die Verteilzentren in Lünen gemäß des Masterplans Einzelhandel.

Die Verteilzentren in Lünen gemäß des Masterplans Einzelhandel. © Stadt Lünen

Einen besonderen Wunsch für die Innenstadt gibt es: „Einen Lebensmittelladen.“ Zwar ist die Fußgängerzone mehr oder weniger von Vollsortimentern umgeben, doch die sind vor allem für die angrenzenden Wohngebiete wichtig. Fußläufig sei in Lünens Zentrum hingegen kein solcher Laden zu erreichen. „Wir haben da auch schon einiges probiert, bisher leider ohne Erfolg“, so Reeker. Eine von vielen Aufgaben, der sich die Stadtplanung in den nächsten Jahren stellen muss.

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