Mehr Opfer, striktere Regeln: Lünerin (26) erlebt Corona in Schottland

mlzViele Einschränkungen

Während bei uns Lockerungen greifen, hält das Corona-Virus Großbritannien fest im Griff. Eine junge Lünerin erlebt die Corona-Krise im schottischen Glasgow. Und hat noch Glück im Unglück.

Alstedde

, 12.05.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zahl der Corona-Infizierten und Toten in Großbritannien ist hoch. Entsprechend sind - mittlerweile - die Vorsichtsmaßnahmen auf der Insel. Das erleben zurzeit die Lünerin Marie Blaszczyk (26) und ihr amerikanischer Verlobter Russell (30) im schottischen Glasgow.

Dass der Kalifornier derzeit zusammen mit seiner Verlobten überhaupt in Glasgow leben kann, war Glück. Er kam gerade noch rechtzeitig in Schottland an, bevor eine Einreise aus den USA nach Großbritannien schwierig oder gar unmöglich geworden wäre. „Zwei Wochen später hätte es wohl nicht mehr geklappt“, sagt Marie Blasczczyk.

Uni ermöglicht Seminare online

Eigentlich wollte der 30-Jährige nur einen Monat - während seine Uni Urlaub hatte - bei seiner Verlobten bleiben, die derzeit noch in Glasgow studiert. Dann musste er sich dort in Quarantäne begeben, und als seine Uni ermöglichte, alles online zu absolvieren, entschied er sich, bei Marie zu bleiben. Die Lünerin macht in Glasgow ihren Masterabschluss in Philosophie.

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Sie wohnte zunächst in einer WG, für zwei war ihr Raum aber zu klein, zumal beide wegen der Corona-Krise im Home Office arbeiten. „Wir hatten wieder Glück und konnten bei einem Vermieter, der normalerweise an Touristen vermietet, eine Wohnung günstig bekommen. Derzeit kommen ja keine Touristen.“

So können beide problemlos von zuhause aus arbeiten. Marie ganz normal tagsüber. Russell dagegen - wegen der Zeitverschiebung zwischen Schottland und Kalifornien - hat viele Seminare zwischen Mitternacht und drei Uhr nachts.

Strenge Auflagen wegen Corona

Die Auflagen und Verbote in Großbritannien wegen Corona sind deutlich härter als sie es in der Bundesrepublik je waren. „Die britische Regierung hat zu spät reagiert“, findet nicht nur Marie Blaszczyk. Ergebnis: Die Menschen auf der Insel dürfen nur vor die Tür, um einzukaufen, das aber möglichst nicht zu oft. In Supermärkte und Apotheken darf man, aber eben „so selten wie möglich“.

Einmal am Tag dürfen Marie und Russell auch raus, um Sport zu machen. Natürlich entweder alleine oder mit Menschen, die im selben Haushalt leben. Wie das junge Paar.

Marie Blaszczyk vor der Uni in Glasgow. Ihren Masterabschluss wird sie dort noch machen, für die Promotion will sie in die USA.

Marie Blaszczyk vor der Uni in Glasgow. Ihren Masterabschluss wird sie dort noch machen, für die Promotion will sie in die USA. © Blaszczyk

Marie: „Die Polizei kontrolliert auch in den Parks. Vor ein paar Wochen durfte man überhaupt keine Pause machen, jetzt nur ganz kurz mal auf einer Bank sitzen, aber das muss wesentlich kürzer sein als der eigentliche Spaziergang oder die eigentliche Jogging-Runde.“

Man müsse sich an eine neue Normalität gewöhnen- so sieht es die 26-Jährige. Für ihre Promotion will sie in die USA gehen. Auch dort sind die Zahlen der Infizierten und der Todesfälle durch Corona enorm hoch. „Man erwartet, dass sich die Zahl der Corona-Toten in den USA bis Anfang Juni verdoppeln wird.“

Die Eltern ihres Verlobten halten sich in Kalifornien an die Vorsichtsmaßnahmen wie das Social Distancing. Zu ihnen und zu Maries Eltern in Alstedde hält das Paar regelmäßig Kontakt.

Promotionsstelle an der Uni in Chicago

Ab September hat Marie eine Promtionsstelle an der Universität von Chicago. „Ich habe die Stelle angenommen und werde sehen, ob ich sie erstmal online antrete oder in die USA reisen kann. Die Frage ist, wie die Situation bis dahin aussieht.“ Russell kann bis Ende August ohne Visum im Vereinigten Königreich bei Marie bleiben - zeitlich würde es passen, dass Beide dann zusammen in die USA gehen.

Bewusst hat sich das Paar feste Strukturen gegeben - Home Office von Montag bis Freitag und dann ein „richtiges“ Wochenende. Auch der tägliche Spaziergang hilft in der derzeitigen Situation. „Online treffen wir uns oft mit einem Freund, der hier alleine lebt und der schon darunter leidet.“

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